Muhen
Rostiges hat es Ursula Peyer angetan: Die Künstlerin stellt gemeinsam mit elf weiteren Kunstschaffenden in Muhen aus

Die Ausstellung «AnsichtSachen» gibt lokalen Künstlerinnen und Künstlern Ende Oktober für drei Tage eine Plattform. Auf der Sammelstelle in Muhen ist die 62-Jährige bekannt: Dort findet sie laufend neue Objekte und Materialien für ihre Kunst.

Cynthia Mira
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Ursula Peyer (62) holt Objekte aus der Sammelstelle in Muhen und veredelt diese durch gezieltes Rosten.

Ursula Peyer (62) holt Objekte aus der Sammelstelle in Muhen und veredelt diese durch gezieltes Rosten.

Cynthia Mira

Zwölf Kunstschaffende aus Muhen stellen vom 28. bis 31. Oktober gemeinsam ihre Werke aus. Die Ausstellung «AnsichtSachen», organisiert von der Kulturkommission Muhen, war ursprünglich in einem grösseren Rahmen für das Dorffest 2020 geplant. Es musste wegen der Pandemie aber abgesagt werden und wird nun in der Schule Egg nachgeholt.

Ihre Werke sind vom 28. bis 31. Oktober in der alten Schule zu sehen.

Ihre Werke sind vom 28. bis 31. Oktober in der alten Schule zu sehen.

Cynthia Mira

Zu bestaunen oder kaufen sind unter anderem Bilder von Ursula Peyer. Die Künstlerin ist seit 34 Jahren in Muhen zu Hause. Sie wirkte zwölf Jahre in der Kirchenpflege und leitete bis vor kurzem zehn Jahre lang den Senioren-Mittagstisch. Künstlerisch ist sie vor allem für ihre Bilder bekannt, auf denen sie Menschen und Figuren abstrakt hervorhebt. Oder für ihre riesigen Blumentröge aus Beton. Für die neueren Werke macht sie sich nun Rost als natürliches Material zunutze. Dafür taucht sie die unterschiedlichsten Materialien in ein rostförderndes Lösungsmittel.

Die Werke von Ursula Peyer.

Die Werke von Ursula Peyer.

Cynthia Mira

Auf der Sammelstelle in Muhen ist die 62-Jährige bereits eine bekannte und gern gesehene Kundin. Denn ausgerechnet dort findet sie laufend neue Objekte und Materialien. Was andere wegwerfen, nutzt sie für ihre Kunst. So verpasste sie vor kurzem zwei Behältern dank viel Rost ein komplett neues Aussehen.

Ihre Bilder hingegen hält sie meistens in matten Farbtönen, mal wirken sie verspielt, mal beschwingt, dann wieder melancholisch. Sie beginnt beim Malen immer mit einer dunklen Farbe, die dann Schicht um Schicht heller wird. Erst während des Malprozesses erscheinen ihr aus den aufgetragenen Farbschichten und Linien Figuren, die sie mit einem Spachtel aus dem Bild hervorholt, wie sie sagt.

Ihr Atelier hat Ursula Peyer in der Alten Bürsti in Oberentfelden.

Ihr Atelier hat Ursula Peyer in der Alten Bürsti in Oberentfelden.

Cynthia Mira

Für die Ausstellung in Muhen fertigte sie ein grosses abstraktes Landschaftsbild an. Es deutet eine Wiese voller Hortensien an. «Ich liebe diese kräftigen rosa Töne», sagt sie. Für das Bild mischte sie an einem Sonntag stundenlang Hunderte Farben übereinander. «Nur so wirkt das Bild lebendig.» Obwohl Peyer gelernte Floristin ist, setzt sie nur selten auf Blumen: «Bei mir sind in der Kunst die Blumen schwarz-weiss oder abstrakt dargestellt. Man kann eine Blume mit all ihren Details und Farben niemals so abbilden, wie sie wirklich ist.» Sie arbeite stets gerne mit Pigmenten. «Aquarell ist nicht meine Welt», sagt sie.

Ursula Peyer.

Ursula Peyer.

Cynthia Mira

Vor Veränderungen scheut sie sich keineswegs: «Ich nehme manchmal auch ein fertiges Bild von der Wand und übermale es wieder», sagt sie. So entstehe Neues. In ihrem Atelier in der Alten Bürsti in Oberentfelden finden auch Malkurse statt, die sie aber nicht ausschreibt, sondern die sich einfach so über Anfragen ergeben.

«Es ist immer schön und ist mit einem Kaffee am Morgen und einem Apéro am Mittag verbunden. Ich bin hier in der Bürsti schon als Apéro-Künstlerin bekannt, dabei mag ich nicht mal Prosecco», sagt sie und lacht.

Es sei die aufkommende Lebensfreude, die sie in den Kursen besonders schätze. Und: «Wenn ich anderen die Technik vermittle, dann lerne ich immer auch dazu.» Grosszügigkeit sei ihr wichtig im Leben und das Malen für sie ein Ausgleich und eine Bereicherung.

Vor dem Verkauf leiht sie ihre Kunst zuerst aus

Spezielle Wünsche der Teilnehmenden, etwa die Nachbildung eines Werkes von Giacometti, finden bei ihr Gehör. «Bei mir lief auch schon mal ein Mann am Ende des Malkurses mit den Schuhen über das eigene Bild», erzählt sie. Danach habe er ihr gesagt, wie gut das ihm getan habe.

Auch sie hatte zu Beginn ihrer Karriere einen Malkurs bei einem Profi besucht. «Er sagte mir damals, dass ich meinen Weg in der Kunst schon längst gefunden habe und er mir nicht mehr viel zeigen könnte», erinnert sie sich.

Ihr Erfolg gibt dem recht: Unzählige Werke hat Ursula Peyer schon verkauft. Sie vergibt ihre Kunst immer zuerst für einen Monat als Leihgabe. Wenn es dann der Person immer noch passt, erst dann verkaufe sie es. Es kam noch nie eines zurück, wie sie sagt.

Cynthia Mira

Vor 21 Jahren hatte sie ihre erste Ausstellung. Für das bevorstehende Gemeinschaftsprojekt in Muhen wurde sie angefragt. Gemeinsam mit Zita Rey, die ihre Figuren ausstellt, hatte sie schon viele Ausstellungen in Muhen und in der Region verwirklicht.

«Wir Kunstschaffenden kennen uns fast alle untereinander», sagt Peyer. Auch Helen Kaufmann, die eher Tiermotive in ihrer Kunst einfliessen lässt, oder Claudia Möri, die auf Fotografie setzt, kenne sie gut. Sie sagt: «Wir sind eine tolle Gruppe, die ausstellt.»

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