Damals im Aargau
Mysteriös: Als im Zurzibiet die Windschutzscheiben barsten

Die «kritische Stelle» war laut der Polizei Mellikon. Dort barsten im Dezember 1970 plötzlich aus unerklärlichen Gründen zahlreiche Frontscheiben von Autos. Ein Steilpass für übersinnliche Theorien. Klären konnte das Mysterium auch nicht dieser TV-Beitrag, der sogar einen Pendler begleitete.

Simone Morger
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Plötzlich ein «Chlapf» und dann barst die Windschutzscheibe vor der Nase des Autofahrers oder der Autofahrerin. Aus unerklärlichen Gründen.

Eine unangenehme Situation. Und vor allem eine rätselhafte: Die Fälle häuften sich nämlich zwischen Weihnachten und Neujahr 1970 im Zurzibiet, wie wie das Schweizer Fernsehen in einem Beitrag in der Sendung «Antenne» vom 25. Janaur 1971 berichtete. «Kein Gegenverkehr, weit und breit keine Kinder», sagt ein betroffener Autofahrer gegenüber dem TV-Reporter.

Sprengungen und Schüsse

Über ein Dutzend Fälle seien es bereits, als Hotspot konnte Mellikon ausgemacht werden, wie der Zurzacher Kantonspolizist Michel rapportiert. Er ist der Ursache damals auf den Grund gegangen. Das Gelände sei abgesucht worden, um die Einwirkung Dritter ausschliessen zu können.

Die Polizei stellte zudem fest, dass die Frontscheiben-Vorfälle in Zeiten passierten, in denen die Sodafabrik Sprengungen durchführte. Doch weil einige der Frontscheiben auch am Wochenende barsten, ist diese Ursache wieder ausgeschlossen worden.

Und: «Es wäre auch schwierig, auf ein fahrendes Auto zu schiessen», sagt Polizist Michel. In diesem Fall hätte es auch Blechschäden gegeben. Die Polizei kommt zum Schluss, dass die Scheiben wegen des Wetters barsten.

Grüne Männchen und böse Gedanken

Für einige ist das nicht genug der Erklärung für die rätselhaften Vorkommnisse im Zurzibeit. «Alle möglichen Leute» würden dadurch auf den Plan gerufen, heisst es im TV Beitrag. «Von Geisterbeschwörung, Wärmeausstrahlung oder gar grünen Männchen ist hier die Rede.»

Das Fernsehen begleitet eine Art Pendler, der einen «Wärmeeinfluss» vom Boden aus feststellt, der die Scheiben zum Bersten gebracht haben soll. Er spricht aber auch von einem Spuk, dem er mit seiner «Ausstrahlung» ein Ende bereitet habe: «Ich hoffe, dass ich mit meiner Gedankenübertragung die böse gesinnten Gedanken auslöschen konnte.» Das scheine ihm wahrscheinlich, da nach seinen Fahrten kein weiterer Fall mehr aufgetreten sei. Was Polizist Michel allerdings im Anschluss dementiert.

Der Beitrag endet mit der wissenschaftlichen Erklärung, dass Frontscheiben unter Spannung stehen und bei Vibration in die Brüche gehen können. Sei das nicht der Fall, könne es sich höchstens noch um einen Luftdruckschaden handeln. Zurück bleibt ein bisschen Mysterium.