«Hoperia»
«Die Leute freuen sich, dass in Muhen etwas läuft»: Fünf Bierbrauer eröffnen in der «Waldeck» eine Pop-up-Bar

Die fünf Jungunternehmer hinter der Hoperia GmbH haben das Restaurant Waldeck in Muhen zur Bar umgebaut. Am Freitag ist Eröffnung, pünktlich zum EM-Viertelfinal Schweiz gegen Spanien.

Valérie Jost
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Die Köpfe hinter der Pop-up-Bar: Pascal Hunziker, Andreas Siegrist, Marco Jost, Florian Brunner und Daniel Heer (von links).

Die Köpfe hinter der Pop-up-Bar: Pascal Hunziker, Andreas Siegrist, Marco Jost, Florian Brunner und Daniel Heer (von links).

Bild: Fabio Baranzini

Das ehemalige Restaurant Waldeck in Muhen hat eine bewegte Geschichte hinter sich: 2016 erlangte es aufgrund einer Fackelmahnwache als Protest gegen die Umnutzung zur Asylunterkunft nationale Berühmtheit. Dann wurde es während des Schulhausbaus als Primarschulprovisorium genutzt. Da die Gemeinde das baufällige Gebäude nicht kaufen wollte – den Mühelern waren die 2,5 Millionen Franken zu viel –, plant jetzt die Eigentümerin, die Amazam AG aus Baar, es für eine neue Überbauung abzureissen.

Dies jedoch erst in frühestens eineinhalb Jahren, wenn die Zentrumsplanung von Muhen fertiggestellt ist. Genug Zeit für eine weitere Zwischennutzung, fanden die Jungunternehmer hinter der Hoperia GmbH: Daniel Heer (40), Florian Brunner (28), Pascal Hunziker (28), Marco Jost (28) und Andreas Siegrist (28) arbeiten momentan fast rund um die Uhr, um den Umbau zur Bar mit Shop bis zum Freitag fertigzustellen. Dann soll die grosse Eröffnung gefeiert werden – pünktlich zum EM-Viertelfinal, in dem die Schweiz gegen Spanien antritt: «Ein glücklicher Zufall», sagt Daniel Heer.

Vom Rüeblibier bis zum «Altöl»

Heer begann 2013 mit dem Bierbrauen. «Nachdem ich an einem Kurs teilgenommen hatte, habe ich mich schnell reingesteigert», sagt er. Er schuf sich das ganze Equipment an, begann, herumzuprobieren, sein Bier an Freunde zu verteilen, und gründete schliesslich seine Brauerei Heero. Unter anderem im Angebot: das American Pale Ale «Tears of a Heero», ein echt aargauisches Rüeblibier oder das Imperial Amber Ale «WTF!? 2020», eine Abrechnung mit dem ersten Pandemiejahr.

Bei der Hoperia GmbH gibt es unter anderem die Biere der Brauereien ihrer Gründer, Heero und Noboob, zu kaufen.

Bei der Hoperia GmbH gibt es unter anderem die Biere der Brauereien ihrer Gründer, Heero und Noboob, zu kaufen.

Bild: Fabio Baranzini

Auch die vier restlichen Hoperia-Gründer brauen ihr eigenes Bier. Dank Daniel Heer, den die vier seit Jahren über den FC Muhen kennen, hatten sie Zugang zum Know-how und führen seit 2018 gemeinsam die Brauerei Noboob, als Abkürzung für «No bitches of ordinary beer». «Dani ist sozusagen unser Braugott», sagt Pascal Hunziker. «Bei Fragen gehen wir immer zu ihm, denn wenn er es nicht weiss, weiss es niemand.» Die Noboob-Sorten wechseln immer wieder; momentan gibt es etwa «Altöl», ein Black Indian Pale Ale.

«Uns verbindet die Liebe zu hopfenbetonten, geschmacklich herausfordernden Bieren», so Daniel Heer. «Wir kopieren keine simplen Lagerbiere.» Und Pascal Hunziker ergänzt: «Wir wollen der Schweiz vor allem zeigen, dass es mehr gibt als Feldschlösschen und Panaché.» So wollen die fünf «sozusagen die Schweizer Craftbeer-Wüste zum Florieren bringen», so Andreas Siegrist. Kurz vor dem ersten Lockdown starteten die fünf Brauer deshalb den gemeinsamen Onlineshop hoperia.ch, wo sie ihr eigenes Bier sowie ausgewähltes Craftbeer aus dem nahen Ausland verkaufen.

«Zuerst lief der Shop so mässig, nahm dann aber durch die Pandemie richtig Fahrt auf», sagt Andreas Siegrist. Vorher lag der Fokus des Teams vor allem auf Events – als alles abgesagt war, begannen sie kurzerhand, Bierpäckli zu verschicken, statt mit dem Bierwagen auf Märkten vorzufahren. «Wir profitieren natürlich von der ‹Drink local›-Bewegung», so Siegrist. So seien an den Events ihre eigenen Biere stets beliebter als die importierten, während es bei den Onlinebestellungen umgekehrt sei.

Bis zur Eröffnung ist noch einiges zu tun: Andreas Siegrist bei der Arbeit.

Bis zur Eröffnung ist noch einiges zu tun: Andreas Siegrist bei der Arbeit.

Bild: Fabio Baranzini

Zwölf verschiedene Zapfhähne geplant

Die Idee einer eigenen Bar sei von Anfang an im Raum gestanden, sagt Marco Jost. Nachdem letzten Sommer die Primarschule das «Waldeck»-Schulprovisorium wieder aufgeben konnte, reifte die Idee im Winter: «Wir redeten mit den Besitzern und der Gemeinde und stiessen auf positive Resonanz», so Jost. Kein Wunder, war doch die Verwurzelung in der Region gegeben: Jost und Siegrist wohnen selbst in Muhen, die anderen drei in Aarau und Oberentfelden. Auch die Bar ist fast 100 Prozent Muhen: «Wir haben nur Müheler Holz verwendet, die Farbe beim Maler im Dorf geholt und den lokalen Gartenbauer engagiert», so Marco Jost. Dazu kommen zwölf Zapfhähne, die vorerst zu gleichen Teilen auf eigene und ausländische Biere aufgeteilt und dann je nach Nachfrage angepasst werden. Daneben sollen in Bistro-Manier auch Snacks wie Sandwiches oder Toasts angeboten werden.

Für die Eröffnung am Freitag um 17 Uhr ist bald alles bereit – auch wenn die letzten Arbeiten wohl bis zum letzten Tag dauern werden, so Daniel Heer. Auch die kantonale Bewilligung, auf die man lange warten musste, liegt nun vor. Diejenige der Gemeinde wird am Montag offiziell erteilt, weshalb für die Events dieser Woche Einzelbewilligungen eingeholt wurden. Das Feedback sei bereits sehr positiv: «Die Leute freuen sich, dass auch in Muhen wieder einmal etwas läuft», sagt Pascal Hunziker. Trotzdem hoffe man, dass auch Leute aus Aarau und Umgebung kommen werden – liege die «Waldeck» doch direkt am Bahnhof Mittelmuhen.

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