Leibstadt
«Es war das Einzige, das wirklich gepasst hat»: Gasthaus Schützen hat Tore wieder geöffnet

Leibstadt freut sich: Urs Dolderer und Bianka Frahm hauchen dem Gasthaus mit der besonderen Lage wieder neues Leben ein – nach einem Jahr Pause.

Alexander Wagner
Drucken
Urs Dolderer und Bianka Frahm wirten im «Schützen».

Urs Dolderer und Bianka Frahm wirten im «Schützen».

Alexander Wagner

Mehr als fünf Jahrzehnte haben Theres und Urs Welte-Michel das Gasthaus zum Schützen in Leibstadt geführt. Ende 2020 war dann fertig und seit über einem Jahr steht das beliebte Gasthaus mit der speziellen Lage direkt oberhalb des Rheines leer.

Es war nicht sicher, ob die Türen für die Gäste überhaupt nochmals geöffnet werden, denn die Liegenschaft wurde als Ganzes verkauft. Nun erwecken Urs Dolderer und Bianka Frahm den «Schützen» wieder zum Leben. Während zehn Jahren waren Urs Dolderer und Bianka Frahm in der «Schmitte» in Auenstein. Der Stadtzürcher und die Potsdamerin, welche seit langem in Erzingen im Landkreis Waldshut zu Hause ist, suchten eine neue Herausforderung.

«Wir haben wirklich eine Dorfbeiz gesucht», erklärt der 51-jährige Dolderer. Rund ein Dutzend Restaurants und Gaststätten haben sie sich angeschaut. Der gelernte Koch sagt:

«Wir wollten den Dorfcharakter, gemütlich mit Gartenwirtschaft.»

«Und mit etwas Grün rund ums Haus», ergänzt Frahm lachend. So sind sie auf den «Schützen» gestossen. «Es war das Einzige, das wirklich gepasst hat», betonen beide. Und hier führt die Geschichte die beiden Wirte-Ehepaare zusammen: «Gerade gestern haben wir uns getroffen», erzählt Frahm. Die neuen Pächter haben den Kontakt gesucht und wollten noch etwas mehr über die Geschichte und die Besonderheiten des «Schützen» wissen.

Der Kachelofen ist noch in Betrieb und kann beheizt werden.

Der Kachelofen ist noch in Betrieb und kann beheizt werden.

Alexander Wagner

Das Wirtepaar wohnt nun im «Schützen»

Jetzt ist es etwas mehr geworden als «nur» eine gemütliche Dorfbeiz. Denn neben der eigentlichen Gaststube, in welcher der alte Kachelofen nicht nur Gemütlichkeit ausstrahlt, sondern auch noch in Betrieb ist, haben sie einen Saal für bis zu 50 Personen und ein Stübli für rund 20 Gäste. Hinzu kommen noch fünf Zimmer und vier Doppelzimmer, die bei Dauergästen oder auch beim nahe gelegenen Kernkraftwerk in Leibstadt begehrt sind. Gerade wenn das KKL Revisionen oder Reparaturen hat, sind die Monteure froh um eine Unterkunft in unmittelbarer Nähe. Hinzu kommt die Minigolfanlage, die im Moment noch nicht in Betrieb ist und bei der noch einige Unterhaltsarbeiten erledigt werden müssen. Selber sind die beiden auch gleich gezügelt – und sind nicht nur in Leibstadt zum Arbeiten, sondern wohnen im «Schützen».

Das Gasthaus zum Schützen in Leibstadt wurde wieder eröffnet.

Das Gasthaus zum Schützen in Leibstadt wurde wieder eröffnet.

Alexander Wagner

Am 14. Januar ging der «Schützen» wieder auf und die beiden Neuen starteten gleich mit einer Generalversammlung des Männerturnvereins. Überhaupt sind sie mit dem Anfang zufrieden. Besonders wenn man bedenkt, dass noch Ferienzeit ist und wegen der Lage immer noch einige Gäste oder ganze Anlässe fernbleiben. «Das Interesse ist gross. Auch von Firmen oder Vereinen», betonen sie. Und die 43-jährige Frahm ergänzt: «Die Leute freuen sich wirklich, dass im ‹Schützen› wieder etwas läuft.»

Am Stammtisch wird auch mal ein Jass geklopft

Koch Dolderer bietet über die Mittagszeit zwei Menus an und abends gibt es à la carte. «Selbstgemacht, währschaft und gutbürgerlich soll es sein. Wir sind eine Dorfbeiz, bei der man auch am Stammtisch mal einen Jass klopfen kann», betont der neue Pächter. Im Moment haben sie sieben Tage die Woche offen. Es geht zu Beginn darum, etwas abzutasten, wann am meisten Gäste kommen. Deshalb können die beiden auf Dauer das Gasthaus nicht alleine stemmen. Geplant ist eine Aushilfskraft im Service und zwei in der Küche. Zudem kümmert sich die Mutter von Bianka Frahm um die Zimmer und die Wäsche. «Und meine Schwester kann als Allrounderin auch noch einspringen», freut sie sich über die familiäre Unterstützung.

Urs Dolderer und Bianka Frahm führen den Schützen jetzt seit dem Januar 2022. Hier das Stuebli.

Urs Dolderer und Bianka Frahm führen den Schützen jetzt seit dem Januar 2022. Hier das Stuebli.

Alexander Wagner

Die beiden haben vor, hier zu bleiben und Wurzeln zu schlagen. Der Pachtvertrag läuft über fünf Jahre. Wenn es beiden gefällt und sowohl die Bevölkerung als auch die Vereine das Gasthaus rege besuchen, verlängert sich der Vertrag um weitere fünf Jahre. «Wir wollen den ‹Schützen› wieder zum Leben erwecken», betonen sie.