Zetzwil
Coronafälle stiegen von 4 auf 24 – Stiftung Schürmatt musste Zivilschutz zu Hilfe rufen

Derzeit sind wegen Personalengpässen 15 Zivilschützer in der Institution für Menschen mit Beeinträchtigungen im Einsatz.

Flurina Dünki
Drucken
Teilen

Knappe 11 Monate lang konnte die Stiftung Schürmatt einen Coronaausbruch in ihren Einrichtungen verhindern. Ende Januar hat das Virus die Zetzwiler Institution dann doch heimgesucht. Von vier stiegen die Coronafälle auf 24 Personen an. Betroffen waren Klienten wie Mitarbeitende. Viele Bewohner sind Risikopatienten und -patientinnen. Vier Klienten wurden ins Spital eingewiesen, eine dieser Personen ist verstorben.

Ein Covid-Ausbruch bei einer Institution wie der «Schürmatt», die Ausbildungs- Arbeits- und Wohnplätze für 550 Personen bietet und insgesamt 450 Mitarbeitende beschäftigt, ist in mehrfacher Hinsicht gravierend. Da sind einmal jene 100 Klienten, die auch auf dem Gelände in WGs wohnen und ihre Mitbewohner anstecken könnten.

Da sind die Auftraggeber der Werkstatt-Arbeiten, die zum Beispiel aus Abpacken von Material besteht. Und da sind die Betreuer, die nicht mehr zur Arbeit kommen können, weil sie erkrankt sind oder in Quarantäne müssen. Die Stiftung kümmert sich um kognitiv- und mehrfachbehinderte Klienten sowie solche mit Entwicklungsverzögerungen. Manche sind sehr selbstständig, andere in der Bewegung eingeschränkt.

Zivilschutz war innert 16 Stunden vor Ort

Eine WG wird etwa durch 12 (Teilzeit-)Mitarbeitende betreut. Wegen Covid hatten manche Wohngemeinschaften nur noch zwei Betreuer, die sich auf Tages- und Nachtschicht aufteilten. Am 1. Februar wurde deshalb der Zivilschutz aargauSüd zu Hilfe gerufen. «16 Stunden nach Antragsstellung traten drei Zivilschützer den Dienst an», sagt Anke Müller, verantwortlich für die Wohn- und Arbeitsangebote. Inzwischen sind es 15. Sie unterstützen das Personal etwa bei der Essensausgabe und beschäftigen sich mit den Klientinnen und Klienten, damit diese zu Aktivitäten kommen, auch wenn sie in Quarantäne sind.

Von links: Anke Müller (Wohn- und Arbeitsangebote «Schürmatt»), Direktor Werner Sprenger, Zivilschutz-Chef Dieter Wicki und Zivilschutzkommandant Gregor Müller.

Von links: Anke Müller (Wohn- und Arbeitsangebote «Schürmatt»), Direktor Werner Sprenger, Zivilschutz-Chef Dieter Wicki und Zivilschutzkommandant Gregor Müller.

Britta Gut

Am Mittwoch besuchte Dieter Wicki, Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, den Einsatz in der «Schürmatt». Begleitet wurde er vom aargauSüd-Zivilschutzkommandanten Gregor Müller sowie Niklaus Boss, dem Präsidenten der Organisation und Ammann von Teufenthal.

«Ich musste erst lernen, wie ich mit den Leuten umgehen muss. Jeder hat wieder andere Bedürfnisse»

,sagte der Zivilschützer und gelernte Automechaniker Tobias Wintsch dem Kaderteam. «Wir sind froh um diese Unterstützung, weil wir einige Engpässe haben», sagte «Schürmatt»-Direktor Werner Sprenger. Damit die Zahl der Covidfälle gesenkt werden kann, werden die Klienten und Klientinnen sowie Mitarbeitende regelmässig im hauseigenen medizinischen Dienst getestet. Zudem wird ein Pandemie-­Controlling betrieben, um Infektionsherde zu erkennen.

Zivilschützer Tobias Wintsch erklärt Dieter Wicki, Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, welche Aufgaben er in der «Schürmatt» hat.

AZ/Flurina Dünki

Bereits seit Beginn der Pandemie dürfen sich Bewohner einer WG nicht mehr mit ihrer Nachbars-WGs treffen, um Ansteckungen zu vermeiden. Eine WG-Gruppe arbeitet auch isoliert am selben Ort und macht keine Freizeitausflüge mit anderen Gruppen. «Das hat nach all den Monaten schon etwas aufs Gemüt geschlagen», sagt «Schürmatt»-Kommunikationsleiterin Anja Schenk.

Durch den Zivilschutz Lust auf Pflegeberuf

Auch in der Werkgruppe Industrie in Gontenschwil (die «Schürmatt» hat 14 Standorte) ist ein Zivilschützer im Einsatz. Gabriel Gautschi betreut das Werktstatt-Team beim Einpacken von Hundeguetzli. Durch seine Zivilschutz-Einsätze im Pflegebereich hat der Handelsschule-Absolvent Gefallen an der Branche gefunden. Bald wird er in einer Pflegeeinrichtung schnuppern gehen. Danach möchte er die Lehre zur Fachperson Gesundheit beginnen.

Zivilschützer Gabriel Gautschi wird in der Werkstatt Industrie der Stiftung Schürmatt in Gontenschwil eingesetzt.

Zivilschützer Gabriel Gautschi wird in der Werkstatt Industrie der Stiftung Schürmatt in Gontenschwil eingesetzt.

Britta Gut

Aktuell hat der Zivilschutz 10 Einsätze im ganzen Kanton mit 125 Zivilschutzleistenden. Kürzlich wurde die Zahl von 10'000 Diensttagen in der zweiten Welle erreicht. In der ersten im Frühling wurden im Aargau insgesamt 15'000 Diensttage geleistet, wobei Wicki momentan nicht davon ausgeht, dass diese in der zweiten Welle überschritten werden. Während der Zivilschutz in der ersten Welle mehr Spital-Triage gemacht hätte, würden jetzt mehr Pflegeeinrichtungen anfragen, wie Major Gregor Müller sagt.

Aktuelle Nachrichten