Kaiserstuhl
In der Pfarrkirche liess der Teufel Musik erklingen

Werke von Tartini, Paganini und Stravinsky prägten das diesjährige Festival der Stille in Kaiserstuhl.

Alfred Lins
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Spielerische Eleganz prägte den Vortrag des Titels «Centone di Sonate» durch Daria Zappa (links) und Corina Freyvogel (rechts).

Spielerische Eleganz prägte den Vortrag des Titels «Centone di Sonate» durch Daria Zappa (links) und Corina Freyvogel (rechts).

«Teufelsgeschichten» lautete das Motto der zweiten Veranstaltung beim diesjährigen Festival der Stille in der katholischen Pfarrkirche in Kaiserstuhl. «Geschichten vom Teufel ausgerechnet in einer Kirche?» «Der Teufel als Symbolgestalt des Bösen hat zu allen Zeiten in der Kirchengeschichte einen Platz gehabt», erklärte Massimiliano Matesic, musikalischer Leiter des Festivals in seinem Grusswort.

Ergänzend angefügt werden muss, dass die rund 120 Zuhörer durch ein grossartiges Konzert viel Freude erfuhren, und Freude zu schenken gehört sehr wohl zu den Grundanliegen des christlichen Glaubens.

Mit der «Teufelstrillersonate» des italienischen Barockkomponisten Giuseppe Tartini nahm das Konzert einen furiosen Auftakt. Ihre Entstehung beschrieb Tartini später mit einem Traum, in dem er mit dem Teufel einen Pakt schloss. Er überliess diesem seine Geige, um zu sehen, was er damit anfangen würde.

«Meine kühnsten Erwartungen wurden übertroffen», schreibt Tartini, «mir stockte der Atem. Ich erwachte und versuchte die Klänge nachzuvollziehen. Doch vergebens. Das Stück, das ich daraufhin geschrieben habe, mag das Beste sein, das ich je komponiert habe, doch es blieb weit hinter dem Spiel des Teufels zurück.» Durch Daria Zappa (Violine) und Massimiliano Matesic (Cembalo) erfuhr das Werk eine bezaubernd schöne Wiedergabe.

Paganini war ein Teufelsgeier

Als «Hexenmeister» oder «Teufelsgeiger» wird Nicolo Paganini gerne beschrieben. Von ihm erklangen Teile der Centone di Sonate» für Violine und Gitarre. Weniger bekannt ist in diesem Zusammenhang, dass Paganini auch das Gitarrenspiel brillant beherrschte.

Die Frische seiner melodischen Einfälle mit den für ihn typischen melancholischen Untertönen hinterliess in Kaiserstuhl dank der spielerischen Eleganz beim Vortrag durch Daria Zappa (Violine) und Corina Freyvogel (Gitarre) einen nachhaltigen Eindruck.

Stravinsky: «Histoire du Soldat»

Den beiden Glanzpunkten zuvor folgte mit der Aufführung des Musiktheaters «L’ Histoire du Soldat» des russischen Komponisten Igor Stravinsky ein weiterer nach. Stravinsky verbrachte die Zeit des Ersten Weltkriegs in der Schweiz und gründete in Ermangelung weiterer Möglichkeiten zusammen mit seinen Freunden, dem Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz, dem Dirigenten Ernest Ansermet und dem Maler und Bühnenbildner René Auberjonois, eine Wanderbühne, die mit geringem Aufwand - Musik, Schauspiel und Sprache – auskommen sollte.

Der «Geschichte des Soldaten» legten sie ein russisches Märchen zugrunde, in dem der seine Geige dem Teufel aushändigt und jener ihm als Gegenleistung unbegrenzten wirtschaftlichen Reichtum verspricht. Bestimmende Merkmale der Komposition sind die Verwendung von Musikgattungen wie Marsch, Ragtime, Tango und sogar Choral zur Ausdeutung des von einem Erzähler vorgetragenen Textes.

Unter der Leitung von Massimiliano Matesic gelang den Interpreten Peter Niklaus Steiner (Erzähler), Daria Zappa (Violine), Andres Martines (Kontrabass) Diego Baroni (Klarinette), Rui Lopes (Fagott), Hans Saurer (Kornett), Seth Quistad (Posaune) und Felix Eberke (Perkussionen) eine beeindruckende Darstellung, für die es zu Recht viel Beifall gab.

Eingebettet in die «Teufelsgeschichten» wartete Diego Baroni mit drei virtuos vorgetragenen Stücken für Solo-Klarinette von Igor Stravinsky auf.

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