130 Jahre Knecht Mühle
Familienunternehmen Knecht: Diese Mühle zählt zu den modernsten der Welt

Die Mühle in Leibstadt ist bereits seit 1887 im Besitz der Familie Knecht. In der Branche zählt sie heute zu einer der modernsten der Welt. Hansjörg Knecht und Daniel Meier führen den Betrieb in der vierten und fünften Generation.

Sandra Meier
Drucken
Teilen
Knecht Mühle modern
3 Bilder

Knecht Mühle modern

Sandra Ardizzone

Früher war für den Betrieb einer Mühle ein Bach Voraussetzung. Das anströmende Wasser setzte die Schaufeln des Wasserrads in Bewegung und trieb so das Mühlenwerk an. So auch in Leibstadt. Die «untere Mühle» existiert bereits seit dem Jahr 1332.

1887 erwarb der 21-jährige Franz Knecht die zum Teil abgebrannte Mühlenliegenschaft samt 277 Aren Land und Wald zu einem Gesamtpreis von 6336 Franken. Seither ist die Leibstadter Mühle vollumfänglich im Besitz der Familie Knecht. Mit Hansruedi Knecht, der die Mühle in der dritten Generation führte, wurde das Unternehmen ausgebaut und zunehmend modernisiert.

«Am Anfang hatten wir sechs Bäcker», erinnert sich seine 84-jährige Frau Martha Knecht. Als Telefonistin war sie für Bauern und Bäcker die Stimme der Knecht Mühle. Heute beliefert der Betrieb rund 200 gewerbliche und industrielle Bäckereien.

Das erste Bild der Mühle, um 1933
9 Bilder
Walzenboden vor 1940
Die Auslieferung der Ware erfolgte bis 1949 mit Ross und Wagen.
Die Knecht Mühle um 1956, ein Jahr, nachdem Hansruedi Knecht den Betrieb in der dritten Generation übernommen hatte.
Die erste Lose-Getreideannahmen erfolgten 1964. In der Mitte: Hansruedi Knecht, Geschäftsführer der dritten Generation.
Den ersten Tankwagen für Mehl erwarb die Mühle 1968.
Die Schalt- und Steueranlage für Silo, Trocknerei und Füttermühle. Heute kann die Knecht Mühle komplett übers Smartphone gesteuert werden.
Die Knecht Mühle im Jahr 1964.
Vor dreissig Jahren: Hansjörg Knecht, Geschäftsführer der vierten Generation, im Kommandoraum.

Das erste Bild der Mühle, um 1933

zVg

Hansjörg Knecht und Daniel Meier führen sie in der vierten und fünften Generation. Knecht als Geschäfts-, Meier als Betriebsleiter. «Der direkte Kontakt zu unseren Produzenten ist etwas sehr Spezielles, wir pflegen ein familiäres Verhältnis miteinander», sagt Meier (29). Viele Landwirte kennen ihn bereits aus Kindertagen. Während seine Schulfreunde im Sommer an den Strand fuhren, wollte er seine Ferien hier verbringen. Inmitten des Ernte-Stresses. «Wenn Grossvati mich in die Mühle mitgenommen hat, war dies das Grösste.»

Von 2006 bis 2008 komplett modernisiert

«Im Gegensatz zu hierarchischen Grossfirmen können wir flexibel reagieren und von einem kurzen Entscheidungsweg profitieren», sagt Knecht. Zudem könne der Betrieb so besser auf individuelle Kundenwünsche eingehen.

Das Team heute: Geschäftsleiter Hansjörg Knecht, seine Frau Rita Knecht (Administration) und Betriebsleiter Daniel Meier

Das Team heute: Geschäftsleiter Hansjörg Knecht, seine Frau Rita Knecht (Administration) und Betriebsleiter Daniel Meier

zvg

Von 2006 bis 2008 wurde die Mühle vollständig neu gebaut. «Die Firma Bühler in Uzwil hat einen Vorzeigebetrieb für ihre internationale Kundschaft gesucht, wir wollten modernisieren – da haben sie uns kontaktiert», sagt Knecht. Elf Millionen liess sich die Knecht Mühle den Umbau kosten. Heute ist sie mit der aktuellsten Generation von Maschinen und Technologien ausgestattet. «Jede Maschine, jede Steuerung wurde komplett erneuert.»

Das internationale Interesse ist gross: Delegationen aus allen Kontinenten sind schon angereist. «Wenn ich alle gegenbesuchen will, denen ich es versprochen habe, muss ich mich bald pensionieren lassen», lacht Knecht.

Doch der Wandel der Zeit schafft auch zusätzliche Anforderungen: «Alles wird immer schnelllebiger. Wir müssen uns immer wieder neuen Ernährungstrends anpassen. Zu Grossvaters Zeiten in den 70er Jahren gab es vielleicht knapp 30 Mehlsorten, heute sind es über 300», sagt Meier.

«Die Hektik und die Kurzfristigkeit werden immer grösser», fügt Knecht an. «Das erschwert die Planung. Wir erleben immer häufiger die Erwartungshaltung, dass alles sofort verfügbar ist.» Doch die Qualität muss konstant bleiben – «egal wie schlecht die Ernte ist». Und auch diese hat sich verändert: «Früher kam zuerst die Gerste, dann der Weizen, dann der Raps –heute kommt alles miteinander.» In diesem Jahr spricht Knecht sogar von einem neuen Rekord: Noch nie haben sie innerhalb einer Woche so viel Getreide angenommen.

Kein Körnchen soll verloren gehen: Dominik Schmid (links) und Markus Schmid (rechts) rütteln am Container.
17 Bilder
Hansjörg Knecht bespricht mit seiner Mitarbeiterin Myriam Amstutz, in welchen Silo das angelieferte Raps kommt. Das ist abhängig von der Qualität des Getreides.
Knecht Mühle: Annahme in der Getreidesammelstelle
Blick von oben: der nächste Bauer fährt heran.
Hansjörg Knecht ist hier Platzchef.
Bei jeder Getreideannahme wird die Qualität des Korns gemessen. Zuvor durchläuft das Getreide einen Magnetapparat, eine Reinigungsmaschine und eine Waage.
Transportiert wird das Getreide über ein Becher-System. Hansjörg Knecht beleuchtet mit der Taschenlampe den sonst dunkeln Raum.
Stimmt die Qualität, wird das Getreide in die entsprechenden Silozellen verteilt.
Die Getreidesammelstelle kann bis zu 100 Tonnen Getreide pro Stunde annehmen.
Rita Knecht, Ehefrau von Hansjörg Knecht, teilt die Landwirte in einen Terminplan ein. Das fordert hohe Konzentration. An Spitzentagen klingelt das Telefon rund um die Uhr. «Da erhalte ich bis zu 300 Telefonate», sagt sie.
Stefan Schwere aus Hettenschwil bringt elf Tonnen Raps zur Getreidesammelstelle
Auch seine Söhne Ben (6) und Dominik (4) helfen beim Abladen mit.
Die Solidarität unter Bauern ist gross: Bei der Annahme helfen sie sich gegenseitig.
Tausende von Kilos rieseln hier die Gosse hinab.
Der gereinigte Raps
Landwirt Florian Kalt aus Mellstorf liefert Raps in der Getreidesammelstelle an.
Landwirt Florian Kalt aus Mellstorf liefert Raps in der Getreidesammelstelle an.

Kein Körnchen soll verloren gehen: Dominik Schmid (links) und Markus Schmid (rechts) rütteln am Container.

Sandra Ardizzone

Von der Schaltzentrale aufs Smartphone

Hansjörg Knecht arbeitet seit rund 35 Jahren in der Knecht Mühle. Er hat den Technologiewandel am eigenen Leib erfahren. «Es ist schon eindrücklich, dass wir jetzt die ganze Mühle über unser Smartphone steuern können», meint er. Zu Zeiten seines Vaters mussten sie noch vor Ort in der Kommandozentrale stehen – egal zu welcher Uhrzeit. Es gab Nächte, in denen sich Hansruedi Knecht alle zwei Stunden aus dem Bett quälte, um zu kontrollieren, ob die Mühle noch läuft. Während der Ernte kam er gemäss seiner Frau Martha manchmal gar nicht ins Bett. «Er war dann so müde, dass er während grösseren Annahmen auf den Mehlsäcken Schlaf suchte.»

Trotz des derzeit modernen Standards denkt das Unternehmen bereits an die nächste Neuerung: «Wir planen einen weiteren Lagerausbau mit einer Roboter-Abpack-Anlage.»

Sandra Meier hat Hansjörg Knecht und Daniel Meier einen Tag während der Ernte begleitet. Sie ist die Schwester und das Gottenkind der beiden Unternehmer.

Aktuelle Nachrichten