Klingnau
Millionen-Geschäft Kiesgrube: Ortsbürger werden misstrauisch

Auf Klingnauer Ortsbürgerland will ein Döttinger Bauunternehmen eine neue Kiesgrube betreiben. Im August sollen die Ortsbürger erstmals genauer über das Projekt informiert werden – und schon eine Woche später darüber abstimmen. Das sorgt für Unmut.

Philipp Zimmermann
Drucken
Teilen
Im orange markierten Gebiet in Klingnau soll eine neue Kiesgrube in Betrieb gehen.

Im orange markierten Gebiet in Klingnau soll eine neue Kiesgrube in Betrieb gehen.

ZVG/Grafik Bar

Die Klingnauer Einwohnergmeind genehmigte ohne Widerstand Investitionen von 5,33 Millionen Franken – ein gewisser Unmut kam dagegen an der Ortsbürger-Versammlung auf. Unter Verschiedenes informierte Gemeinderat Felix Lang über Pläne in den Klingnauer Gebieten Hard und Härdli, an der Grenze zu Koblenz: Dort, auf rund 16 Hektaren der Ortsbürgergemeinde, will nämlich das Döttinger Bauunternehmen Birchmeier Hoch- und Tiefbau AG eine neue Kiesgrube bewirtschaften. Der Gemeinderat hat mit dem Unternehmen eine Absichtserklärung abgeschlossen.

Am 12. August, in der ersten Woche nach den Schul-Sommerferien, soll an einer Informationsveranstaltung erstmals konkret über die Pläne informiert werden. Und schon eine Woche später soll an einer ausserordentlichen Ortsbürger-Gmeind über eine entsprechende Vorlage abgestimmt werden, welche den Kiesabbau durch das Unternehmen besiegeln würde.

Das Gebiet Hard in Klingnau, wo Landwirtschaft betrieben wird. Hier befindet sich ein Kiesvorkommen.

Das Gebiet Hard in Klingnau, wo Landwirtschaft betrieben wird. Hier befindet sich ein Kiesvorkommen.

Philipp Zimmermann

Ob es so weit kommt, darf nach der Versammlung vom Freitag allerdings bezweifelt werden. Einige Ortsbürger äusserten sich irritiert darüber, dass der Gemeinderat bisher selbst nicht über die Pläne informiert hat. Die Gemeinde hatte im Dezember einzig per Inserat im amtlichen Publikationsorgan «Die Botschaft» darüber informiert, dass die Bohrungen, die bis Ende Februar dauerten, «die Bodenbeschaffenheit und die hydrologischen Verhältnisse» prüfen sollen.

Stattdessen deckte die az auf, dass jenes Döttinger Bauunternehmen mit den Bohrungen den künftigen Kiesabbau prüft. Wobei sich die Gemeinde selbst weiterhin in Schweigen hüllte. Der Gemeinderat bestätigte nun denn auch, dass es sich um entsprechende Sondierbohrungen handelte und dass ein geologisches Gutachten erstellt worden sei.

Mehrere Ortsbürger wunderten sich darüber, dass sie erst im August genau informiert werden und schon eine Woche später abstimmen sollen – zumal der Kiesabbau doch ein Millionengeschäft ist, wie ein Bürger vorrechnete. Von einem «forschen Tempo» war etwa die Rede. Ein anderer Ortsbürger meinte: «Ich finde, es reicht, wenn wir an der nächsten ordentlichen Gmeind im Winter darüber abstimmen.»

Felix Lang erklärte, dass die Absichtserklärung rechtlich nicht bindend sei. Der Gemeinderat bereitet als Führungsorgan ein Projekt vor, das letzte Wort liege aber – wie bei einem Geschäft der Einwohnergmeind – bei den Ortsbürgern. Es liege schlussendlich an ihnen, ob sie der Vorlage zustimmen wollen oder nicht. Es hielt weiter fest, dass die Initiative für die Bohrungen von der Döttinger Firma gekommen sei und nicht etwa von Klingnauer Seite - und dass man damals mit dem Interessenten Stillschweigen vereinbart habe. Weiter habe der Kanton die entsprechende Bewilligung für die Bohrungen gegeben. Die Birchmeier Hoch- und Tiefbau AG übernehme sämtliche Kosten für die Vorabklärungen.

Zudem sei das Gebiet Hard im kantonalen Richtplan als mögliches Materialabbaugebiet von kantonaler Bedeutung als «Zwischenergebnis» bezeichnet, allerdings noch nicht definitiv festgesetzt. Vor einem Kiesabbau muss erst ein Richtplanverfahren durchgeführt werden. Und schliesslich entscheidet der Grosse Rat, ob die Gemeinde das Gebiet Hard als Abbauzone ausscheiden darf. Bis der erste Kies im Hard abgebaut werden könnte, dürfte es zirka fünf Jahre dauern, meinte Felix Lang.

Aktuelle Nachrichten