Endingen
Die Menschen werden immer älter: Diese Surbtaler Gemeinde reagiert jetzt mit einem Seniorenrat

Um den Bedürfnissen der über 65-Jährigen gerecht zu werden, gründet Endingen eine Senioren-Kommission. Warum die Corona-Pandemie hierzu schon wertvolle Erkenntnisse geliefert hat.

Daniel Weissenbrunner
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In Endingen (im Bild die Eröffnungsfeier der Expo Surbtal) leben über 2600 Menschen, über ein Viertel ist über 60 Jahre alt. Sie sollen mehr Gehör erhalten.

In Endingen (im Bild die Eröffnungsfeier der Expo Surbtal) leben über 2600 Menschen, über ein Viertel ist über 60 Jahre alt. Sie sollen mehr Gehör erhalten.

Bild: Colin Frei

Die Schweizer Bevölkerung wächst und – sie wird immer älter. Die Lebenserwartung liegt bei den Männern inzwischen bei knapp 82 Jahren, bei den Frauen sogar über 85 Jahren. Tendenz zunehmend. Auch im Aargau: Die Zahl der Menschen im Rentenalter wächst dabei bis 2050 am stärksten. Fast 20 Prozent ist hierzulande über 65 Jahre (Stand 2020) alt. Davon geht der Kanton in seinem aktuellsten Bevölkerungsszenario aus.

In Endingen ist der Anteil dieser Altersgruppe noch höher. Vergangenen Oktober lebten 676 Menschen im Alter über 60 in der Surbtaler Gemeinde. Bei 2609 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 31. Dezember 2020) entspricht das rund 27 Prozent. Die höchste Quote der Gemeinden im Zurzibiet verzeichnet Bad Zurzach mit über 41 Prozent.

Hubert Keller  Präsident Seniorenrat.

Hubert Keller
Präsident Seniorenrat.

Bild: Sandra Ardizzone

Um den Bedürfnissen von älteren Menschen in Zukunft noch stärker Rechnung tragen zu können, hat die Gemeinde auf Initiative von Frau Vizeammann Rebecca Spirig (parteilos) eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Mit dem Ziel herauszufinden, wie und ob die Menschen über 65 Jahre mit dem Angebot im Ort zufrieden sind.

Gute Noten für die Gemeinde während des Lockdowns

Hierzu wurden rund 90 Personen befragt. Das Ergebnis: Die Mehrheit fühlt sich gut aufgehoben. Besonders geschätzt wurde die Unterstützung während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühling, als die Behörden und das Gewerbe zusammenspannten und kurzerhand einen Fahr- und Lieferdienst auf die Beine stellten.

Die Befragung bestätigte allerdings auch die Ergebnisse einer Bedarfsanalyse aus dem Jahr 2013. Gefordert wird darin mehr Beachtung in der Nachbarschaftshilfe, Nachholbedarf in der Information und der Wunsch für mehr altersgerechtes Wohnen.

Nachdem vor acht Jahren auf weitergehende Massnahmen verzichtet worden war, hat die Gemeinde nun entschieden, einen Seniorenrat einzusetzen, der sich gezielt mit den Bedürfnissen und Problemen beschäftigt.

Fünfköpfige Kommission nimmt sich den Anliegen an

Die Kommission setzt sich aus fünf Personen zusammen, Präsident ist Hubert Keller. Weiter gehören Elisabeth Huwyler (Co-Präsidentin), Beatrice Schärer, Viktor Laube sowie als Vertretung der Behörde, die Sozialvorsteherin Alessia Stampanoni (parteilos) dem Gremium an. Hubert Keller:

«Wir wollen den Leuten bekannt machen, welche Angebote es im Ort gibt und bei Bedarf den Problemen und Sorgen auf den Grund gehen.»


Gemäss dem vom Gemeinderat erstellten Pflichtenheft entwickelt der Seniorenrat Massnahmen, mit denen die Selbstständigkeit der älteren Bevölkerung erhalten und der Vereinsamung entgegengewirkt werden soll. «Wir prüfen zudem Angebote und Möglichkeiten in Freiwilligenarbeit und Nachbarschaftshilfe», so Keller. «Ein Punkt, der während der Pandemie in Endingen bereits vorbildlich funktioniert hat, aber über Corona hinaus Bestand haben soll», sagt Rebecca Spirig.

Damit die Bevölkerung mehr über die Ziele des Seniorenrats erfahren kann, ist – sobald es die Lage zulässt – ein Kick-off-Anlass geplant.

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