Projekt «Rheintal+»
Grossfusion im Zurzibiet: Was Sie vor der Abstimmung wissen müssen

Im Zurzibiet entscheiden heute Abend zehn Gemeinden über den Zusammenschlussvertrag. Befürworter und Gegner haben sich in Position gebracht. Das Badener Tagblatt berichtet mit einem Live-Ticker.

Daniel Weissenbrunner
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10 Gemeinden im Zurzibiet haben im Projekt Rheintal+ eine Fusion geprüft. In den weiteren Bildern folgen die 10 Gemeinden. Im Bild Bad Zurzach, die mit Abstand grösste der zehn Gemeinden
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Projekt Rheintal+ - das sind die 10 Zurzibieter Gemeinden
Bad Zurzach ist weitherum bekannt als Wellness- und Kurort. Im Bild der Turm neben dem Thermalbad Zurzach. Oben im Turm befindet sich das Panoramarestaurant.
Blick in den historischen Ortskern von Bad Zurzach. Hier sind 4328 Einwohner gemeldet.
Der Flecken, wie die Einheimischen den historischen Ortskern nennen, ist ein beliebter Ort für Märkte und Events - hier die Tavolata, die ein grosses Publikum anlockte.
Rietheim ist, vom Rhein aus gesehen, die unterste der zehn "Rheintal+"-Gemeinden. Hier leben 741 Einwohner.
Rietheim: Der Zug fährt durchs Dorf.
Das Auenschutzgebiet Chly Rhy in Rietheim.
Auch ein touristisches Strassenschild macht Werbung für die besondere Auenlandschaft in Rietheim.
Die andere Rheintal+-Nachbargemeinde von Bad Zurzach ist Rekingen (rheinaufwärts) mit 951 Einwohnern. Hier befindet sich das Wasserkraftwerk, das 60'000 Haushalte mit Strom versorgt. Auf der deutschen Seite liegt Reckingen (mit c).
Blick vom Nurren auf Rekingen und Bad Zurzach (hinten).
Die Gemeinden am Rhein, also Rietheim, Bad Zurzach, Rekingen, Mellikon, Rümikon und Kaiserstuhl, verfügen über einen SBB-Bahnhof oder eine SBB-Bahnstation.
Von Rekingen hinauf geht es nach Böbikon.
Die Kleinstgemeinde Böbikon hat 171 Einwohner. Es ist einwohnermässig die kleinste der "Rheintal+"-Gemeinden.
Höher als Böbikon liegt Baldingen (im Bild), wo 257 Einwohner leben.
Markant: Die Kirche von Baldingen. Im Dorf wuchs übrigens der ehemalige Aargauer National- und Ständerat Jules Binder (Jahrgang 1925, CVP) auf.
In Baldingen bestehen einige landwirtschaftliche Betriebe. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf 575 Metern, auf der Spornegg.
Von Rekingen dem Rhein entlang kommt man nach Mellikon (235 Einwohner).
Auch Mellikon ist eine Kleinstgemeinde, verfügt aber über eine Bahnstation und ein Industriegebiet.
Von Mellikon hinauf geht es nach Wislikofen, das zum sogenannten Studenland gehört.
Bekannteste Liegenschaft in Wislikofen (340 Einwohner) ist die Propstei.
Mellstorf ist ein Ortsteil von Wislikofen. Die beiden Ortschaften fusionierten auf den 1. Januar 1899.
Von Mellikon rheinaufwärts geht es nach Rümikon.
Rümikon gilt noch heute als Fischerdorf – hier wurden einst Lachse gefangen.
Auch Rümikon (321 Einwohner) liegt am Rhein und verfügt über eine Bahnstation.
Neben Rümikon am Rhein liegt das Städtchen Kaiserstuhl (435 Einwohner). Mit den beiden Fernsehgrössen Dietmar Schönherr und Dieter Moor hatte Kaiserstuhl einst zwei prominente Einwohner.
Kaiserstuhl ist flächenmässig die kleinste Gemeinde im Kanton Aargau. Die Schüler von Kaiserstuhl und Fisibach gehen im Kanton Zürich in Weiach und Stadel (Oberstufe) zur Schule.
Ein Hingucker: Der Stadtturm von Kaiserstuhl.
Zu Kaiserstuhl gehört der Rhein beim Grenzübergang nach Hohentengen/Deutschland (rechts). Dort steht auch das Schloss Rötteln.
Fisibach (498 Einwohner) liegt neben Kaiserstuhl, und grenzt auch an den Rhein. Es geriet schweizweit in die Schlagzeilen, weil sich Einwohner Gedanken machten über einen Kantonswechsel zum Kanton Zürich. Dieser ist allerdings vom Tisch.
Vorne landwirtschaftliche Nutzfläche, hinten das Gebäude der Ziegelei.
Fisibach verfügt – wie alle zehn "Rheintal+"-Gemeinden – über landschaftliche Qualitäten.
Weitherum bekannt: Das Baggermuseum Ebianum in Fisibach.
Im Ebianum lassen sich Events durchführen: Auch eine grosse Informationsveranstaltung zu Rheintal+ fand im Januar 2017 hier statt. Texte: Philipp Zimmermann. - Quelle Einwohnerzahlen: Statistisches Amt Aargau, Ende Juni 2018.

10 Gemeinden im Zurzibiet haben im Projekt Rheintal+ eine Fusion geprüft. In den weiteren Bildern folgen die 10 Gemeinden. Im Bild Bad Zurzach, die mit Abstand grösste der zehn Gemeinden

ZVG/Bad Zurzach Tourismus

«Wollen Sie den Vertrag über den Zusammenschluss der zustimmenden Einwohnergemeinden zur Einwoh- nergemeinde Zurzach auf den 1. Januar 2022 genehmigen?» Der etwas langfädig klingende Satz ist für zehn Zurzibieter Gemeinden von wegweisender Bedeutung. Diese Frage müssen heute Abend die Stimmberechtigten in Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen beantworten.

Ab 20 Uhr finden hierzu zeitgleich die ausserordentlichen Gemeindeversammlungen statt. Das Badener Tagblatt ist ab 19.45 online live dabei. Nachfolgend eine Übersicht zur Ausgangslage, Stimmung und zu den möglichen Szenarien.

Ausgangslage: Damit der Weg zur Fusion geebnet werden kann, müssen mindestens vier Gemeinden plus der Bezirkshauptort Bad Zurzach dem Fusionsvertrag zustimmen, das sogenannte «4+1-Modell». Lehnen Bad Zurzach oder mehr als fünf Gemeinden den Antrag ab, wäre das Projekt «Rheintal+» nach zweieinhalbjähriger Prüfung beendet. Stimmen vier Gemeinden und Bad Zurzach zu, würde in den betreffenden Gemeinden an der Urne am 8. September über einen definitiven Zusammenschluss abgestimmt werden.

Unser Dossier zum Fusionsprojekt Rheintal+ finden Sie hier.

Wer ist für die Fusion? Die Evaluation in den einzelnen Gemeinden ergab ein uneinheitliches Bild: In sieben Gemeinden (Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rümikon und Wislikofen) empfiehlt der Gemeinderat der Bevölkerung den Fusionsvertrag zur Annahme. Fisibach, Mellikon und Rietheim lehnen ihn ab.

Die Stimmung in der Bevölkerung. Lange Zeit war es ruhig. Keine Flugblätter, keine Interessensgemeinschaften, kaum Leserbriefe in den Medien. Seit den teils emotionalen Info-Veranstaltungen in den vergangenen Wochen hat sich das geändert. Befürworter und Gegner haben sich formiert. Beide Seiten geben sich siegesgewiss, wie eine Umfrage dieser Zeitung diese Woche in den Gemeinden ergab. Zuspruch haben die Befürworter von höchster Stelle erhalten. Landammann Urs Hofmann bezeichnete letzten Donnerstag an einem Anlass in Tegerfelden das Projekt als vorbildlich. Eine bessere Variante gebe es nicht.

Das Prozedere heute Abend. Es gibt drei Varianten (siehe Grafik). Bei einem Ja kommt es am 8. September zur Urnenabstimmung (vorausgesetzt die Vorgaben des «4+1»-Modells werden erfüllt). Sollte weniger als ein Fünftel der Stimmberechtigten in der Gemeinde Nein stimmen, besteht innerhalb von 30 Tagen die Möglichkeit eines fakultativen Referendums. Lehnen ein Fünftel oder mehr der Stimmberechtigen den Antrag ab, ist das Fusionsprojekt in der betreffenden Gemeinde vom Tisch.

Wie könnte die künftige Gemeinde aussehen? Bei Zustimmung aller Gemeinden würde mit über 34 Hektaren die flächenmässig grösste Gemeinde mit über 8000 Personen entstehen. Bezirks- und Verwaltungsstandort wäre das heutige Bad Zurzach. Der Gemeinderat bestünde bei einer Zustimmung von 9 bis 10 Gemeinden aus 9 Mitgliedern, bei 5 bis 8 Gemeinden wären es 7. Der Steuerfuss soll auf 115 Prozent festgelegt werden.

Chancen und Risiken. Die Befürworter argumentieren damit, dass bei einem Zusammenschluss die Position der Gemeinden gestärkt würde. Man verspricht sich ein qualitatives Wachstum an Arbeitsplätzen, einen nachhaltigen Synergieeffekt, flexiblere Gestaltung der Siedlungsplanung, finanzielle Unterstützung des Kantons und eine stärkere Verhandlungsposition beim öffentlichen Verkehr. Die Gegner befürchten den Verlust der Eigenständigkeit, den Wegfall des Dorfcharakters, des Kulturguts und der Bräuche sowie längere Schulwege.

Verfolgen Sie den Liveticker zum Abstimmungsabend ab 19 Uhr hier.