Geht es um das Thema Wasseruhren, ist in Würenlingen die Zeit stehen geblieben: Die 4700-Einwohner-Gemeinde ist die einzige im Kanton, die in Privathaushalten noch keine Wasserzähler angebracht hat. Der Wasserverbrauch in Wohnbauten wird somit nicht verbrauchsabhängig, sondern mit einer Pauschale in Rechnung gestellt.

Marcel Signer, im Herbst 2017 noch parteiloser Gemeinderatskandidat, möchte das ändern. Er sammelt deshalb auf der Petitions-Plattform petitio.ch Stimmen für sein Anliegen, das da lautet: «Wasser – ein zu kostbares Gut! Der Benutzer müsste zahlen, nicht die Natur!»

«Auch wenn ich nicht in den Gemeinderat gewählt wurde, will ich mich politisch engagieren», sagt der 46-Jährige. Dabei bleibt das frühere GLP-Mitglied in der Thematik seinen grünliberalen Wurzeln treu. Signer ist überzeugt, dass der Wasserverbrauch pro Kopf abnimmt, wenn im Haushalt ein Zähler angebracht ist. «Die Zahlen und Erfahrungen in anderen Gemeinden stützen diese These.» In Würenlingen liege der Wasserverbrauch im Haushalt pro Einwohner und Tag bei 175 Litern. Schweizweit beträgt der Durchschnittswert 142 Liter.

Bereits im Jahr 2010 hatten die Stimmbürger über die Einführung von Wasseruhren abgestimmt. Damals lehnte die Gmeind den Antrag der Exekutive mit 125 Nein- zu 108 Ja-Stimmen knapp ab. Gemeindeammann André Zoppi (FDP) sagt: «Ich fand es damals schade, dass die Stimmbürger Nein sagten. Zumal der Gemeinderat das Traktandum minutiös vorbereitet hatte und auch die Mittel zur Finanzierung bereitgestanden wären. Aber offensichtlich wollten die Stimmbürger diese Veränderung nicht.»

Kosten von 1 Million Franken

Die Kosten wurden 2010 mit einer Million Franken veranschlagt. Diese dürften sich heute in einem ähnlichen Rahmen bewegen. Signer schlägt vor, dass für die Finanzierung das Geld der Zwischenlager Würenlingen AG (Zwilag) verwendet wird. Für die Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle bezahlt die Zwilag der Gemeinde jährlich 1,25 Millionen Franken. Zoppi lobt, dass sich Signer über die Finanzierung Gedanken macht. Den Vorschlag, die Wasseruhren mit den Zwilag-Geldern querzusubventionieren, hält er aber für illusorisch.

Der Petition Signers steht der Ammann skeptisch gegenüber: «Seit der Gmeind 2010 sind Wasserzähler kein Thema mehr, das der Bevölkerung unter den Nägeln brennt.» Regelmässig tauscht sich der Gemeinderat mit den Einwohnern aus, es finden Gesprächsapéros und ähnliche Anlässe statt. «Wer das Thema auf die Agenda bringen möchte, hatte genügend Gelegenheiten. Niemand hat sie genutzt. Deshalb sieht der Gemeinderat aktuell keinen Handlungsbedarf. Wir haben den Entscheid des Souveräns von 2010 akzeptiert.»

Signer hält dagegen: «Durch Wasserzähler würde der Verbrauch reduziert, unsere Ressourcen geschont und ein Beitrag zur Energiereduktion für die Wasseraufbereitung geleistet. Mit dieser Steuerung würde Würenlingen als letzte Gemeinde im Aargau einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.» Bisher hat Signer 13 Unterstützer für sein Anliegen (Stand gestern). Um das Ziel von 100 Unterstützern zu erreichen, bleiben noch 24 Tage.

Der Petitionär hofft, dass der Gemeinderat das Thema an seiner nächsten Klausur Ende März behandelt. Doch Ammann Zoppi winkt bereits ab. Im Finanzplan der Gemeinde sei das Thema unter dem Vermerk «später» terminiert. Auch sei der Wasserverbrauch in der Gemeinde nicht übermässig hoch.