Schöftland
Tinu Heiniger spürt das Alter

Tinu Heiniger spielte in der Schöftler Buchhandlung Lieder von seiner neusten CD. Das Alter macht auch um ihn keinen Bogen.

Peter Weingartner
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Tinu Heiniger in Schöftland.

Tinu Heiniger in Schöftland.

Peter Weingartner

Ein Heimspiel für Tinu Heiniger, der seit einigen Jahren in Schöftland lebt: Am Donnerstag noch spielte und sang er auf dem Niesen, seinem Lieblingsberg, vor vollem Haus, und am Wochenende war er im kleinen Rahmen im Vincafé der Buchhandlung Aleph & Tau in Schöftland zu Gast.

In der Buchhandlung spielt Tinu Heiniger ohne Tonmaschinen Lieder von seiner neusten CD «Scho so lang». Stehend spielt er, wippend, wenn der Rhythmus das nahelegt. Sein Hauptthema ist das Altern, die Vergänglichkeit.

Altersmilde oder realistisch? Gegen das Unvermeidliche aufzubegehren ist nicht sein Ding. So wabert denn Melancholie in den Worten über das Leben: «O we de no so dranne chläbsch: Du weisch, dass d hie nit überläbsch».

Heinigers Beitrag zu Nationalhymnen-Posse, wenigstens melodisch, ist das Volkslied «Lueget vo Bärg und Tal». Die Worte hingegen dürften nicht mehrheitsfähig sein; romantisch-patriotisch klingt anders: «Du, du mis Land vo de Ryche, meh u meh wei zuenis iche. Sie chöme i Boot über ds Meer; da hilft is kes Gsetz u kes Gwehr».

Das Publikum in der Buchhandlung summt mit: «Stärnli, liebs Stärnli, guet Nacht.» Ohrwurmpotenzial hat auch das Lied «E guete Siech», das Heiniger für seinen Sohn geschrieben hat.

Das Alter wird früher oder später für alle zum Thema. Mit Ausschnitten aus einer Alterscheckliste, die der Schauspieler Max Rüdlinger zu Polo Hofers 70. Geburtstag vorgetragen hat, erntet Heiniger Lacherfolge.

Alt sei man, «wenn Sie beim Schnürsenkel-Binden überlegen, was Sie da unten sonst noch erledigen könnten, wenn Sie schon mal da sind». Je älter er werde, desto deutlicher würden Erinnerungen: «Was hat mich geprägt?»

Im Lied «Verbi isch nit verbi» entlarvt er eine gerne verklärte Dorfidylle, und die Geschichte «Mutter» aus dem Buch «Mueterland» zeigt einen versöhnten Tinu Heiniger.

Angesichts der Kinder im Vincafé in Schöftland verzichtet Tinu Heiniger auf die «Schimpfwortballade» und setzt mit dem Liebeslied «Scho so lang», geschrieben für seine Partnerin, einen berührenden offiziellen Schlusspunkt.

Das Publikum will mehr, und Heiniger enttäuscht seine Schöftler «Familie» nicht. Mit einer Mundartgeschichte über das Ruedertal und seinen Bach und dem Lied «Heimatvogu» geht der Anlass im Rahmen der losen Veranstaltungsreihe «Samschtig am eis» zu Ende.

Wer Tinu Heiniger mit seiner Band hören will, hat im Herbst Gelegenheit dazu: Der Emmentaler in Schöftland spielt am Samstag, 17. Oktober in der Aula des Bezirksschulhauses Schöftland.

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