Bad Zurzach
Darsteller auf das Verenaspiel eingeschworen

Rund 30 Interessierte trafen sich zu einem ersten Casting für das Freilichtstück, das nächstes Jahr stattfindet

Hans Christof Wagner
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«Hey du da, ja dich meine ich»: Beim Casting mussten die Kandidaten aus sich herausgehen. HCW

«Hey du da, ja dich meine ich»: Beim Casting mussten die Kandidaten aus sich herausgehen. HCW

Hans Christof Wagner

«Hannes Leo Meier hat heute sehr viel vor mit Euch», eröffnete Produktionsleiterin Rita Ernst den Anwesenden im Gemeindezentrum Langwies. Dieser, Regisseur des Freilichtstücks, gab sich über diese Wortwahl zwar überrascht.

Doch im Grunde stimmte es. So ging es bei dem Anlass nicht nur um ein erstes Kennenlernen der für das Stück designierten Darsteller. Nein – Meier wollte die Truppe von Beginn an auf eine bedeutende Sache einschwören: «Ich möchte mit Euch gemeinsam 2014 grosse Momente schaffen, auf die Ihr Euer ganzes Leben zurückschauen könnt.»

Keine Tabus

Doch zunächst war da mal eine grosse Bühne, die es einzunehmen galt. Dabei sollte Meiers erste Übung helfen. Klatschen – gehen, klatschen – stehen bleiben. Der Regisseur hatte seine Leute von Beginn an gut im Griff. Lachend sah er zu, wie sie hüpften, querfeldein durch den Saal spurteten oder im Storchenschritt dahin stolzierten. «Uuuuaaahhhh», rief er in die Runde, riss den Mund zu einem breiten Gähnen auf und streckte die Arme weit von sich – zum Nachmachen für die Anderen.

Am Samstag gab es Gemeindezentrum keine Tabus. Hauptsache, die Mitwirkenden machten sich locker, lösten sich von Konventionen und gaben sich dem Moment hin. Und das taten sie. Sie schrien, lachten laut und gingen aus sich heraus, dass es Meier eine Wonne war.

Hemmungen überwinden

Der Regisseur weiss: Seine Leute werden das alles brauchen, um einen guten Job zu machen: das Raumgefühl für die Bühne im Freien und die starke Stimme, um sich gegen die natürliche Geräuschkulisse durchzusetzen. «Hey Du, ja Dich meine ich», liess er die Mitwirkenden beim Casting einmal quer durch den Saal rufen und sie dabei mit dem Finger zeigen. So manchem fiel es schwer, sich derart zu exponieren.

Persönliches in die Rolle bringen

Auf das Chilebückli, den Spielort für die Verenaspiele 2014, sollten sie sich dann gedanklich hin versetzen. So schritten sie auf der Saalbühne umher und suchten den Blick hinunter ins Tal. Währenddessen gab ein Partner Details aus Biografien zum Besten, die sie sich zuvor gegenseitig erzählt hatten. «Ich fand es toll, wie der Fredy in der Rolle geblieben ist und die Provokationen, die er gehört hat, einfach ignorierte», sagte eine der Teilnehmerinnen hinterher bei der Analyse der Auftritte.

Bei dieser Übung ging es darum, das eigene Ich ein Stück weit auszublenden für den Tag, an dem sie einen Edelmann, einen Bauern oder gar die Verena spielen. Doch Meier schränkte ein: «Auch wenn Ihr eine Rolle spielt, Ihr bleibt trotzdem noch die Person, die Ihr schon immer gewesen seid, und das soll auch so sein.»

Doch da ist ja auch noch die äussere Verwandlung, die einhergeht mit dem Tragen des Kostüms. Auch das spielte am Samstag schon eine Rolle. So holte Produktionsleiterin Rita Ernst die Teilnehmer einzeln ab und führte sie zu Janina Ammann und Yanic Meyer, die sie mit dem Massband traktierten – von Kopf bis Fuss. Um ihnen so später das perfekt sitzende Kostüm auf den Leib schneidern zu können.

Doch Meier war das am Samstag noch nicht so wichtig. Er wollte lieber, dass seine Kandidaten sich noch einmal dem Publikum präsentierten. Er liess eine Gasse bauen, flankiert von Stühlen, einem Laufsteg gleich. Und so hafteten die Blicke der Gruppe auf denen, die sich da in Szene setzen sollten. Und Hannes Leo Meier konnte unter ihnen schon viele Talente entdecken, Menschen, die Feuer und Flamme sind für die Verenaspiele 2014.

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