Bad Zurzach
3. Tavolata in Bad Zurzach: Petrus und die blaue Nacht am Hafen

Kulinarische Genüsse, gute Gespräche, Gemütlichkeit und Gelächter an der dritten Tavolata. Die zahlreichen Gäste kamen in den Genus eines durchaus gelungenen Anlasses.

Rosmarie Mehlin (Text) und Roman Brosowski (Fotos)
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3. Tavolata in Bad Zurzach
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Auch musikalisch hatte die Tavolata viel zu bieten. Ob urchig oder aber auch...
... rockig.
Ein Spiess über dem Grill
Kinder beim Malwettbewerb
Hauptstrasse Parkhotel
Schwertgasse Elektro Schweizer Partner
Schwertkreuzung Tavolata Bar
Hauptstrasse
Schwertgasse

3. Tavolata in Bad Zurzach

Roman Brosowski

Samstagnachmittag und -abend im Flecken: Wo üblicherweise rote Auto-Rücklichter Schlange stehen, ist in bauchigen Gläsern das Orange von Apérol Spritz Trumpf. Statt der Brummis, die ihre Tonnagen um die 90-Grad-Kurve beim «Ochsen» wuchten, brutzeln friedlich Steaks und Würste auf einem Grillrost vor sich hin. Da braucht es keinen Bundesrat um mit einem Blick und zwei Worten auf den Punkt zu bringen, was Tatsache ist: Freude herrscht!

Nach einjährigem Unterbruch hatte der Flecken seine Tavolata wieder und selbst Petrus hatte den Plausch: Blickte er nachmittags noch mit dunkelgrau umwölkter Stirn auf das lukullische Treiben herab, so heiterte seine Stimmung von Stunde zu Stunde mehr auf. Lale Andersens schmelzender Ohrwurm «Blaue Nacht am Hafen» und weitere heisse Rhythmen intoniert von den Zurzibieter «Ü-50-Ögelern» und dem Alleinunterhalter Klaus Herrmann, haben zweifellos ebenso dazu beigetragen, wie die Vielfalt an Speisen und Getränken, die es auf der Hauptstrasse und in der Schwertgasse zu geniessen gab. Einziger Negativpunkt war die Qual der Wahl, das In-sich-hineinhören, das Erforschen der Bedürfnisse, respektive der aktuellen Gelüste von Gaumen, Kehle und Magen.

Bleibend ist der Eindruck

Wäre eine Feijoada – ein portugiesischer Eintopf – das Richtige oder eine rumänische Roulade, eine Sarmale, vielleicht gar eine Portion ungarisches Gulasch? Andererseits – wer kann einem Teller Spaghetti mit raffinierter Sauce widerstehen, einer Portion Parmaschinken mit Parmesan, einem Satey-Spiessli; Chili con Carne, Weisswurst mit Bretzel (leider ohne süssen Senf), Curry-Rolls, Käseteller oder Speck und Zurzacher Huusworscht vom Brättli? Allein beim Studium der Speisekarten zwickte die Hose auf Taillenhöhe. Beim Genuss eines Hot Dogs geriet American Style nicht nur die der Hosenbund in Bedrängnis, sondern auch der Mund. Denn was drei junge Zurzacherinnen zwischen Brötchen und Würstchen klemmten, hatte ganz schön viel Volumen: Man konnte unter acht Zutaten – von Sauerkraut über Cheddar-Köse, gerösteten Zwiebeln bis zu scharfen Jalepeños – wählen, ode sich für alle zusammen entscheiden. Dazu gabs original amerikanisches Bier.

Wieder hatten örtliche Restaurantbetriebe, Geschäfte sowie Privatleute sich um das leibliche Wohl der Besuche gekümmert und die Gemeinde lange Tische und Bänke aufgestellt. Darauf sassen Männlein und Weiblein zeitweise dicht an dicht; von dort ertönte hundertfach das Klirren von Gläsern, verbunden mit fröhlichen «prost»-Rufen. Bekannte und weniger bekannte Gesichter begegneten sich. Hier sah man Küsschen auf Wangen platziert, dort freundschaftliches Händeschütteln. Es wurde ebenso schallend gelacht, wie ernste Gesprächen geführt.

Weit über den Dessertgenuss von frisch gebackenen Waffeln mit Glacé und Espresso hinaus, blieben die Tische gut besetzt. Mit dem Anbrechen der Nacht wurden Kerzen entzündet, der eine und andere Schlummerbecher oder ein letztes Glas Wein bestellt – das sich dann prompt als das vorletzte entpuppte. Kurzum - die dritte Auflage der Bad Zurzacher Tavolata hat ihrem Namen, Sinn und Zweck alle Ehre gemacht und - wie hat doch Goethe geschrieben - «Kein Genuss ist vorübergehend; denn der Eindruck, den er zurücklässt, ist bleibend».

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