Reinach
Drei Ja und ein Abschied: Martin Heiz ist jetzt Ehrenbürger

Ganze 69 Gemeindeversammlung hat er geleitet, nun ist auch seine letzte vorbei: Martin Heiz wurde an der Winter-Gmeind für seine Dienste an der Gemeinde Reinach geehrt.

Natasha Hähni
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Winter-Gmeind Reinach 2021, Martin Heiz

Winter-Gmeind Reinach 2021, Martin Heiz

Natasha Hähni / Aargauer Zeitung

Die Gemeindeversammlung stand ganz im Zeichen des Abschieds. 114 von 4'444 Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern versammelten sich am Dienstagabend im Saalbau. Mit einer Standing-Ovation ehrten sie den abtretenden Ammann, der schon länger im Amt ist, als mancher Besucher auf der Welt.

Nach 34 Jahren war es nun die letzte Gmeind unter der Leitung von Martin Heiz. Neben einer Rede und einem Posaunenkonzert erhielt er für sein jahrzehntelanges Engagement das Ehrenbürgerrecht und eine grosse «Ruhebank» mit eingraviertem Namen und Gemeindewappen. Die testete der gut gelaunte Ammann noch während der Versammlung aus.

Standing Ovation für den Reinacher Ammann Martin Heiz.
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Heiz wurde an der Gemeindeversammlung das Ehrenbürgerrecht verliehen.
Zur Feier des Tages spielte ein Posaunen-Trio für den Ur-Reinacher.
Zude erhielt er als Abschlussgeschenk seine «Ruhebank».
Das Bänkli schien ihm gut zu gefallen.
Auch seine Frau wurde an diesem Abend mit einer Rede und einem Blumenstrauss geehrt.
Ende Jahr ist für Heiz die Zeit als Ammann vorbei.

Standing Ovation für den Reinacher Ammann Martin Heiz.

Natasha Hähni / Aargauer Zeitung

Zu Beginn der eigentlichen Versammlung erzählte Heiz von aktuell laufenden Projekten, wie dem Bau des Wasserreservoirs Rigiblick. Dort sei man zurzeit auf gutem Wege. «Wenn die Anlage erst fertig ist, werden wir keine Wasserleitungsbrüche mehr haben.» Das sei ihm hoch und heilig versprochen worden, erzählt Heiz

«Grausam genervt», habe er sich, als er darüber informiert wurde, dass der Rückbau der ehemaligen 300-Meter-Schiessanlage Ischlag und die damit verbundene Abfuhr der Blei-Geschosse einiges mehr kosten würde, als ursprünglich angenommen. Bei der Planung der Sanierung ging man von einer Bleimenge von ungefähr sieben Tonnen aus, die sich bis zur Schliessung der Anlage im Jahr 2002 angesammelt hat. Für die Entsorgung wurden im Sommer 400'000 Franken budgetiert. Die Entsorgung des neu gefundenen Bleibestands soll zusätzlich rund 200'000 Franken kosten.

Dafür sei man bei der Renovierung des Centralschulhauses im Budget. «Die Zimmer sind alle fertig, für das nächste Jahr sind unter anderem noch die Gänge vorgesehen», so Heiz. Auch die Umnutzung des KV-Schulhauses in ein Primarschulhaus und die Renovierung der Tennishalle seien gut verlaufen. «Das waren gute Investitionen», so Heiz.

Alles einstimmig angenommen

Zur An- oder Ablehnung standen neben des Protokolls der vergangenen Gmeind nur zwei Traktanden: Das Budget 2022 und die Anschaffung von digitalen Endgeräten für die Kreisschule. Dafür überliess Heiz Bruno Rudolf, Vorsteher des Ressorts Bildung, das Wort: «Bruno wird euch jetzt den Computer verkaufen.»

Der Verpflichtungskredit für die Anschaffung digitaler Endgeräte für die Kreisschule aargauSüd in der Höhe von 212'500 Franken wurde einstimmig angenommen. Die Anschaffung wird über drei Jahre erfolgen.

Auch das Budget wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Der Steuerfuss bleibt im Jahr 2022 bei 115 Prozent, zudem wird Reinach im Jahr 2022 voraussichtlich knapp 375'000 Franken im Minus sein.

Bald soll es nicht mehr stinken

Unter dem letzten Traktandum, «Verschiedenes», meldete sich ein Votant: «Wir haben so viel Geld in die Eishalle gesteckt. Wie kann es sein, dass die Anzeige, die Lautsprecheranlage und die Lüftung derart schlecht sind?» Mit der Lautsprecheranlage und der Anzeige habe er nichts zu tun, entgegnete Heiz. Er sei sich dem Problem aber bewusst. «Aber unser Sport-Ressortvorsteher muss ja auch noch was zu tun haben», so Heiz lachend. Er meint damit Gremiumsmitglied und Ammann-Kandidat Jules Giger.

Dem Lüftungsproblem habe er sich bereits angenommen. «Nach einem Café-Besuch riecht man zurzeit, wie wenn man früher aus dem Bären kam», so Heiz. Wegen des Fritteusen-Geruchs sei bereits ein Lüftungsexperte vor Ort gewesen. «Ich habe schon einen Lösungsvorschlag auf dem Tisch.» Das Problem könne wohl einfach behoben werden.

Das Abschiedsbier wird nachgeholt

Seine Fähigkeit, für jedes Problem eine Lösung zu finden, rechnet er seiner «Bauernschläue» – wie er sie nennt – zu. «Martin hat noch immer, wenn es darum ging, Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, ein Kässeli gefunden», sagt Rudolf in seiner Laudatio. Nach dieser entschied sich Heiz kurzerhand selber noch ein paar Geschichten zu erzählen. «Eigentlich könnte ich ein Buch schreiben, über die letzten Jahre. Aber da hätten wohl einige nicht so Freude.»

Die nächste Legislatur wird Reinach mit einem neuen Gemeinderatsmitglied bestreiten. Alle Bisherigen wurden am 26. September bestätigt. Nachrücken wird Philippe Härri (31). Als er zur Welt kam, war Heiz bereits drei Jahre im Amt. Am Ende seiner 69. und letzten Gemeindeversammlung hätte Heiz gerne noch mit allen angestossen. «Das holen wir noch nach», sagt er, bevor er die Stimmberechtigten nach Hause schickt.

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