Leuggern
Spitaldirektor René Huber: «Sparen ja – die Frage ist, wie und wo»

Das Regionalspital schreibt schwarze Zahlen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind grosse Investitionen nötig.

Daniel Weissenbrunner
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Spitaldirektor René Huber: «Mit einem Abbau von Spitälern würden keine Kosten gespart.»

Spitaldirektor René Huber: «Mit einem Abbau von Spitälern würden keine Kosten gespart.»

Daniel Weissenbrunner

In den Finanzen des Kantons Aargau klafft ein riesiges Loch. Die Regierung rechnet mit einem jährlichen Defizit von bis zu 250 Millionen Franken, wie sie letzte Woche bekannt gegeben hat (die az berichtete). Deshalb muss der Haushalt dringend saniert werden, mit einschneidenden Massnahmen – auch im Gesundheitsbereich. Hier sollen 20 bis 30 Millionen Franken eingespart werden. René Huber, Direktor des Spitals in Leuggern, hat die Absichten der Regierung zur Kenntnis genommen. Er sieht den Plänen mit gemischten Gefühlen entgegen. «Es steht ausser Frage, dass Einsparungen nötig sind. Der Punkt ist nur, wie und wo.»

Im Unterschied zum Kanton darf Huber auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Er präsentierte gestern die Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2016. Das Betriebsergebnis darf sich in der Tat sehen lassen. Das Spital Leuggern, das zur Asana Gruppe gehört (siehe Box), erwirtschaftete einen Gewinn von knapp 1,4 Millionen Franken. «Wir befinden uns auf dem richtigen Weg», erklärt Huber, der seit dreieinhalb Jahren für die operative Leitung des Spitals verantwortlich ist. Die diversen Anpassungen und Massnahmen hätten Wirkung gezeigt, so der CVP-Grossrat. Die Zahl an stationären Patienten konnte gegenüber dem Vorjahr um gut 200 auf 4143 gesteigert werden, im ambulanten Bereich verzeichnete das Spital einen Zuwachs um über 500 Patienten auf 8450. Und die Pflegetage im Pflegeheim erhöhten sich von 16 636 auf 17 218. Zudem verzeichne man erneut einen Geburtenrekord: Im Spital Leuggern erblickten letztes Jahr 733 Säuglinge das Licht der Welt.

Warnung vor Abbau

Trotz des erfreulichen Abschlusses besteht für René Huber kein Anlass, sich zurückzulehnen. Wegweisend wird sein, wie die Politik die Weichen im Gesundheitswesen stellen wird. Die Regierung will die Spitalliste straffen und die Spitäler besser kontrollieren. Die Liste legt fest, welche Leistungen wo angeboten werden. Voraussichtlich in drei Jahren soll der neue Index in Kraft treten. Huber warnt in diesem Zusammenhang davor, Spitäler abzubauen, um damit Kosten sparen zu können. Er plädiert im Gegenteil auf eine stärkere Deregulierung, auf mehr Markt und dass die finanziellen Fehlanreize zwischen stationären und ambulanten Aufenthalten beseitigt werden. Gespannt darf man auf jeden Fall sein, wie die Gespräche zwischen der neuen Gesundheitsministerin Franziska Roth und den Vertretern der Vereinigung aargauischer Gesundheitspartner VAKA verlaufen werden. Roth hat letzte Woche erwähnt, dass eine sachgerechte Spitalplanung nötig sei.

Auf das Spital Leuggern warten ungeachtet der politischen Prozesse in den kommenden Jahren grosse Herausforderungen. Im Rahmen des Projekts «Impuls» soll die Infrastruktur der in die Jahre gekommenen Gebäude modernisiert werden. Der Hauptfokus liegt auf dem Neubau des Pflegeheimes, da die heutigen Mehrbettzimmer nicht mehr den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner entsprechen. Zudem soll die Notfallstation vergrössert und Platz für zusätzliche ambulante Dienstleistungen geschaffen werden. Immer vor dem Hintergrund, die Grundversorgung für die Bevölkerung des Zurzibiets und angrenzenden Regionen sicherzustellen.

Die geplanten Erweiterungen lösen Kosten von rund 20 Millionen Franken aus. An einer ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst soll das Projekt abgesegnet werden. Baubeginn wäre im Frühling kommenden Jahres. Huber rechnet, wenn alles plangemäss läuft, dass die neuen Räumlichkeiten im Frühling 2020 bezugsbereit sein werden. «Für uns ist das ein grosser Brocken», sagt René Huber. Damit das Spital Leuggern auch in Zukunft weiterhin eine wettbewerbsfähige Adresse bleibt, seien die Investitionen zwingend notwendig.

Asana Gruppe: Satter Gewinn

Die Asana Gruppe AG mit ihren Regionalspitälern und Pflegeheimen in Leuggern und Menziken blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016 zurück. Die bereits im Vorjahr spürbare Trendwende wurde durch die weitere positive Entwicklung der Ergebnisse an beiden Standorten deutlich bestätigt. Die Gruppe erzielte insgesamt einen Gewinn von 5,3 Millionen Franken. (dws)

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