Menziken
Rettungsschwimmerin tritt zurück: Kopf kämpft gegen Herz

Die Profi-Rettungsschwimmerin Annika Lindenmeyer gibt wegen einer Schulterverletzung ihren Rücktritt.

Christine Wullschleger
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Die Menzikerin Annika Lindenmeyer gehörte der Schweizer Nationalmannschaft im Rettungsschwimmen an.

Die Menzikerin Annika Lindenmeyer gehörte der Schweizer Nationalmannschaft im Rettungsschwimmen an.

zvg

Annika Lindenmeyer war sechs Jahre Kaderathletin der Schweizer Nationalmannschaft der Rettungsschwimmer und hält diverse Schweizer Rekorde. Vor kurzem zügelte sie von Menziken, wo sie aufgewachsen ist, nach Buttisholz. Sie ist Physiotherapeutin im Schweizer Paraplegiker Zentrum Nottwil.

Annika Lindenmeyer, Sie sind als Profi-Rettungsschwimmerin zurückgetreten, was ist passiert?

Annika Lindenmeyer: Ich musste mich im letzten November einer Schulteroperation unterziehen und darf nun aus ärztlicher Sicht sogenannte «Überkopfsportarten» wie Schwimmen nicht mehr mit solcher Intensität betreiben. Ich hatte seit mehreren Jahren Beschwerden in der linken Schulter, welche im Verlauf des letzten Jahres immer stärker wurden. Nach den Europameisterschaften in Wales im letzten August konnte ich nicht mehr weiter trainieren und begab mich deshalb wieder in ärztliche Untersuchung.

Haben Sie lange mit dem Rücktritt gerungen?

Ja, der Rücktritt fällt mir ziemlich schwer, obwohl der innere Prozess schon im Herbst, als ich von der bevorstehenden Operation wusste, begonnen hatte. Dieser Schritt bedeutete, nach sechs Jahren in der Schweizer Nationalmannschaft der Rettungsschwimmer, eine sehr starke Veränderung in meinem Leben. Obwohl der Kopf genau weiss, was das beste für den Körper wäre, steht er bis jetzt in einer Art «Battle» gegen Herz und Bauch.

Warum?

Wettkampfsport über längere Zeit in dieser Intensität zu betreiben, bedeutet eben nicht nur eine Menge Energie und Kraft dafür zu investieren, sondern dass sich der ganze Alltag danach ausrichtet. Die Tagesstruktur sowie die Wochenend- oder Ferienpläne sind oftmals einfach vorgegeben. Die Angst, nach einem Rücktritt in ein Loch zu fallen, ist gross, da man neben der angesprochenen Struktur auch ein ganzes soziales Netzwerk (teilweise) aufgibt. Trainingspartner werden schnell zu Freunden, da so viel Zeit miteinander verbracht und Emotionen verschiedenster Arten geteilt werden. Man freut sich und leidet zusammen, man stellt gemeinsame Ziele auf, ärgert sich über dieselben Dinge, fachsimpelt über neues Material, meckert über gewisse Trainingseinheiten oder erfreut sich an einem Training bei schönstem Sonnenuntergang in Meereswellen.

Was fehlt Ihnen am meisten?

Am meisten fehlen mir die internationalen Wettkämpfe. Wettkämpfe sind weit im Voraus gesteckte Jahresziele und somit Trainingsziele, die dann über längere Zeit von Trainer und Athleten verfolgt werden. Mir fehlt die Atmosphäre, die an diesen Wettkämpfen herrscht. Aber auch die vielen Emotionen, Freundschaften mit Athleten aus aller Welt und den Nervenkitzel vermisse ich. Hinzu kommt, dass mir das Gefühl fehlt, meinen Körper an seine Grenzen pushen zu können oder teilweise darüber hinaus zu müssen.

Wie geht es jetzt sportlich weiter?

Ich möchte einen Sport finden, der mir einen ähnlichen Ausgleich zum Arbeitsalltag geben kann, wie es der Rettungsschwimmsport bisher getan hat. Ich suche nach einer Sportart, bei der ich mich auspowern und draussen sein kann, am besten im/auf/am Wasser. Deshalb versuche ich es mit einem Ruderkurs. Da ich immer wieder Wettkampfsituationen suche, ist es mein Ziel, wieder einen Wettkampf bestreiten zu können. In welcher Sportart, wann und wo, wird sich dann zeigen.

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