Lengnau
«Ned ganz hundert»: Neurosen zum Kugeln vor lauter Lachen

Das Theater sorgt in der Rietwise mit «Ned ganz hundert» für hundert Prozent Vergnügen.

Rosmarie Mehlin
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Gut gespielt: Die sexsüchtige Paula (Barbara Lüscher, links) und die wahnsinnig verliebte Beatrice (Diana Patrizio).
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Theater Lengnau mit dem Stück "Ned ganz hundert"
Zwangsneurotiker Hans, die sexsüchtige Paula und Groupie Beatrice.
Theater Lengnau mit dem Stück "Ned ganz hundert"
Theater Lengnau mit dem Stück "Ned ganz hundert"
Der Psychiater (Dani Laube) hat Cécile in eine Zwangsjacke gesteckt.
Bisweilen geht alles drunter und drüber in der Wohngruppe.

Gut gespielt: Die sexsüchtige Paula (Barbara Lüscher, links) und die wahnsinnig verliebte Beatrice (Diana Patrizio).

Rosmarie Mehlin

Hans (gespielt von Dani Moser) putzt, desinfiziert, kontrolliert auf Teufel komm raus. Paula (Barbara Lüscher) telefoniert mit lasziver Leidenschaft für Erotik. Viola (Jenny Schüpbach) versteckt sich verängstigt hinter Zimmerpflanzen.

Desirée (Sandra Rey) tanzt und malt zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Beatrice (Diana Patrizio) ist nicht einfach glücklich, sie ist wahnsinnig – und das im wahrsten Sinne des Wortes – verliebt.

Da wird rasch klar, dass das Quintett «Ned ganz hundert» ist und so lautet denn auch der Titel der neuen Produktion des Theaters Lengnau, einer Komödie von Winnie Abel. Die 32-jährige Deutsche ist eine, auch in der Schweiz, sehr erfolgreiche Autorin von Lustspielen und Komödien für Amateurtheater.

Ein komödiantisches Multitalent

Marc Freiermuth hat ein wunderbares Bühnenbild in die Mehrzweckhalle Rietwise gezaubert. So findet sich das Publikum, kaum ist der Vorhang offen, mitten im Aufenthaltsraum einer Psychiatrie-Wohngruppe. Die Menschen, die nach und nach auftreten, benehmen sich – na ja – etwas ausserhalb der Norm. Aber was ist schon normal?

Wer hat schon kein Neuröschen und Stimmungsschwankungen? Wer verehrt nicht einen Künstler und wähnt sich von diesem geliebt? Auch ist es kein Geheimnis, dass Sex ein weites Feld ist. Beatrice, Desirée, Paula, Viola und Hans leben ihre Neigungen entweder sehr extensiv oder aber zwanghaft aus. Was in Wirklichkeit tragisch ist, wird in der Komödie mit ulkigen Überraschungen, aberwitzigen Zufällen, an Pointen reichen Dialogen zur köstlichen Unterhaltung.

Einen massgeblichen Anteil an dem Vergnügen haben die Inszenierung und die Darsteller. Zum ersten Mal hat Diana Patrizio – offensichtlich ein komödiantisches Multitalent – Regie geführt. Ihr Können und Temperament als Schauspielerin, hat sie in Lengnau schon mehrfach unter Beweis gestellt.

Nun zeigt sich, dass sie auch beim Inszenieren ein glückliches Händchen hat. Patrizio lebt in Untersiggenthal und ist bei weitem nicht die einzige auswärtige Verstärkung im Theater Lengnau, kommen die Mitwirkenden doch aus sieben Gemeinden. Zwischen 16 und 53 Jahre alt, fügen die sechs Frauen und vier Männer sich locker und mit sprühender Spielfreude zu einem überzeugenden Ensemble.

Es sind dies, nebst den bereits Erwähnten, Erika Werder als Paulas Mutter Céline; René Zürrer als Volksmusikstar Harri; Dani Laube als Psychiater; Marcel Schattmann als Beschäftigungstherapeut und Léonie Zürrer sowohl als Tupperware-Verkäuferin wie auch als Blick-Reporterin.

Eingespielte Slapstick-Videos

Dieses bunte Völklein bringt gewaltig viel Turbulenzen – inklusive einer rassigen Tanzshow – auf die Bühne und lässt das Publikum Zeuge von immer wieder neuen schrullig-witzigen Situationen werden, was die Lachmuskeln ganz schön strapaziert.

Zwischendurch werden Ereignisse, die sich ausserhalb der Wohngruppe oder in einem Traum zutragen, in kurzen Slapstick-Videos eingeblendet. Ein toller Einfall, wobei – diese kleine Kritik sei erlaubt – das eher geschmacklose Filmchen von einer Beerdigung deplatziert ist.

Dem Spass und der Freude an diesem Theaterabend tut dies indes keinen Abbruch. Umso mehr, als auch dieses Jahr auch Gaumen und Kehle wieder auf ihre Rechnung kommen. Rahmgeschnetzeltes mit Teigwaren, Green Thai Gemüsecurry, Hot Dogs, Wein, Bier, ein Cüpli an der Bar und zum Abrunden Kaffee und ein Stück aus der grossen Auswahl selbstgebackener Kuchen – da gehen die beiden Pausen im Nu vorbei und hat man am Ende ausreichend Kraft für kräftigen – und wohlverdienten – Applaus.

Weitere Vorstellungen: 23. und 24.2, jeweils um 20 Uhr. www.theater-lengnau.ch

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