Wynental
Sparpaket trifft sozial Schwache – klare Kritik an Aargauer Regierung

Die Aargauer Regierung will sparen - treffen soll es auch Institutionen mit sozialem Auftrag. Der Aargauische Verband der Unternehmen mit sozialem Auftrag schlägt Alarm. Bei der Zetzwiler Stiftung Schürmatt etwa drohen Entlassungen.

Rahel Plüss
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In der Stiftung Schürmatt müssen aufgrund des Personalabbaus Praxiseinsätze gestrichen werden.

In der Stiftung Schürmatt müssen aufgrund des Personalabbaus Praxiseinsätze gestrichen werden.

Peter Siegrist

Der Kanton muss sparen. Derzeit sind die sogenannten «Entlastungsmassnahmen 2016» in der Anhörung. «Der Regierungsrat erachtet diese Massnahmen angesichts der weiteren Verschlechterung der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für gerechtfertigt», hält Regierungsrat Roland Brogli in einem Schreiben zu den vorgeschlagenen Änderungen fest. Das Sparpaket soll unter anderem der Kostenentwicklung in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Soziales entgegenwirken.

Jetzt schlägt der Avusa, der Aargauische Verband der Unternehmen mit sozialem Auftrag, Alarm. Von diesem Sparkurs seien Institutionen und Firmen mit sozialem Auftrag massgeblich betroffen. So auch die Zetzwiler Stiftung Schürmatt, die Menschen mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung betreut und fördert oder ihr Pendant im Oberwynental, die Stiftung Lebenshilfe in Reinach. Die Entlastungsmassnahmen kommen bei der Avusa-Präsidentin Esther Gebhard nicht gut an: «Das Sparpaket ist zu straff geschnürt.»

Stellenabbau unvermeidlich

Der Leistungsvertrag, den die Institutionen mit dem Kanton haben, regelt die Anzahl Betreuungsplätze und die Vergütung. Nun soll die Leistungspauschale und damit die Haupteinnahmequelle der Einrichtungen um zwei Prozent gekürzt werden. «Das Sparpaket geht mit einem Leistungsabbau einher», sagt Werner Sprenger, Direktor der Stiftung Schürmatt. «Es zwingt uns, sieben Stellen abzuschaffen, was in weniger Einzelbetreuung und Einzelförderung mündet.» Gerade wichtige, integrative Tätigkeiten – beispielsweise Praxiseinsätze auf dem Bauernhof – müssten gestrichen werden. «Somit können wesentliche Elemente unseres Grundauftrages nicht mehr erfüllt werden», betont Sprenger.

Ähnlich tönt es in Reinach: «In den letzten fünf Jahren hat der Kanton uns betriebsnotwendige Mittel im Umfang von rund einer halben Million Franken nicht gesprochen. Die kürzlich verfügten Sparmassnahmen gehen nun an die Substanz», sagt Martin Spielmann, Geschäftsleiter der Stiftung Lebenshilfe. «Wir sind gezwungen, beim Personal zu sparen, was nicht ohne einen Leistungsabbau gehen kann.» Die Sparmassnahmen seit 2010 entsprechen in ihrer Summe sechs bis sieben Vollzeitstellen. «Die Zitrone ist nun ausgepresst. Verschiedene Teams laufen am Limit. Wenn die Begleitanforderungen plötzlich steigen, geht dies zulasten der Gesundheit des Personals.»

Mutationsgewinn abschaffen

Ein weiterer Stein des Anstosses ist der sogenannte Mutationsgewinn, der seit 2010 generell abgezogen wird und bisher zu 5,2 Prozent weniger Lohnsummenzuwachs geführt hat. Der Mutationsgewinn kommt dann zustande, wenn beispielsweise ältere Mitarbeitende durch jüngere ersetzt werden oder wenn bei Kündigungen Nachfolger erst nach einer gewissen Zeit eingestellt werden können. «In unseren Unternehmen müssen aber Mitarbeitende unverzüglich ersetzt werden, weil die Betreuung der Klienten 24 Stunden an 365 Tagen gewährleistet sein muss», so die Avusa-Präsidentin. Ausserdem seien jüngere Angestellte nicht billiger, weil sie oft eine höhere Ausbildung mitbrächten. «Wir sind der Meinung, dass dieser Mutationsgewinn unverzüglich abgeschafft werden muss», sagt Gebhard.

Das alles bereitet dem Verband grosses Unbehagen. Er macht sich deshalb stark dafür, dass der Grosse Rat «diese flächendeckende Sparmassnahme in unserem Bereich», wie Gebhard sagt, nochmals kritisch beurteile.

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