Kaiserstuhl
Sopranistin Maya Boog: Eingesprungen und frenetisch gefeiert

Das Corona «Festival der Stille» war zwar kleiner, aber mit grossen Künstlern und einem begeisterten Publikum.

Rosmarie Mehlin
Drucken
Teilen
Sopranistin Maya Boog überzeugte am Festival der Stille.

Sopranistin Maya Boog überzeugte am Festival der Stille.

TOBY STUDER

Das diesjährige «Festival der Stille» hat sich am Samstag nicht still und leise verabschiedet, sondern mit frenetischem Applaus. Und mit einer Überraschung. Für die kurzfristig erkrankte Sopranistin Rachel Harnisch war Maya Boog – ebenfalls eine Schweizer Sopranistin – eingesprungen. In nur vier Tagen hatte sie drei Arien von Friedrich Händel, zwei Lieder von Richard Strauss und zwei vertonte Shakespeare-Sonette einstudiert. Komponiert vom Pianisten und Festival-Mit-Initianten Massimiliano Matesic erlebten die Sonette in der St. Katharina Kirche vor begeisterter Zuhörerschaft ihre Uraufführung. Das Ensemble packte das Publikum auch mit einer Sonata und eine Ouvertüre von Henry Purcell. Ein grosser Höhepunkt war «Lascia ch’io pianga», eine der berühmtesten Händel Arien, mit der die ausdrucksstarke Boog und das Ensemble glänzten. Der Beifall hallte lang und intensiv im Kirchengemäuer.

Mit der Leidenschaft für ihr Festival und einer gehörigen Prise Mut hatten Daria Zappa und ihr Mann Massimiliano Matesic Corona zum Trotz Kaiserstuhl auch diesen August an zwei Wochenenden zu einem Mekka für Liebhaber musikalischer Leckerbissen gemacht. Zwar waren es nur drei Konzerte, doch jedes erlebte je eine Aufführung um 18 Uhr und um 20 Uhr.

Den Auftakt hatten am Freitag, 21. August, unter dem Titel «La Vie en Rose» Chansons und Literatur im Keller der Kaiserbühne gemacht: Lera Furrer hatte, begleitet von Massimiliano Matesic am Klavier, Chansons von Edith Piaf und anderen gesungen; Hausherr, Regisseur und Schauspieler Peter Niklaus Steiner Texte von Jean-Paul Sartre gelesen. Coronabedingt konnte der Zuschauerraum bedeutend weniger Besuchern als üblich zugänglich gemacht werden. Der ersten Vorstellung um 18 Uhr waren es 35 Zuschauer, um 20 Uhr rund 30 Gäste. Bereits die beiden Konzerte am 22. August in der Kirche St. Katharina waren sehr gut besucht. Um 18 Uhr hatten sich 80 Zuhörer von Beethoven, Schuhmann, Brahms und mit «Introduzione e Passacalia» einer weiteren Matesic-Uraufführung – interpretiert vom Duo Thomas Grossenbacher Cello und Yulia Miloslavskaya Klavier – verzaubern lassen. Um 20 Uhr hatten nochmals 70 Musikliebhaber den Weg ins Städtchen gefunden. An jenem Abend, wie auch am 29. August, wurden die Corona-Abstandsregeln genau beachtet, auch trugen etliche Besucher eine Maske. Während am vergangenen Samstag dem ersten Konzert um 18 Uhr 70 Zuhörerinnen und Zuhörer beiwohnten, war St. Katharina um 20 Uhr mit 90 Gästen bis auf den letzten erlaubten Platz besetzt.

Aktuelle Nachrichten