Für Bauämter ist es schwierig, diesen Forderungen nachzugehen – nicht nur aus Sicherheitsgründen.

«Das in diesen Tagen herunterfallende Laubwerk der Bäume dient der belebten Bodenschicht als Schutz- und Nahrungsspender und bietet vielen Kleinlebewesen in der kalten Jahreszeit Unterschlupf», schreibt die Gemeinde Reinach in ihren Nachrichten.

Zu viel Laub werde gesammelt

Dem pflichtet Johannes Jenny von Pro Natura Aargau bei. Laub verrotte und gebe Nährstoffe an den Boden ab. «Von diesem Prozess lebt eine ganze ‹Artengarnitur›, die sogenannten Destruenten», sagt Johannes Jenny. Dazu gehören Regenwürmer, Milben, Pilze und Bakterien. Diese sind an der Umwandlung der Blätter in Humus beteiligt und dienen als Futterquelle für grössere Tiere.

Grundsätzlich werde viel zu viel Laub eingesammelt, so der Naturschützer. Selbst wer einen grünen Rasenteppich liebe, mache nichts falsch, etwas Laub in der kühlen Jahreszeit liegen zu lassen. So sei der Umwelt gleich doppelt gedient: «Wenn mit viel Energie und lautem Gebläse jedes Blättchen eingesogen oder weggeblasen wird, kommt es zusätzlich zu einer akustischen und energetischen Umweltbelastung», sagt Johannes Jenny. Wo Menschen ausrutschen können oder auf den Strassen sei es jedoch besser, wenn Laub entfernt wird.

Wie das Beispiel Suhr zeigt, handelt es sich bei gesammeltem Laub um gigantische Mengen: 30 Tonnen waren es im vergangenen Jahr. Mithilfe von drei Laubbläsern und einer Wischmaschine sammeln Gemeindeangestellte vor allem Blätter von Strassen ein. «Das hat nicht nur einen Schönheitseffekt. Es geht um Verkehrssicherheit», sagt Werkmeister René Fehlmann. Nasses Laub macht die Strassen rutschig. Ausserdem verstopfen die Blätter Einlaufschächte, sodass Regenwasser nicht mehr ablaufen kann.

Reklamationen von Anwohnern

Aber auch auf öffentlichen Anlagen und Grünflächen bleibt das Laub in Suhr nicht lange liegen. «Sonst wird es durch den Wind sofort wieder auf Strassen und Parkplätze geblasen», sagt Werkmeister René Fehlmann. Ausserdem gebe es immer wieder Reklamationen von Anwohnern, wenn die Gemeinde die Blätter «ihrer» Bäume nicht gleich wegräume. Dies sei auch schon diesen Herbst der Fall gewesen. «Viele wollen kein Laub in ihren Gärten und Einfahrten.»

Auch in Lenzburg sieht man keine Möglichkeit, mehr Laub liegenzulassen. «Eine Sportanlage mit Laub funktioniert nicht», sagt Bauamtleiter Heinz Stettler. Auch Parkanlagen, Schulrasen und Baumalleen werden vom Laub befreit. Dazu besitzt die Stadt zehn Laubbläser, die jedoch nicht gleichzeitig zum Einsatz kommen. In der Renaturierungszone am Aabach bleibt das Laub liegen.

In Schöftland wischt die Wischmaschine im Herbst wie ganzjährig einmal pro Monat durch die Strassen. Zusätzlich wird das Laub von den Strassenrändern mit einem Lastwagen mit Laubsauger aufgesogen. «Dies machen wir höchstens einmal pro Woche», sagt Bauamtleiter Roger Maurer.

Was mit dem gesammelten Laub passiert, ist in den angefragten Orten unterschiedlich. In Schöftland wird das gesamte Laub kompostiert. Auch in Suhr und Lenzburg landet der Grossteil im Grünabfall. Stark verdrecktes Laub von den Strassen, in dem sich Gummiabrieb, Öl und Dreck befinden, jedoch nicht. In Suhr werden etwa 15% des gesammelten Laubes verbrannt. Lenzburg wäscht die dreckigen Blätter vor dem Entsorgen.

Wie viel Laub dieses Jahr zusammenkommt, wird sich noch zeigen. Die Saison hat erst begonnen. René Fehlmann aus Suhr erklärt: «Der grösste Teil der Arbeit steht noch an. Wir warten auf den ersten grossen Frost, der die meisten Blätter zu Boden bringt.»