Wislikofen
Einwendung gegen Baugesuch: Schutz vor Hochwasser erregt die Gemüter

In Wislikofen entscheidet das Volk, ob ein Hochwasserschutzprojekt abgebrochen wird. Die Gemeinde wollte Massnahmen umsetzen, die mit allen Grundeigentümern koordiniert sind.

Stefanie Garcia Lainez
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Am 30. August müssen die Einwohner von Wislikofen an der Urne abstimmen.

Am 30. August müssen die Einwohner von Wislikofen an der Urne abstimmen.

Walter Schwager

Ein Unwetter mit starken Regenfällen könnte in Wislikofen zahlreiche Gebäude entlang der alten Gewässerläufe vom Dorfkern bis zum Goldenbühl beschädigen, darunter auch die Trafostation der Gemeinde. Das betroffene Gebiet liegt in der Zone «mittlere Gefährdung»: Zu erwarten sind häufige Ereignisse mit leichter Intensität oder seltene Ereignisse mit mittlerer Intensität. Menschen sind ausserhalb der Gebäude gemäss Kanton in solchen Fällen gefährdet. Sorgen die Eigentümer nicht für einen genügenden Schutz ihrer Häuser, kann die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) im Schadensfall Leistungen kürzen oder streichen.

Mit dem Projekt Hochwasserschutz Propsteiweg/Goldenbühlstrasse wollte die Gemeinde Massnahmen umsetzen, die mit allen Grundeigentümern koordiniert sind. Nur: Eine Einwendung verhindert das Projekt möglicherweise. Das Volk muss am 30. August ein drittes Mal darüber abstimmen– nun an der Urne.

2014 segnete die Wislikofer Gemeindeversammlung einen Kredit über 186'000 Franken für ein gemeinsames Schutzprojekt ab. Bei diesem koordinierten Vorgehen würde die AGV den maximalen Beitrag von 40 Prozent sprechen. Gegen das Baugesuch ging aber eine Einwendung ein, die trotz Gesprächen nicht zurückgezogen wurde. Der Gemeinderat legte den gleichen Kredit deshalb zur vorzeitigen Abrechnung an der vergangenen Wintergmeind vor. Nach einem knapp abgelehnten Rückweisungsantrag stimmte das Volk mit 28 Ja- zu 19 Nein-Stimmen dem Projektabbruch zu. Dagegen wurde erfolgreich das Referendum ergriffen.

Knapp an einem Extremfall vorbeigeschrammt

«Der Gemeinderat hat 2014 vom Volk einen klaren Auftrag erhalten», sagt Lukas Spuhler vom Referendumskomitee, dem auch Hansueli Fischer und die Maia-­Stiftung angehören, die sich für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen einsetzt. Alle sind Grundeigentümer in der betroffenen Zone. Dass das Projekt nun vor dem Scheitern steht, frustriert Spuhler.

«Beim Projekt geht es um 23 Gebäude von zehn Parteien. Nur eine koordinierte, kostengünstige Gesamtlösung macht hier Sinn.» Ein Flickwerk aus teuren Einzellösungen sei für die Grundeigentümer und die Gemeinde zeitlich und finanziell aufwendig. «Denn auch die Anschlüsse oder Strassen der Gemeinde sind betroffen.» Die Massnahmen umzusetzen, sei nicht nur Vorgabe der AGV, sondern auch nötig. «Vor zwei Jahren schrammten wir haarscharf an einem Extremfall vorbei», sagt Lukas Spuhler und erinnert dabei an den heftigen Hagelsturm, der über Ehrendingen und das Wehntal hinweg zog. Vom Gemeinderat hätte er sich gewünscht, die Einwendung auf dem Rechtsweg weiterzuziehen.

Das Ja-Komitee argumentiert hingegen in ihrem Flugblatt: «Die Verwaltung hat wichtigere Aufgaben zu erfüllen, als für ein Gebiet administrativen Hochwasserschutz zu betreiben, wo er nicht nötig ist.» Das Komitee empfiehlt die Annahme der Kreditabrechnung, um das Projekt abzubrechen und personelle Ressourcen und Steuergelder zu sparen.

Die entscheidende Frage: Was ist sicherer?

Unterzeichnet hat nebst Meinrad Schweri auch René Spuhler und Marius Spuhler, die in der betroffenen Zone wohnen. «Ich lebe seit 70 Jahren hier und habe noch nie eine Überschwemmung miterlebt», sagt Marius Spuhler. Die im Projekt ausgearbeiteten Massnahmen würden das Wasser kanalisieren und über seine Felder sowie in seinen Geräteschuppen leiten. «Dabei ist es viel sicherer, das Wasser breit abfliessen zu lassen», sagt er. «Ich ziehe es deshalb vor, keine Massnahmen zu ergreifen für den unwahrscheinlichen Fall eines Hochwassers und das Risiko im Schadenfall zu tragen.»

Die Gemeinde stehe grundsätzlich hinter dem Schutzprojekt, sagt Gemeindeschreiber Andi Meier. «Es macht Sinn, Massnahmen koordiniert umzusetzen.» Aber aufgrund der Einwendung und den daraus entstandenen Abklärungen und Anpassungen sei es sehr wahrscheinlich, dass das Projekt mehr kosten werde als zu Beginn vorgesehen.

«Hochwasserschutz ist nicht in erster Linie die Aufgabe der Gemeinde, sondern von den jeweiligen Grundeigentümern.»Heiri Rohner Ammann Wislikofen

«Hochwasserschutz ist nicht in erster Linie die Aufgabe der Gemeinde, sondern von den jeweiligen Grundeigentümern.»Heiri Rohner Ammann Wislikofen

Sandra Ardizzone

Ammann Heiri Rohner ergänzt: «Wie die AGV mehrmals bestätigt hat, ist der Hochwasserschutz nicht in erster Linie Aufgabe der Gemeinde, sondern von den jeweiligen Grundeigentümern.» Deshalb mache es Sinn, das Volk nochmals zu fragen, ob es aufgrund der aktuellen Entwicklungen das Projekt weiterziehen und Steuergelder dafür aufwenden möchte. Rohner macht zudem darauf aufmerksam, dass es bei einer Überschwemmung trotz Massnahmen zu mit Schlamm verdreckten Strassen kommt. «Schäden an Gebäuden würden aber eher verhindert und wären durch die Versicherung gedeckt.»

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