Wahl
Nach grossen Wirren: Klingnau hat wieder einen Gemeindeammann

Oliver Brun ist der neue Gemeindeammann Klingnaus. Der parteilose Brun machte am Sonntag 411 Stimmen, sein Kontrahent Reinhard Scherrer (CVP) 268 Stimmen. Neuer Vize-Ammanns ist Patrick Rohner.

Andreas Fretz
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Reinhard Scherrer (CVP) und Oliver Brun (parteilos).

Reinhard Scherrer (CVP) und Oliver Brun (parteilos).

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Nach einer absurden und verwirrenden Wahl im März 2015 herrscht nun endlich Klarheit: Oliver Brun ist der neue Gemeindeammann Klingnaus. Der parteilose Brun machte am Sonntag 411 Stimmen, sein Kontrahent Reinhard Scherrer (CVP) deren 268.

«Ich bin glücklich, dass das ganze Prozedere und die Ungewissheit nun ein Ende gefunden haben», sagt der 46-jährige Brun. Reinhard Scherrer zeigte sich als fairer Verlierer: Noch am Abend nach der Wahl besuchte er den Sieger zu Hause und gratulierte dem neuen Gemeindeammann zum klaren Ergebnis.

Diese Geste ist nach der Vorgeschichte nicht ganz selbstverständlich. Vom ersten Wahlversuch bis zur endgültigen Wahl verging beinahe ein halbes Jahr. Denn bei den Ersatzwahlen für Gemeinderat und Gemeindeammann am 8. März 2015 kam es zu einem kuriosen, ja gar verwirrenden Ergebnis: Die Klingnauer wählten Reinhard Scherrer (CVP) zwar zum Ammann, Gegenkandidat Oliver Brun (parteilos) erreichte aber mehr Stimmen für den Gemeinderatssitz. Scherrer konnte also das Ammann-Amt nicht antreten, weil die Klingnauer ihn dazu auch in den Gemeinderat hätten wählen müssen.

200 ungültige Stimmzettel

Zu reden gegeben hatten damals im Städtli vor allem die fast 200 ungültigen Stimmzettel für die Ammann-Wahl. In mehreren Leserbriefen wurde gefordert, die Wahl sei zu wiederholen. Drei Klingnauer Stimmbürger aus dem Unterstützungskomitee von Reinhard Scherrer hatten gar eine Wahlbeschwerde bei der kantonalen Gemeindeabteilung eingereicht.

Weil für den zweiten Wahlgang nur noch gewählte Gemeinderäte antreten konnten, wäre Oliver Brun wohl gewählt worden, Scherrer wäre damit definitiv aus dem Rennen gewesen. Doch Brun verzichtete, weil er eine anständige (Aus-)Wahl wollte.

Der Gemeinderat beschloss daraufhin, die Ammann-Wahl auf den 6. September zu verschieben. In der Zwischenzeit führte Felix Lang als dienstältester Gemeinderat die Ammann-Geschäfte. Und letztlich schaffte auch Reinhard Scherrer bei neuerlichen Ersatzwahlen im Juni den Sprung in den Gemeinderat.

Nun standen sich also Brun und Scherrer erneut bei der Wahl zum Gemeindeammann gegenüber. Der deutliche Vorsprung von 143 Stimmen überraschte selbst den Sieger. «Ich habe mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet, es fällt mir schwer, dieses deutliche Resultat zu interpretieren», sagt Brun.

Dennoch: Das nun alles klar ist, stimmt ihn glücklich: «Dieses Resultat ist eine gute Grundlage und eine saubere Legitimation. Das war mir wichtig.» Das Städtchen Klingnau hat nun wieder eine komplett funktionierende Regierung. Die Stimmbeteiligung lag bei 35 Prozent. Bei der kuriosen Wahl im März 2015 lag sie etwas höher, bei rund 41 Prozent.

Was ist vom Techniker, der im Paul Scherrer Institut arbeitet, nun politisch zu erwarten? «Ich werde besonnen und ruhig agieren und den Blick nach vorne richten», sagt Brun, «es ist zum Glück nicht nötig, in Klingnau alles umzukrempeln.» Als wichtige Themen nennt er den letzte Woche beschlossenen Kiesabbau im Gebiet Hard durch die Firma Birchmeier und die Städtlisanierung.

Gutes Verhältnis zu Scherrer

Brun ist es nach seinem Sieg wichtig, das gute Verhältnis zu Reinhard Scherrer zu betonen. «Im Tagesgeschäft als Gemeinderat habe ich persönlich nie gespürt, dass wir Kontrahenten um den Posten des Ammanns sind», sagt Brun. Klingnaus neuer Ammann geht davon aus, dass das Verhältnis auch in Zukunft sehr gut sein wird.

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