Reinach
Nur 15 Stimmen Vorsprung: Jules Giger ist Reinachs neuer Gemeindeammann

Wahlkrimi: Im ersten Wahlgang machte Jules Giger (parteilos) noch halb so viel Stimmen wie Bruno Rudolf (SVP) – jetzt übernimmt er das Ammann-Amt von Martin Heiz.

Natasha Hähni
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Lokführer Jules Giger gewinnt gegen Gemeinderat-Kollegen Bruno Rudolf.

Lokführer Jules Giger gewinnt gegen Gemeinderat-Kollegen Bruno Rudolf.

Chris Iseli / WYS

Er tritt in die Fussstapfen von Martin Heiz: Julius «Jules» Giger (57, parteilos) wird 2022 neuer Gemeindeammann von Reinach. Mit einem winzigen Vorsprung von 15 Stimmen hat er im zweiten Wahlgang den Wahlkrimi für sich entschieden. Giger machte 951 Stimmen, Konkurrent Bruno Rudolf (54, SVP) deren 936.

Die Stimmbeteiligung lag im zweiten Wahlgang mit 43,8 Prozent etwas höher als im ersten (37,4 Prozent). «Das hätte ich wirklich nicht erwartet», sagt Jules Giger nach Bekanntwerden des Resultats. Noch im September lag der Lokführer im ersten Wahlgang relativ weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz hinter Rudolf. Dieser holte damals 630 Stimmen, Giger 322.

Zu diesem Zeitpunkt waren noch vier Kandidaten im Rennen. Nach dem Ausscheiden von Thomas Brem (53, parteilos) und Markus Bitterli (64, parteilos), sei der Wahlkampf ein ewiges Hin und Her gewesen. «Ich dachte mir, dass es knapp werden könnte», so Giger.

«Ich dachte mir, dass es knapp werden könnte», so Giger. Dass er den Sprung an die Spitze wirklich schaffen würde, habe er nicht kommen sehen. Am Vorabend sei er glücklicherweise beschäftigt gewesen. «Das war gut, so habe ich mir nicht zu viele Gedanken machen können», sagt der 57-Jährige. Anders ging es seiner Ehefrau Isabelle. «Sie war viel nervöser als ich», sagt Giger lachend.

Jules Giger feiert seinen Sieg mit Ehefrau Isabelle, Freunden und Familie bei einem Apéro in seinem Garten.

Jules Giger feiert seinen Sieg mit Ehefrau Isabelle, Freunden und Familie bei einem Apéro in seinem Garten.

Natasha Hähni / Aargauer Zeitung

Ähnlich knapp waren bereits die Gemeinderatswahlen 2018 verlaufen: Damals fehlten dem Parteikollegen von Rudolf im ersten Wahlgang sechs Stimmen für den Gemeinderatssitz, im zweiten Wahlgang wurde er dann von Giger geschlagen. Seither sitzt Giger im Gemeinderat.

«Seine Erfahrung bleibt zum Glück im Gremium»

«Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht enttäuscht bin», sagt Bruno Rudolf. Während des Wahlkampfes war er weitaus präsenter als sein parteiloser Gemeinderatskollege. Mit dem Resultat könne er aber leben: «So läuft es halt in einer Demokratie», so der 54-Jährige. Wichtig sei ihm vor allem, dass er sein Ressort Bildung behalten kann. Rudolf ist seit 20 Jahren im Gemeinderat, seit 12 Jahren Vizeammann (per 2022 übernimmt Rudolf Lanz), seit neun Jahren sitzt er im Grossen Rat. «Seine Erfahrung bleibt zum Glück im Gremium», sagt auch Giger.

Bis auf Martin Heiz, der nach 34 Jahren nicht mehr angetreten ist (für ihn rückt der 31-jährige FDP-ler Philipp Härri nach), gibt es im Gemeinderat keine personellen Wechsel. Ganz zur Freude von Giger: «Ich weiss, dass ich mich auf ein gut funktionierendes Team verlassen kann.»

Gestern feierte Giger mit Freunden und Familie. Seine Gespräche wurden jedoch alle paar Minuten durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. «Im Moment geht alles drunter und drüber», sagt er.

Seine Legislatur wolle er aber langsam angehen. «Zuerst werden wir mal die Ressorts aufteilen. Wir schauen dann Schritt für Schritt und kommen nicht gleich mit der grossen Schaufel.»

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