Kultsendung
Klingnau will «Donnschtig-Jass» mit Kilchsperger ins Städtchen holen

Im Juli 2017 macht der «Donnschtig-Jass»-Halt im Aargau: Klingnau und eine andere Gemeinde aus dem Kanton werden sich um die Austragung duellieren.

Philipp Zimmermann
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Roman Kilchsperger, der «Donnschtig-Jass»-Moderator von SRF, kommt 2017 wieder in den Aargau.

Roman Kilchsperger, der «Donnschtig-Jass»-Moderator von SRF, kommt 2017 wieder in den Aargau.

Oscar Alessio

1997 war der «Donnschtig-Jass» in Klingnau zu Gast – 2200 Zuschauer im Städtchen sorgten für ein wahres Volksfest. 20 Jahre später könnte es erneut dazu kommen. «Ich habe am Donnerstag vom Schweizer Fernsehen die Bestätigung erhalten, dass wir für die Vorausscheidung ausgewählt worden sind», informierte OK-Präsident Hermann Märki die Gemeindeversammlung vom Donnerstag. Klingnau muss die Zusage nur noch bestätigen – eine Formsache.

Gegner in der Vorausscheidung vom 13. Juli wäre um ein Haar ein Nachbar geworden. Auch Bad Zurzach hatte sich für die Durchführung des Events interessiert. Ein Team der Jassredaktion machte sich, wie von Klingnau, bereits ein Bild vom Kur- und Wellnessort. Der hätte nur noch zusagen müssen. Die Gemeinde hat dem Schweizer Fernsehen aber abgesagt.

«Wir sind 2017 schon an mehreren Grossanlässen engagiert», begründet das Gemeindeschreiber Daniel Baumgartner. Bad Zurzach ist Gastgemeinde am Winzerfest und beim Zurzibiet-Auftritt an der Badenfahrt involviert. UnMitte Juli findet mit dem Open-Air-Kino im Kurpark bereits ein Grossanlass statt. Bad Zurzach sei aber interessiert an einer Teilnahme in den nächsten Jahren. «Wir kommen aber wieder auf Bad Zurzach zu», sagt Cornel Sutter von der SRF-Jassredaktion.

Duell gegen Aargauer Gemeinde

Gegen wen die Klingnauer Differenzler-Jasser am 13. Juli in einem Walliser Ort antreten werden, steht noch nicht fest. Gemäss Sutter wird es sicher eine Aargauer Gemeinde sein. "Wir stehen mit mehreren in Kontakt", sagt er. Bei einem Sieg der Klingnauer Jasser wird die 90-minütige Live-Sendung eine Woche später, am 20. Juli, im Städtchen aufgezeichnet. Dieses wird sich nach der Jahrhundertsanierung, die bis dahin abgeschlossen ist, von seiner schönsten Seite zeigen können.

Hermann Märki war bereits 1997 Klingnauer OK-Präsident. Er war es auch, der nach Rücksprache mit dem Gemeinderat die Bewerbung eingereicht hat. "Ich kam auf die Idee, nachdem ich festgestellt habe, dass andere Gemeinden sich auch schon um eine erneute Austragung beworben haben", sagt er. Auf Anfrage habe ihn man ihn beim SRF dazu ermutigt.

Wer Klingnau an den Jassevents vertreten wird, muss an einem Qualifikationsturnier ermittelt werden. Anders als 1997 können diesmal, gemäss Vorgaben des SRF, nur Personen mit Wohnsitz Klingnau teilnehmen. Unter den vier Personen, die am "Donnschtig-Jass" in Klingnau antreten würden, müssen ein Kind sowie zumindest eine Frau sein.

Zweite Chance

Hat Klingnau im Aargauer Duell das Nachsehen, erhält es möglicherweise eine zweite Chance: Die besten Verlierer-Gemeinden jassen nämlich in der letzten Sendung des Sommers, am 17. August 2017, im Kanton Thurgau um die Austragung der ersten Sendung 2018, die am 5. Juli stattfindet.

Der «Donnschtig-Jass» ist die erfolgreichste und beliebteste SRF-Sommersendung. Einen grossen Anteil daran hat der bekannte Moderator Roman Kilchsperger, ein Showblock und der Gastauftritt eines Prominenten. Am Fernseher verfolgen rund 500’000 Zuschauer die Sendung, in der auch ein Ortsporträt der teilnehmenden Gemeinden ausgestrahlt wird. Die Zuschauerzahlen am Eventort liegen zwischen 2000 und 4500. Das verspricht ein Volksfest und beste Werbung.

Peach Weber, Komiker «Das Jassen hat für mich einen Aspekt, der nicht zu verachten ist: Gehirn-Fitness. Wer jasst, ist im Schnitt fröhlicher, lebendiger. Ich war mal in einem Restaurant am Hallwilersee. Es fuhr ein Car vor und spuckte rund 60 ältere Leute aus. Eine Hälfte kam ins Restaurant, die andere versammelte sich im kleinen Saal und jasste. Die Leute im Restaurant diskutierten ihre Gebrechen, im Säli war aber der Teufel los. Ich habe mir vorgenommen, ich werde dereinst im Säli sein.»
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Urs Hofmann, Regierungsrat SP «Früh habe ich bei meiner Tante im Taminatal mit deutschen Karten jassen gelernt. In unserer Familie gehörte der Sonntagsjass – in Aarau natürlich mit französischen Karten – zum Standardprogramm. Mit der Jasskasse fuhren wir aufs Jungfraujoch. In der Kanti nahm ich an der Schweizer Jassmeisterschaft teil. Heute jasse ich regelmässig mit Freunden und Familie, meist Schieber, Coiffeur oder Sidi Barrani. In meinem Departement trifft man sich jährlich zum Jassturnier.»
Andrea Portmann, Direktorin Aargau Tourismus «Jassen war in meiner Kindheit ein grosses Thema. Wir spielten zu viert am runden Esstisch. Am lustigsten war es, wenn mein grosser Bruder und ich gegen unsere Eltern antraten. Weil ich die Jüngste war, wurde auch mal ein Auge zugedrückt, wenn ich eine falsche Karte spielte und zurückzog. Lustig fand ich immer die Analysen nach einer Runde, wenn jeder Zug voller Ehrgeiz besprochen wurde. Jassen und Spielen im Allgemeinen haben eine tolle verbindende Wirkung.»
Ruedi Kuhn, az-Sportreporter «Als Jugendlicher traf ich mich jeden Mittwoch mit drei Kollegen im ‹Wilden Mann› in Hägglingen zum Jass. Eines Tages entschieden wir uns, den Dauerjass-Weltrekord von 105 Stunden anzugreifen. Wir wollten den Eintrag ins Guinness-Buch. Gesagt, getan! Der flotte Jass mit Notar, Koch, Arzt und Fans dauerte exakt 113 Stunden. Dann hatten wir genug. Ich war 26 und ein wilder Mann. Das ist vorbei. Und den ‹Wilden Mann› in Hägglingen gibt es auch nicht mehr.»
Alex Hürzeler, Regierungsrat SVP «Seit gut 15 Jahren treffe ich mich vierteljährlich mit drei ehemaligen Grossratskollegen zu einer Jassrunde. Eine gute Gelegenheit, den Kopf auszulüften und doch die Konzentration zu fördern. Gelernt habe ich das Jassen als Primarschüler von meiner Mutter. Während der Bez habe ich zu einem vergifteten Grüppchen gehört, das jede freie Minute nutzte, um einen Jass zu klopfen. Und auch heute gilt: Lieber jasse ich etwas sauber aus als den schwarzen Peter zu ziehen.»

Peach Weber, Komiker «Das Jassen hat für mich einen Aspekt, der nicht zu verachten ist: Gehirn-Fitness. Wer jasst, ist im Schnitt fröhlicher, lebendiger. Ich war mal in einem Restaurant am Hallwilersee. Es fuhr ein Car vor und spuckte rund 60 ältere Leute aus. Eine Hälfte kam ins Restaurant, die andere versammelte sich im kleinen Saal und jasste. Die Leute im Restaurant diskutierten ihre Gebrechen, im Säli war aber der Teufel los. Ich habe mir vorgenommen, ich werde dereinst im Säli sein.»

Chris Iseli/AZ