Bad Zurzach
Mit dem Camion in den «Wilden Osten»

Bad Zurzach Charly Lienhard engagiert sich als Fahrer bei einem humanitären Hilfskonvoi nach Sumy/Ukraine. «Viele der von uns gelieferten Güter werden noch viele Jahre lang dankbar genutzt», erklärt der 57-Jährige.

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Charly Lienhard aus Bad Zurzach, ZVG/Help-Point Sumy

Charly Lienhard aus Bad Zurzach, ZVG/Help-Point Sumy

Als am 13. April, morgens um 6 Uhr, der Konvoi des Vereins Help-Point Sumy in Wohlen zur Fahrt in die Ukraine aufbrach, war auch Charly Lienhard aus Bad Zurzach mit dabei. Der 57-jährige aktive Feuerwehrmann bringt in diesen Tagen mit 23 weiteren Chauffeuren rund 150 Tonnen Hilfsgüter, drei Polizeiautos und ein Kommandofahrzeug für die Feuerwehr in die Stadt und Region Sumy. «Ich bin froh darüber, dass ich in meiner Freizeit einen aktiven Beitrag zur humanitären Hilfe leisten kann», sagt Lienhard. 2600 Kilometer lang ist die Fahrt in den «Wilden Osten» von Europa.

Auf den Verein Help-Point Sumy wurde Lienhard durch seinen Bekannten Guido Keller aufmerksam, der ebenfalls schon als Konvoifahrer dabei war. «Auf unseren Reisen in die Ukraine dürfen wir jedes Mal aufs Neue eine andere Kultur kennenlernen», schwärmt Lienhard. Besonders beeindruckt ist er davon, wie die Menschen mit oft einfachen Mitteln ihren Alltag meistern. «Wir sehen, wie Kleinbauern ihre oft mehrere Quadratkilometer grossen Äcker mit einfachsten Mitteln bestellen, und wir bewundern die scheinbare endlose Weite dieses Landes», beschreibt Charly Lienhard.

Das Fahren im Konvoi ist für ihn immer wieder ein besonderes Erlebnis. Lienhard betont: «Geredet wird viel und oft, hier habe ich die Möglichkeit, etwas aktiv zu bewegen – und das gibt mir ein gutes Gefühl.» Nach mehreren Konvois und eigenen Beobachtungen in Sumy ist er überzeugt, dass die Hilfe aus der Schweiz nachhaltig ist. «Viele der von uns gelieferten Güter werden noch viele Jahre lang dankbar genutzt», erklärt der 57-Jährige. Und er hat grossen Respekt vor der Bevölkerung in der Ukraine. «Wir treffen trotz der schwierigen Lebensumstände im Land stets auf freundliche, warmherzige und gastfreundliche Menschen. Das sind wir uns in dieser Form oft gar nicht mehr gewohnt.»

Fast schon Routine sind die Fahrten für die Konvoileitung mit Beatrice Portmann und Hans Hächler. «Wenn man in die Ukraine fährt, muss man sich mit den Verhältnissen dort abfinden», sagt Portmann. Umso wichtiger ist für Hans Hächler, Inhaber einer Lastwagen-Garage in Othmarsingen, dass er auf ein gutes Fahrerteam und zuverlässiges Material zählen kann. «Die Chauffeure sind mit ihrem Einsatz sehr wertvoll für uns», sagt der Konvoileiter. «Sie geben zehn Tage Ferien und bezahlen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung selber, das ist nicht selbstverständlich», betont Portmann.

Trotzdem sind für den bevorstehenden Konvoi beträchtliche Finanzmittel nötig. «Der grösste Posten ist der Treibstoff, dazu kommen Kosten für Fahrzeugunterhalt, Gebühren für Bewilligungen, Ausgaben für Übersetzungen und vieles mehr», zählt Beatrice Portmann auf.

Seit acht Jahren bringt der Verein Help-Point Sumy humanitäre Hilfsgüter nach Sumy, in erster Linie Spitalbetten, medizinisches Material, Ausrüstung und Fahrzeuge für Feuerwehr und Polizei sowie Mobiliar für Schulen und Kindergärten. Im aktuellen Konvoi werden rund 80 Tonnen Hilfsmaterial in die Ukraine transportiert. «Wenn man sieht, wie dankbar die Menschen in Sumy die Hilfsgüter entgegennehmen, dann wird klar, wie wertvoll dieser Einsatz ist», sagt Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti. (fh)

Informationen zum Verein Help-Point
Sumy: www.help-point-sumy.ch

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