Attelwil
Mit der «Schmiedstube» schliesst schon wieder eine Beiz

Christof Blattner und Lotti Ledermann verlassen im August die «Schmiedstube». Bevor der Traum zum Albtraum wird, hören sie auf. Gründe dafür gibt es viele.

Christine Wullschleger
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Lotti Ledermann und Christof Blattner sitzen bei jener Bandsäge, neben der die beiden bereits bei der Eröffnung vor rund sechs Jahren posiert haben.

Lotti Ledermann und Christof Blattner sitzen bei jener Bandsäge, neben der die beiden bereits bei der Eröffnung vor rund sechs Jahren posiert haben.

Christine Wullschleger

Am 21. August wird das letzte Bier über die Theke gehen, wird der letzte Tropfen Wein getrunken und die letzten Cordons bleus – für welche die «Schmiedstube» in Attelwil bekannt war – serviert. Nach der «Austrinkete» wird das Restaurant seine Türen schliessen, nach sechseinhalb Jahren. «In den ersten drei Jahren war ich sehr enthusiastisch», sagt Küchenchef und Gastgeber Christof Blattner. Viele Ideen wurden umgesetzt und die «Schmiedstube» wurde zu einer «Genuss-Schmiede». Doch das Geld in der Kasse stimmte nicht. Und daran war nicht der Einbrecher schuld, der sich in der Nacht, in dem im Restaurant das Dreijährige gefeiert wurde, Zutritt zum Büro verschaffte und Kasse und Tresor plünderte.

«Nein, es lag daran, dass die Schwankungen zu gross waren», sagt Blattner. Während am Wochenende viele Gäste den Weg nach Attelwil gefunden hätten, seien es unter der Woche manchmal nur einige wenige gewesen. Geschäftsessen wurden immer seltener. Und als im letzten Dezember – im umsatzstärksten Monat – die Einnahmen derart sanken, fasste er zusammen mit seiner Lebenspartnerin Lotti Ledermann einen Entschluss: Sie verlassen die Attelwiler «Schmiedstube». «Aufwand und Ertrag stimmen einfach nicht mehr», sagt Blattner. In den letzten drei Jahren habe man kaum Geld anlegen können, um künftig in neues Mobiliar oder Geschirr zu investieren, ganz zu schweigen davon, was passiert wäre, hätte eine Küchenmaschine ersetzt werden müssen. Zum Entscheid hinzu kamen gesundheitliche Gründe, denn ein Restaurant zu führen, verlange vollen Einsatz.

Miete kein Schliessungsgrund

«Ich will und kann diese Verantwortung nicht mehr übernehmen. Mir gegenüber nicht und auch meinen Mitarbeitern gegenüber nicht», sagt Blattner. «Ich muss die ‹Schmiedstube› noch nicht schliessen, aber ich kann.» Auch Lotti Ledermann, die sich um den Service und die Administration gekümmert hatte, steht hinter dem Entscheid: «Es kann uns niemand eine Garantie geben, dass es wieder besser wird.»

Dass die beiden die «Schmiedstube» schliessen werden, hat nichts mit der Miete zu tun. Ein Gerücht, das offenbar im Dorf die Runde macht. «Nein, die Miete ist jetzt sogar tiefer als am Anfang», sagt Blattner, «viel mehr hat es mit dem geänderten Konsumationsverhalten zu tun. Wenn man sparen muss, spart man als Erstes beim Auswärtsessen.» Natürlich habe es auch der Standort in Attelwil, auf dem Land, mit nur wenig Industrie, schwer gemacht, ein Restaurant gewinnbringend zu betreiben, doch das sei nicht der Hauptgrund für die Schliessung.

Nun also ist der Entschluss gefasst und Christof Blattner hat den Pachtvertrag auf Ende August gekündet. Dass er damit seinen Lebenstraum aufgibt, fällt ihm nicht leicht. «Es war mein Traum, ein Restaurant zu führen, bevor es ein Albtraum wird, höre ich auf.» Doch er freut sich auch auf die Zeit danach, denn bereits hat er einen neuen Job in der Tasche: Ab 1. Oktober geht er wieder an seinen vorherigen Arbeitsplatz zurück: ins Golfrestaurant Aarau West nach Oberentfelden. Dort wird er stellvertretender Küchenchef. Er freut sich auf das Angestelltenverhältnis, auf mehr Privatleben, mehr Freizeit. Lotti Ledermann weiss noch nicht, in welche Richtung sie ihren weiteren Weg einschlagen wird, doch ihr stehen mehrere Optionen offen, wie sie sagt.

Und vielleicht gibt es auch für die «Schmiedstube» in Attelwil ein Happy End: Der Besitzer Willi Lehmann aus Reitnau sucht nämlich nach einem neuen Wirt. «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass ein Fachmann oder eine Fachfrau die ‹Schmiedstube› weiterführen kann, wenn möglich nahtlos», sagt er. Doch die Suche gestaltet sich schwierig, denn bis jetzt haben sich noch keine Interessenten gemeldet. Willi Lehmann ist aber positiv gestimmt, schliesslich sei die «Schmiedstube» ein schönes Lokal mit einer guten Verankerung im Dorf.

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