Andrea-Carlo Polesello kann etwas aufatmen: Die Online-Petition «Die letzte Hochstudscheune retten» ist höchst erfolgreich verlaufen; innert der dreissigtägigen Frist haben 191 Unterzeichner das Anliegen auf petitio.ch unterstützt. Nötig gewesen wären 100. Das Vorhaben wird nun mit einer Liste der Petitionäre der Gemeinde Kölliken zugestellt.

«Ich bin hocherfreut und auch überrascht, dass so viele sich hinter die Rettung stellen», sagt Polesello. Die Initianten hätten einige lobende und ermunternde Zuschriften mit Ratschlägen erhalten, wie sie das Ansinnen befördern könnten. «Viele haben auch ihr Bedauern ausgedrückt, dass in der heutigen Zeit eine solche Aktion wohl aussichtslos ist. Es bräuchte mehr Biss und Kampfgeist», sagt Polesello.

Die Zeit zerrinnt

Kampfgeist ist ein gutes Stichwort: Gemeinsam mit drei Mitinitianten – Strafrechtsprofessor und Heimatschutz-Präsident Martin Killias, Ruedi Lüthi, der sich stark im Umweltschutzbereich und für die Dorfgeschichte engagiert, sowie eine anonyme vierte Person – kämpft Polesello nicht nur gegen Widerstände, sondern vor allem gegen die Zeit. Noch bleiben ein paar wenige Wochen, um die Hochstudscheune an der Scheidgasse zu retten («Schweiz am Wochenende» vom 28. 10./AZ vom 2. 11.). Wahrscheinlich wird die Scheune noch im Dezember abgerissen, die Abbruchbewilligung ist seit Januar 2017 rechtskräftig. Auf der Parzelle sollen Mehrfamilienhäuser entstehen.

Die erfolgreiche Petition ist ein Hoffnungsschimmer für die Initianten. Ein weiterer Strohhalm ist das Treffen mit Vertretern von Coop. «Wir können ihnen direkt vor Ort unsere Vorstellung einer ‹Dorfmärtschüür› aufzeigen», freut sich Polesello. Die Idee der Initianten: Sollte die Scheune nicht am ursprünglichen Ort geschützt werden können, so soll sie verlegt werden. «Hochstudhäuser sind Fahrnisbauten, die sich bei entsprechender Fachkenntnis demontieren und an anderer Stelle wieder aufbauen lassen», so Polesello. Der favorisierte Standort läge in direkter Nachbarschaft zum prominentesten Objekt im Dorf der Strohdachhäuser. «Optimal wäre es, wenn die Scheune direkt neben dem Dorfmuseum zu stehen käme, auf dem Platz vor dem Coop», sagt Polesello.

Um die Unterstützung von Coop zu haben, könnte sich die Gruppe ein Café oder einen Dorfmarkt in der Scheune vorstellen, damit die Scheune eine Bestimmung bekommt. Diesen Plan können die Initianten nun vorstellen.

Ein grosser Haken aber bleibt, selbst wenn Coop Hand für eine Lösung bieten sollte: die Kosten. Fürs Demontieren, Umziehen, Aufrichten und für das Einrichten einer neuen Nutzung schätzt Polesello diese auf vorerst eineinhalb Millionen Franken. Ungeheuer viel Geld, das die Initiativgruppe noch nicht im Entferntesten zusammen hat. Doch Polesello gibt sich kämpferisch bis zur letzten Sekunde: «Wir hatten in den letzten Wochen und Tagen verschiedenste Rückmeldungen von Leuten, die uns auch finanziell unterstützen möchten.» Noch sehe er eine Chance, die Scheune zu retten, sagt Polesello: «Noch geben wir nicht auf.»

Beweismaterial würde vernichtet

Sollte das Gebäude abgerissen werden, verschwindet laut Cecilie Gut von der Kantonsarchäologie nicht nur ein Stück Geschichte: «Dann verschwindet wertvolles Beweis- und Forschungsmaterial.» Die Kölliker Scheune (der Kernbau wurde auf 1819 datiert) ist die letzte Hochstudscheune im ganzen Kanton, vermutlich sogar im ganzen Verbreitungsgebiet der Hochstudbauten. Das Spezielle an der Scheune: Normalerweise vereinten Hochstudhäuser Stallungen, Scheune und Wohnhaus unter einem Dach. Dass ein Hochstudbau ursprünglich einzig zum Zweck der Lagerung gebaut wurde, ist aussergewöhnlich. «Sie ist ein letzter Zeuge dafür, wie die Landwirtschaft um 1800 funktioniert hat. Ohne sie bleiben auf immer und ewig Forschungslücken offen», sagt Gut.