Full-Reuenthal
Jetzt steht die Halle: Die moderne Recycling-Anlage nimmt Form an – sie halbiert die Kehrichtschlacke und entlastet Deponien und die Umwelt

Wenn Abfall verbrannt wird, bleibt Rohschlacke zurück, die im Boden vergraben werden muss. Dank der neuartigen «Centro Uno»-Anlage im Fullerfeld wird die Schlacke halbiert und wichtige Metalle sowie Mineralien wieder in den Kreislauf zurückgeführt.

Stefanie Garcia Lainez
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Die Halle der Aufbereitungsanlage in Full-Reuenthal nimmt Form an.

Die Halle der Aufbereitungsanlage in Full-Reuenthal nimmt Form an.

Valentin Hehli

Der Rohbau der neuartigen Aufbereitungsanlage «Centro Uno» ist fertig, diese Woche feierte die Selfrag AG aus dem fribourgischen Kerzers Aufrichte: Ab 2023 bereitet die Recycling-Anlage jährlich bis zu 35'000 Tonnen Schlacke und Filterasche auf, die bei der Abfallentsorgung in Kehrichtverbrennungsanlagen anfallen und ansonsten in Deponien vergraben werden:

Valentin Hehli

Dank der daraus gewonnen Metalle und Mineralien kann die Menge der Schlacke um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Zum Vergleich: In den drei KVA in Buchs, Turgi und Oftringen sind 2019 rund 66'500 Tonnen Schlacke und Filterasche angefallen.

Gerhard Hauser, Gemeindeammann Full-Reuenthal, spricht zu den geladenen Gästen.

Gerhard Hauser, Gemeindeammann Full-Reuenthal, spricht zu den geladenen Gästen.

Valentin Hehli/ZUR

«Wir freuen uns, eine derart führende Umwelttechnologie bei uns in der Gemeinde zu haben», sagte der Full-Reuenthaler Gemeindeammann Gerhard Hauser am Richtfest diese Woche im Industriegebiet Fullerfeld wenige hundert Meter vom Kernkraftwerk Leibstadt entfernt.

«Das stärkt nicht nur unsere Gemeinde, sondern die gesamte Region.» Es werde Wertschöpfung generiert, die Gemeinde und das Zurzibiet könne sich weiterentwickeln.

Seit Januar laufen die Bauarbeiten.

Seit Januar laufen die Bauarbeiten.

Valentin Hehli

Auch leiste die Anlage einen grossen Beitrag an die Umwelt. «In dem die Kehrichtschlacke halbiert wird, entlasten wir die Deponien und die Umwelt.»

Ein Prototyp steht bereits in Fribourg

Man sehe es der Halle noch nicht an, sagte Pearl Pedergnana, Verwaltungsratspräsidentin von «Centro Uno». «Aber hier entsteht eine Anlage, die in der Schweiz einzigartig ist.»

Pearl Pedergnana, Verwaltungsratspräsidentin von «Centro Uno».

Pearl Pedergnana, Verwaltungsratspräsidentin von «Centro Uno».

Valentin Hehli/ZUR

Eine Politanlage stehe zwar bereits in Fribourg, die Anlage in Full-Reuenthal werde aber noch besser. Sie ergänzt:

«Die 30 Schweizer KVA verbrennen jährlich 3,6 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle. In der Schlacke, die in der Schweiz beim Verbrennen übrig bleibt, soll es offenbar mehr Gold haben als in den Minen von Südafrika.»

Mit der «Centro Uno»-Anlage sollen nun wertvolle Metalle und Mineralien wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden: 3 Prozent saubere Metalle, 14 Prozent reine Metalle, 10 Prozent hoch konzentriertes Eisenoxid und 3 Prozent Unverbranntes und Organik:

Valentin Hehli

Das sind pro Jahr rund 2458 Tonnen Eisen, 751 Tonnen Leichtmetalle (mit Aluminium) und 146 Tonnen Schwermetalle.

Diese Materialien können etwa als Ersatzrohstoffe für Klinker, also Ziegelsteine, in der Zementindustrie, oder als sauberer Ersatzrohstoff in der Bauindustrie verwendet werden, aber laut der Selfrag AG auch sogenannte Primärrohstoffe ersetzen für einen reduzierten CO2-Fussabdruck. Dank der Anlage in Full sollen pro Jahr über 16'000 Tonnen CO2 zurückgewonnen werden.

«Wir verdienen Geld, indem wir Bearbeitungsgebühr erhalten und Metalle sowie CO2-Zertifikate verkaufen», sagte Anton Affentranger, Verwaltungsratspräsident der Selfrag AG.

Anton Affentranger, Verwaltungsratspräsident Selfrag AG.

Anton Affentranger, Verwaltungsratspräsident Selfrag AG.

Valentin Hehli

Noch dauert es rund ein halbes Jahr, bis es so weit ist. «Aktuell sind wir eine Woche schneller unterwegs als geplant.» Er ergänzte:

«Wir haben aber noch enorme Herausforderungen vor uns.»

Er nannte die Stichworte Lieferketten, Inflation und Krieg. «Trotz Widrigkeiten sind wir aber zuversichtlich, im Januar mit der Produktion beginnen zu können.»