Döttingen
Nach Montage-Panne: AKW Beznau wieder am Stromnetz – wichtige Antworten stehen noch aus

Das Kernkraftwerk Beznau wird wieder hochgefahren. Der Axpo entgehen mehrere Millionen Franken Umsatz – aber weniger als ursprünglich befürchtet.

Philipp Zimmermann
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Nach 12 Tagen Unterbruch ist das Kernkraftwerk Beznau (KKB) wieder am Stromnetz angeschlossen. Der Wasserdampf, der am Sonntag vom Werk aus in die Höhe stieg, kündigte an. Dieser entsteht jeweils beim Hoch- und Herunterfahren der Anlage:

Betreiberin Axpo bestätigte der AZ, dass das beide Blöcke des Kernkraftwerks am Montagvormittag wieder hochgefahren wurde.

Vom Stromnetz musste das KKB wegen einer Montage-Panne bei zwei der sechs Notstromdiesel. Bei einer Überprüfung im Rahmen eines Nachweises zur Erdbebensicherheit war vor zwei Wochen festgestellt worden, dass bei den Schwingungsdämpfern jeweils kleine Bauteile der vier sogenannten Schockabsorber fehlten. Diese sorgen bei einem Erdbeben dafür, dass die Notstromdiesel trotz Schwingungen unter Kontrolle bleiben.

Nun sind neue Schockabsorber bei den beiden Notstromdiesel montiert worden. "Unsere Experten begleiteten die Arbeiten und hatten keine Einwände gegen das Wiederanfahren", sagt Christoph Trösch, Sprecher des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI, der Aufsichtsbehörde für die Atomanlagen in der Schweiz. "Die Montageabweichungen wurden ordnungsgemäss behoben, und das Kernkraftwerk Beznau erfüllt die gesetzlichen Anforderungen an die Sicherheit."

Dank der vier weiteren Notstromdiesel hätte aktuell selbst bei einem schweren Erdbeben keine Gefahr bestanden, führte die Axpo bereits vor bei Bekanntwerden des Montage-Fehlers aus. "Das KKB verfügt neben den zwei betroffenen Dieselgeneratoren (Notstanddiesel) über vier weitere Notstromdieselaggregate, welche diese Funktion übernehmen können", sagt Axpo-Mediensprecher Noël Graber. "Zur Kühlung beider Blöcke genügt ein Aggregat."

Doch wie kam es dazu, dass die Bauteile fehlten – und wann genau? Hätte die Panne nicht früher erkannt werden müssen? Und hätte bei einem schwersten Erdbeben auch zu jener Zeit keine Gefahr bestanden, als das KKB einzig über die zwei Notstromdiesel verfügte? Denn die anderen vier wurden nach der Fukushima-Katastrophe (2011) angeschafft und befinden sich im gebunkerten Autanove-Gebäude, das Überflutung, Flugzeugabsturz und Erdbeben standhalten soll.

Die Antworten darauf stehen noch aus. "Welche Relevanz dieses Vorkommnis für die Sicherheit des Kernkraftwerks Beznau in verschiedenen Szenarien bedeutet hätte, muss differenziert betrachtet werden", sagt Christoph Trösch. "Die Berechnungen dazu sind nicht trivial."

Das KKB wird dem Ensi einen Bericht vorlegen müssen. Dafür hat es seit Meldung 30 Tage Zeit. "Wir werden Verbesserungsvorschläge aufzeigen", sagt Graber. Dies sei das Standardvorgehen bei solchen Vorkommnissen. Der Bericht werde Massnahmen beinhalten. "Diese werden aktuell diskutiert."

Einnahmenverluste tiefer als befürchtet

Die Axpo ging davon ursprünglich aus, dass das Kernkraftwerk drei bis vier Wochen vom Netz bleibt. Nun sind es nicht einmal zwei Wochen geworden. Möglich war dies, weil die Ersatzteile und das für die Arbeiten benötigte Fachpersonal schneller als erwartet verfügbar waren.

Der Stromkonzern verliert nun deutlich weniger Geld durch entgangene Stromverkaufseinnahmen als erwartet. Es sei noch nicht klar, wie hoch der Produktionsausfall genau sein werde, so Graber. "Wir gehen davon aus, dass mehrere Millionen Franken Umsatz verloren gingen. Der sichere Betrieb des KKB geht aber vor."

Die Schwingungsdämpfer haben einen Durchmesser von 25 cm und eine Höhe von zirka 20 cm. Die Schockabsorber sind darin eingebaut und haben eine Länge von 24 cm sowie einen Durchmesser von 13 cm. Die beiden Notstromdiesel befinden sich im im gebunkerten Notstandsgebäude des KKB und stammen aus den frühen 90er-Jahren.