Döttingen
Er trifft Regierungsabgeordnete in der Ukraine und unterrichtet Studenten: Nun ist Franz Stalder Ehrenprofessor

Seit über zehn Jahren reist der Döttinger Franz Stalder in das osteuropäische Land, gibt Seminare in Abfallbewirtschaftung und trifft Regierungsabgeordnete. Nun ist er in der Ukraine für sein Engagement von der Technischen Universität Vinnytsia geehrt worden.

Ursula Burgherr
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Franz Stalder aus Döttingen reist seit 2010 zweimal pro Jahr in die Ukraine.

Franz Stalder aus Döttingen reist seit 2010 zweimal pro Jahr in die Ukraine.

Ursula Burgherr

Das Haus von Franz Stalder in Döttingen ist ein Traum. Überall grünt und blüht es, nicht nur im üppigen Garten, sondern auch im Wohnzimmer. Ein Springbrunnen plätschert leise vor sich hin. Der 81-jährige Senior zeigt auf seinem Laptop Fotos, auf denen er als Ehrenprofessor mit den obersten Instanzen der Universität Vinnytsia in der Ukraine posiert. Er trägt den obligaten spitzen Doktorhut und eine rote Toga. Was bedeutet ihm der Titel, der ihm diesen Herbst verliehen wurde? «Wenig», sagt er und lacht. «Ich bin immer noch der Franz.»

Seit 2010 reist er meistens zweimal pro Jahr in das osteuropäische Land, und gibt Studentinnen und Studenten Seminare in Abfallbewirtschaftung. Das dortige Grundwasser sei in einem prekären Zustand. «Es geht darum, generelle Fehler zu erkennen und Gegenmassnahmen zu entwickeln», sagt er. Stalder hat in dieser Mission auch regelmässig Treffen mit Regierungsabgeordneten. Mittlerweile hat er zusätzlich die Fakultät Management und Education übernommen.

Seine Devise: «Nachdenken und nicht einfach nachplappern»

Stalder strahlt Autorität und Würde aus. Er spricht dezidiert; wenn ihm etwas am Herzen liegt, wird seine Stimme laut. Zum Beispiel, wenn es um die Vermittlung von Wissen geht. «Der Mensch darf sich nicht allein auf seine Erfahrungen berufen. Er muss ständig weiterlernen, bis ans Lebensende. Wissen ist unermesslich wichtig», meint er gleich zu Beginn des Gesprächs.

«Nachdenken und nicht einfach nachplappern»

ist seine Devise. Bei ihm kommen auch die Medien mit reisserischen und schlecht recherchierten Berichten unter Beschuss.

Nach seiner Prämisse vermittelt Stalder den ukrainischen Studenten sein Wissen. «Ich halte keine Vorlesungen, sondern fordere sie aktiv zum Mitgestalten des Unterrichts auf und gehe viele praktische Beispiele durch.» Er selber war sein Leben lang lernbegierig. Dass er sich mit 65 gesetzlich pensionieren lassen musste, bedeutete für ihn viel mehr Leid als Freud. «Aufhören kam für mich nie in Frage», meint Stalder.

Deshalb meldete er sich nach seinem letzten beruflichen Engagement beim Senior Expert Corps SEC. Und war ab dato in seinem Spezialgebiet für Abfallberatung und -Entsorgung auf der ganzen Welt unterwegs. So kam er auch an die technische Universität von Vinnytsia, wo er jetzt Ehrenprofessor ist.

Franz Stalder studierte Maschinenbau.

Franz Stalder studierte Maschinenbau.

Ursula Burgherr

Ursprünglich wollte er Matrose werden

Die Anfänge des gebürtigen Solothurners zielten in eine völlig andere Richtung. «Ich wollte Matrose werden und liess mich mit 15 auf dem Schulschiff Leventina in Basel anheuern», verrät er. Sein grosser Wunsch war es, Seeoffizier zu werden. Deshalb studierte er noch während der Lehre Elektro- und Funktechnik in Westfalen.

Dann änderte er die Richtung. Es folgte ein Studium für Maschinenbau an der HTL Zürich. Er bildete sich an der ETH auf dem Spezialgebiet Bodenmechanik weiter und lernte die ersten Programmiersprachen, als der Computer vom Alltagsgebrauch noch weit entfernt war. Und führte in der Robert Bosch AG das Computersystem IB 1401 ein. «Mit einem Speicher von 14 Kilobyte», erinnert er sich und lacht.

Stalder fährt noch Ski und taucht

Seine weitere Karriere brachte ihn zur NOK, wo er Koordinator und Montagespezialist für die Inbetriebnahme der Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 und später (im Auftrag der ENSI) für die KKW Gösgen und Leibstadt wurde. Ein Engagement bei der OECD und IAEA führte ihn letztlich ins radioaktive Abfallwesen. In seiner letzten langjährigen Anstellung, einem deutschen Grossbetrieb mit Ablegern in ganz Europa und USA, war er dann bis zu seiner Pensionierung für das Spezialgebiet der technischen Abfallentsorgung und -verarbeitung verantwortlich.

Ein Ende von Franz Stalders Berufskarriere ist nicht abzusehen. So lange es das Alter zulasse, mache er weiter. Er besitzt in Full-Reuenthal eine knappe Hektare Wald, die er beforstet, taucht und fährt Ski. «Das hält mich körperlich fit», sagt er. Zudem spielt er Alphorn. Und hat auch seinen verblüfften Studenten in der Ukraine schon ein Ständchen gebracht. Mit Frau Verena hat er zwei Kinder und fünf Enkel. Auf die Frage, was dem umtriebigen Mann Freude macht, sagt er:

«Einfach alles. Das Leben ist schön – und ich möchte es noch lange nicht aufgeben.»

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