Schöftland
Pedro Lenz erzählt bei Pro Schöftland von Fussball, Liebe und Lebensblues

Als ersten Gast konnte Tinu Heiniger bei Pro Schöftland Pedro Lenz im Bürgersaal begrüssen. Lenz las aus seinem Buch «Dr Goalie bin ig» und erklärte Heinger unter anderem, warum er sein Werk in Mundart verfasste.

Peter Weingartner
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Pedro Lenz (rechts) erzählt im Gespräch mit Tinu Heiniger auch von seiner Jugend und der Maurerlehre.wpo

Pedro Lenz (rechts) erzählt im Gespräch mit Tinu Heiniger auch von seiner Jugend und der Maurerlehre.wpo

Peter Weingartner

«Im Fussball gibts keine Oberen und Unteren, Fussball ist einfach Schutte», sagte Pedro Lenz am Mittwochabend. Tinu Heiniger hatte ihn eingeladen. Im Buch, aus dem der Langenthaler Autor las, geht es dem Titel «Dr Goalie bin ig» zum Trotz um mehr als bloss Fussball.

Lenz ist ein Performer: Er lebt seine Texte, wippt stehend hin und her, manchmal bewegt sich der linke Arm dazu, als ob er sich dirigierte. Denn seine Sprache ist Musik, besonders, wenn er sie spricht. Die Geschichte, tragisch, komisch, verrückt und alltäglich, packt die Leute im vollen Bürgersaal.

Viel gibts zu lachen, etwa wenn der Goalie über seine Taktik, Frauen zu gewinnen, räsoniert. Er kommt nämlich aus dem Gefängnis und versucht wieder Fuss zu fassen im Leben.

Pedro Lenz erzählt im Gespräch mit Tinu Heiniger von seiner Jugend, den Schulproblemen und seiner Maurerlehre. Und dass er, um einem Mädchen im Gymi imponieren zu können, Böll gelesen habe.

Warum schreibt er Mundart? «Die Mundart steht mir näher», sagt der Autor. Über die Musik, unter anderen auch Tinu Heiniger oder Rumpelstilz, ist Lenz auf die Mundart als Ausdrucksmöglichkeit gekommen, nicht über Schriftsteller wie Simon Gfeller oder Rudolf von Tavel. Tinu Heiniger, Gastgeber im Anlass von Pro Schöftland, dem Verein, der dieses Jahr 45 Jahre feiert, steuert den musikalischen Teil zum Abend bei. «E guete Siech», heisst ein Lied, und ein solcher möchte auch der Goalie in Lenzens Bestseller sein.

«Warum hast du den Goalie nicht selber ins Hochdeutsche übersetzt?», will Tinu Heiniger wissen. Er habe das Thema abgeschlossen, sagt Lenz, und er habe Raphael Urweider, Lyriker und Musiker, vorgeschlagen. Das Buch ist ins Italienische, Schottisch-Englische, Französische, Litauische und Ungarische übersetzt worden. Und im März kommt der Film in die Kinos. Nein, das Drehbuch habe er nicht geschrieben, aber bei den Schauspielern Einfluss auf den Text genommen, das schon, sagt Pedro Lenz, der Schalk.

Liebesgeschichten, Liebeslieder, und darin ein gehöriger Schuss Melancholie: Das Publikum, mehrheitlich gesetzteren Alters, nimmt die Gelegenheit, in der Vergangenheit zu schwelgen, gerne wahr. Wer kennt ihn nicht, den sportlich Unbegabten, den niemand in seiner Mannschaft will? «U s wird immer eso si», singt Tinu Heiniger, in seiner Willy-Nelson-Adaption. Das Publikum summt mit, ergibt sich der Stimmung, dem Blues des Lebens halt. Jugenderinnerungen, Träume und Ernüchterung: Heinigers Antwort ist «Blowin’ in the Wind». Und mit einem Blues von Duke Ellington, gespielt auf der Klarinette, setzt Tinu Heiniger seinen Schlusspunkt unter einen gelungenen Abend.

Bereits am 6. November feiert Pro Schöftland weiter: Tinu Heinigers Gast in Schöftland wird Franz Hohler sein.

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