Bad Zurzach
Nach Wahlkampf: «Mein Bild von der Gemeinde hat Kratzer bekommen»

Der Gemeinderats-Wahlkampf war kein Werbespot für zukünftige Kandidaten. Loyev Wymann und Uwe Fiedermann, die gegen Peter Moser unterlagen, ziehen ein durchzogenes Fazit.

Andreas Fretz
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Lovey Wymann und Uwe Fiedermann

Lovey Wymann und Uwe Fiedermann

ZVG

Die Stimmbürger im Flecken haben entschieden: Mit deutlichem Vorsprung wählten sie Peter Moser (674 Stimmen) von der CVP als neues Mitglied in den Gemeinderat. Er war erst im zweiten Wahlgang angetreten. Die parteilosen Lovey Wymann und Uwe Fiedermann, die sich im ersten Wahlgang ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, aber das absolute Mehr verpassten, erhielten 111 respektive 138 Stimmen.

Viele Gemeinden bekunden grösste Mühe, nur schon einen Kandidaten für das Amt im Milizsystem zu finden. Die Bad Zurzacher hatten mit drei Kandidaten eine echte Auswahl. Werbung für spätere Gemeinderatskandidaten bot der Wahlkampf im Bezirkshauport allerdings nicht. Viele, die mit einem Amt liebäugelten, dürften die Ereignisse abgeschreckt haben.

Die FDP-Ortspartei griff die Kandidaten Wymann und Fiedermann in sozialen Netzwerken und Leserbriefen frontal an. Sie sprach ihnen die notwendige Fachkenntnis für die Aufgabe ab und rief die Wähler auf, einen anderen Namen auf den Wahlzettel zu schreiben. Der Shitstorm im Netz und in Leserbriefen nahm kein Ende. Es stellt sich die Frage: Geht man so mit Kandidaten um, die sich freiwillig für ein Amt zur Verfügung stellen?

Freunde werden Feinde

«Vielleicht sollte man ob dieses Verhaltens mal über die Bücher gehen», sagt Uwe Fiedermann. Lovey Wymann fügt an: «Bad Zurzach darf sich nicht wundern, wenn es in Zukunft schwerfällt, Kandidaten zu finden.» Seit dreieinhalb Jahren wohnt sie in der Gemeinde, fühle sich wohl hier, wie sie betont, «aber mein Bild vom Flecken hat Kratzer bekommen. Es war entmutigend, wie hintenrum Spiele getrieben wurden und wie einem einstige Unterstützer in den Rücken gefallen sind.»

Fiedermann hätte sich eine frühere Kandidatur des späteren Siegers Peter Moser gewünscht. «Das hätte Zeit, Geld und gegenüber meiner Familie und mir manche Scheinheilig- und Respektlosigkeit erspart.» Wobei der letzte Teil der Kritik ausdrücklich nicht den neuen Gemeinderat betreffe.

Vielmehr nimmt Fiedermann andere ins Visier: «Ich sah mich mit teils steilen Aussagen zur eigenen Person konfrontiert. Dank den sozialen Netzwerken geht das heute ja ohne direkte Auseinandersetzung mit dem Gegenüber.» Das Vorgehen der FDP habe er nie verstanden, «aber vielleicht war das auch nur ein Versuch der Profilierung ihrerseits».

«Als der bestens vernetzte Peter Moser auf dem Radar auftauchte, war die Wahl entschieden», sagt Wymann. Ihr sei geraten worden, ihre Kandidatur zurückzuziehen und stattdessen eine Empfehlung für den Neuen auszusprechen. «Aber ich habe nicht daran gedacht», sagt Wymann. «Ich hätte mich gerne in der Gemeinde eingebracht, neue Impulse gesetzt. Nun», befürchtet sie, «bleibt alles beim Alten.» Rückblickend würde sie wohl nicht mehr kandidieren. «Ich engagiere mich lieber für einzelne Projekte», sagt die Werbetexterin.

Warnung des Gemeinderats

Und Fiedermann? «Meine Dienste und Arbeitskraft würde ich sicherlich wieder der Gemeinde zur Verfügung stellen. Aber ich finde es problematisch, wenn man von Leuten denunziert und blossgestellt wird, die einen nicht oder kaum kennen.» Es brauchte ein dickes Fell in den letzten Wochen.

Der Gemeinderat habe ihn im Vorfeld gewarnt und gesagt: Er würde im Blickfeld stehen. Allerdings bezog sich diese Warnung mehr auf das Tagesgeschäft als Gemeinderat denn auf den Wahlkampf. «Enttäuscht bin ich nicht. Wir leben in einer Demokratie», sagt Fiedermann, um dann noch anzufügen: «Zukünftigen Kandidaten würde ich meine gemachten Erfahrungen weitergeben.»

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