Bad Zurzach/Leibstadt
Die Schlussworte des abtretenden Bezirksrichters: «Jeder hat das Recht, dass man ihn anhört»

Nach 15 Jahren als Bezirksrichter ist alt Ammann Andreas Wegmüller verabschiedet worden. Bezirksgerichtspräsident Cyrill Kramer hielt eine Rede und auch der Verabschiedete sprach noch einmal über seine Arbeit und seine Prinzipien.

Louis Probst
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Andreas Wegmüller (links) war zuerst Ammann in Leibstadt, danach 15 Jahre lang Bezirksrichter. Gerichtspräsident Cyrill Kramer hat ihn nun verabschiedet und Karin Gfeller willkommen geheissen.

Andreas Wegmüller (links) war zuerst Ammann in Leibstadt, danach 15 Jahre lang Bezirksrichter. Gerichtspräsident Cyrill Kramer hat ihn nun verabschiedet und Karin Gfeller willkommen geheissen.

Louis Probst

Er sei tief ins Archiv gestiegen, sagte Bezirksgerichtspräsident Cyrill Kramer bei der Verabschiedung von Andreas Wegmüller. «Er wurde im November 2004 in stiller Wahl als Ersatzrichter ans Bezirksgericht Zurzach gewählt und trat sein Amt offiziell am 1. April 2005 an.» Nach dem Verschwinden des Ersatzrichteramtes mit der neuen Zivilprozessordnung wurde Andreas Wegmüller 2013 als ordentlicher Richter gewählt und bei den Wahlen 2017 bestätigt. Im vergangenen Frühjahr hatte er seine Demission auf Ende dieses Jahres angekündigt.

Speziell sei, dass Andreas Wegmüller vorher Karriere in der Exekutive gemacht habe, sagte Cyrill Kramer. Als Nachfolger von Marcel Alfare war Andreas Wegmüller 1990 als Gemeindeammann von Leibstadt gewählt worden – auf Anhieb, ohne vorher dem Gemeinderat angehört zu haben. Dieses Amt übte er bis Ende 2001 aus. «Als Gemeindeammann», so Cyrill Kramer, «kam Andreas Wegmüller damals, gemäss der alten Zivilprozessordnung, auch die Aufgabe zu, Schlichtungsversuche bei Scheidungsbegehren zu machen. Damit übte er eine Art richterlicher Funktion aus.»

Schon kurz nach seinem Amtsantritt habe Andreas Wegmüller seinen ersten Einsatz als Ersatzrichter gehabt, sagte Cyrill Kramer. «Nach einem Befangenheitsantrag eines Verteidigers musste er am 22. Juni 2005 einspringen. Seine letzte Sitzung hatte er am 18. November dieses Jahres in einer Zivilsache.»

Mit launigen Worten und Gotthelf-Zitaten – einer Anspielung auf die Wurzeln von Andreas Wegmüller – würdigte Cyrill Kramer die Arbeit des Zurücktretenden. Dabei strich er dessen Gewissenhaftigkeit hervor. «Andreas Wegmüller konnte überzeugen. Er liess sich aber auch überzeugen. Und auf ihn war stets Verlass.»

Karin Gfeller-Sutter tritt die Nachfolge an

«Ich hatte oftmals das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein», meinte Andreas Wegmüller bescheiden. «Der Beruf hat mich nach Leibstadt gebracht. Plötzlich war ich Ammann.» Er war als Strahlenschutzfachmann im Kernkraftwerk Leibstadt und später, bis zur Pensionierung, im Zwilag tätig. Schon als Jugendlicher habe ihn die Richtertätigkeit interessiert. Daher habe er nicht lange überlegen müssen, als er angefragt worden sei, ob er sich als Richter zur Verfügung stellen würde. «Ich habe dieses Amt sehr ernst genommen», sagte Andreas Wegmüller. «Mir war stets wichtig, dass jeder, der in den Dossiers erscheint, das Recht hat, dass man ihn anhört.» Er bedankte sich bei ­Cyrill Kramer und stellte fest: «Ich habe das Amt sehr gerne ausgeübt. Es reut mich ein wenig, dass es jetzt vorbei ist.»

An der Verabschiedung von Andreas Wegmüller, an der auch die Bezirksrichter Roman Dörig, Thomas Miller und Guido Vogel anwesend waren, hiess Cyrill Kramer Karin Gfeller-Sutter willkommen. Sie ist in stiller Wahl als Nachfolgerin von Andreas Wegmüller gewählt worden und wird ihr Amt am 1. Januar 2021 antreten.