Rekingen/Zurzach
Sturm zerstört den Kult-Blitzer – doch Künstler Santhori macht ein Versprechen

Vor dem Atelier von Santhori steht nur noch ein Überbleibsel seiner Blitzer-Skulptur. Doch das ist kein Zustand für die Ewigkeit.

Philipp Zimmermann
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Der Blitzer von Künstler Santhori (oder was davon übrig blieb) vor seinem Atelier im ehemaligen Solvay-Kindergarten in Rekingen.
12 Bilder
Die Blitzer-Skulptur von Künstler Santhori wurde im Februar von Sturm Sabine zerstört – übrig nur der graue Kern.
Die Skulptur steht einige Meter von der Kantonsstrasse entfernt.
Hier stand der bunte Blechpolizist von Santhori ursprünglich.
Zwischenzeitlich stand nur noch die graue Hülle dort.
Guerilla-Aktion: Santhori (l.) und Walter Wäschle verhüllen 2016 beim Walcheplatz in Zürich eine echte Radarfalle.
Punkt 10 Uhr schreiten die Guerilla-Künstler zur Tat.
Der Blechpolizist ist in wenigen Minuten verhüllt.
So sieht die Radarfalle unverkleidet aus.
Was sich wohl die Autofahrer beim Anblick der Skulptur gedacht haben?
Architekt Walter Wäschle und Santhori, der in Wipkingen aufgewachsen ist, vor dem verkleideten Blechpolizisten.

Der Blitzer von Künstler Santhori (oder was davon übrig blieb) vor seinem Atelier im ehemaligen Solvay-Kindergarten in Rekingen.

Philipp Zimmermann

Künstler Santhori, 70, zieht mit seinem Atelier auf Anfang Juli vom Rekinger Solvay-Kindergarten ins Schloss Zurzach. Das gab er vor kurzem bekannt, als die Schlossbesitzer die Türen für interessierte Besucher öffneten. Was passiert nun mit seiner Skulptur des bunten Blechpolizisten? Dieser ist nicht nur der schönste weit und breit. Er geniesst dank seiner Vorgeschichte auch Kultstatus. «Sturm Sabine hat ihn komplett verhauen», erzählt Santhori. Das war bereits vor vier Monaten, im Februar.

Auf der Wiese vor seinem Atelier steht nur noch der graue Kern der Skulptur. Diese war mit Eisenpfählen auf drei Seiten im Boden verankert. Der Sturm riss die Skulptur aus der Verankerung und blies sie nieder. Die Überreste blieben einige Meter weiter liegen. «Ich habe meinen Augen nicht getraut», erzählt der Zurzacher Pop-Art-Künstler. «Das hat schlimm ausgesehen.» Der bunte Blechpolizist sei nicht zu retten gewesen.

Hier stand der bunte Blechpolizist von Santhori ursprünglich.

Hier stand der bunte Blechpolizist von Santhori ursprünglich.

ZVG

Anders war das noch vor zwei Jahren, als Vandalen den Blitzer beschädigten. «Damals hatten wir Glück», sagt Santhori. Jemand habe ihm sofort angerufen. Er habe die Skulptur gleich wieder aufstellen und flicken können.

Autofahrer treten wegen des Blitzers auf die Bremse

Der Blitzer stand damals noch direkt an der Grundstücksgrenze, nur wenige Meter von der Kantonsstrasse entfernt. Santhori musste feststellen, dass manche Autofahrer keinen Sinn für seine Kunst haben. Manche fühlten sich von der Radarfallen-Skulptur provoziert, andere liessen sich von ihr irritieren und fuhren – man weiss ja nie – mit gedrosseltem Tempo an ihr vorbei.

Auch der Gemeinde Rekingen war der falsche Blitzer ein Dorn im Auge. Sie forderte Santhori respektive seine Vermieterin, die Solvay AG, auf, ein Baugesuch einzureichen. Santhori erzählt, er habe sich beim kantonalen Baudepartement über die rechtliche Lage erkundigt. Die Gemeinde hätte für sein Kunstwerk kein Baugesuch fordern dürfen. Santhori ist sich sicher: «Ich hätte den Blitzer dort stehen lassen können.» Dem Frieden zuliebe habe er ihn aber einige Meter von der Strasse weg versetzt. «Die Gemeinde war dann zufrieden.» Damit war es vorbei mit der Provokation.

Der Blitzer fand aber auch viele Fans. Manch einer erinnert sich noch an die Guerilla-Kunstaktion vom Januar 2016: In der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs verhüllten Santhori und Architekt Walter Wäschle einen grauen Blitzer mit der bunten Hülle. Das Kunstwerk stand drei Stunden lang, ehe die Stadtpolizei sie wieder entfernte.

Santhori wird das Blitzter-Überbleibsel vor seinem Atelier in Rekingen abräumen und es im Schloss-Keller deponieren. Dass die Radarfallen-Skulptur dereinst eine Wiederauferstehung feiert, will er nicht ausschliessen – im Gegenteil. «Es wäre super, wenn der Blitzer dereinst wieder irgendwo stehen würde», sagt er mit einem Lachen. Es klingt fast wie ein Versprechen.

Schloss Zurzach in Bildern:

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47 Bilder
12 Jahre lang war das Schloss Zurzach…
…oder auch Villa Himmelrych genannt…
…nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die neuen Besitzer luden ein (von links): Markus Birchmeier, Marianne und Heinrich Pfister, Karin und Reto S. Fuchs
Neugierige Besucherinnen und Besucher kamen am «Morgen der offenen Türe».
Die Gründerzeit-Villa entstand um 1900.
Sie wurde vom Industriellen Jakob Zuberbühler erbaut.
Die Besucherinnen und Besucher wurden am Eingang vom neuen Schlossherren (m.) begrüsst.
Im Innern des Schlosses…
…gibt es edle Holzdecken…
oder prächtige Deckenornamente zu bestaunen.
Eine Deckenstukkatur…
…im Detail.
Aber es gibt auch Spuren gröberer Eingriffe zu sehen.
Die Wandverzierungen sind…
…mal schlicht…
…mal fantasievoll lebendig.
Aber nicht nur ein Blick nach oben lohnt sich…
…auch die kunstvollen Böden…
…können begeistern.
Die Renovationsarbeiten sind unübersehbar, …
… was der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch tat.
Die leeren Stuck-Bilderrahmen erinnern an eine Zeit…
…als Bilder des Malers August Deusser ausgestellt wurden.
Im Nordost-Eckzimmer hat nun der Zurzacher Künstler Santhori sein Atelier gefunden.
Gleich ob die Fenster rund…
…viereckig…
…bunt…
…oder schlicht sind:
Bei den kunstvollen Glasfenstern…
…lohnt sich schon mal ein Erinnerungsfoto.
Der Name Zuberbühler taucht nicht nur dort…
…sondern auch im Keller…
…an unerwarteten Orten auf.
Sei es beim Blick durchs Fenster…
…oder vom Dach…
…die Aussicht…
…scheint den Besuchern zu gefallen.
Filigrane Gusskonstruktionen…
… sind an der Fassade…
…an Geländern…
…oder auf dem Dach zu finden.
Obwohl der Springbrunnen im Park noch nicht wieder in altem Glanz erstrahlt…
…kann er dennoch reizvoll sein.
Es wird noch ein langer Weg sein…
…bis das Schloss Zurzach wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

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Claudio Thoma