Leimbach
Ausgebaut: Schreiner von Atzigen baut seine letzten Küchen

Nach 43 Jahren ist Schluss: Josef von Atzigen und sein Team schliessen den traditionellen Betrieb in Leimbach.

Cynthia Mira
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Am Ende seiner 43-jährigen Tätigkeit als Schreiner erhalte auch seine Küche noch ein Update, sagt Josef von Atzigen.

Am Ende seiner 43-jährigen Tätigkeit als Schreiner erhalte auch seine Küche noch ein Update, sagt Josef von Atzigen.

Cynthia Mira

Wer sich im Wynental bis anhin nach der Möglichkeit einer individuellen Küchenanfertigung umsah, der kam um seinen Namen kaum herum: Josef von Atzigen. Er führte seine Schreinerei 43 Jahre lang. Zuerst war er in Reinach und Gontenschwil zu Hause, später zügelte er nach Leimbach. Hier wirkte er zwanzig Jahre lang und stellte zusammen mit seinen beiden Brüdern Einzelstücke her. Im Alter von 66 zieht er sich nun zurück.

In der Werkstatt, direkt an der Industriestrasse in Leimbach gelegen, stehen noch immer zahlreiche Maschinen. Die Hobelbank, die im hinteren Bereich der Halle steht, ist hingegen eher zum Nostalgieobjekt verkommen. Denn die Arbeiten an den Holzplatten, die Josef von Atzigen als junger Mann während seiner Lehre in Menziken noch von Hand zugeschnitten und bearbeitet hatte, erledigen heute ausgeklügelte Maschinen mit integrierten Computersystemen. Von Atzigen sagt:

«Mein Lehrmeister würde die Welt nicht mehr verstehen, wenn er solche Apparaturen sehen würde.»
Solche Maschinen stehen heute in einer Schreinerei. Die Hobelbank hat ausgedient.

Solche Maschinen stehen heute in einer Schreinerei. Die Hobelbank hat ausgedient.

Cynthia Mira

Die grösste Veränderung in seiner Branche liege aber im Kaufverhalten der Kunden. Auch im Küchensektor sei der Kauf über das Internet wichtiger geworden und Bestellungen aus dem Ausland Realität: «Wenn Einfamilienhäuser aus dem Boden gestampft werden, dann fahren auch Lastwagen mit vorgefertigten Küchen aus dem Ausland vor», sagt er. Er habe seine Spezialküchen selten in Neubauten untergebracht. Hingegen sei er bei Umbauten stets angefragt worden, weil er individuelle Anfertigungen schreinern konnte. Das Internet habe aber auch das Know-how der Kunden verändert. Er sagt:

«Sie wissen über neue Geräte manchmal mehr als ich, denn wenn Kühlschränke oder Backgeräte plötzlich über das Handy bedient werden können, dann ist das auch für mich Neuland.»

Eine Herausforderung sei es auch, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Die Schnelllebigkeit gelte auch in einer Schreinerei, etwa für Materialien, Farben und Dekorationsartikeln. «Wir mussten mit den Objekten im Ausstellungsraum ständig à jour sein.» Manchmal seien Bestellungen für Materialien innert Kürze nicht mehr möglich. «Es ist schwierig, dem Kunden im Nachhinein zu vermitteln, dass es eine Farbe nicht mehr gibt.»

Josef von Atzigen verkauft seine Liegenschaft in Leimbach. Eine Nachfolge für die Schreinerei wurde nicht gefunden.

Josef von Atzigen verkauft seine Liegenschaft in Leimbach. Eine Nachfolge für die Schreinerei wurde nicht gefunden.

Cynthia Mira

Aufräumen ist mit Blättern im Fotoalbum vergleichbar

Noch bis im September fertigt von Atzigen die letzten drei Küchen an. Es sind Aufträge, die vor seinem Entschluss, aufzuhören, eingegangen sind. Seine Brüder hingegen haben sich schon aus dem Geschäft zurückgezogen. Eine Weiterführung ohne ihn sei nie zur Debatte gestanden:

«Wir hatten alle unsere Spezialgebiete, und wenn einer geht, dann geht auch das Wissen verloren.»

Das Aufräumen vergleicht er mit dem Blättern in einem Fotoalbum: «Es werden Erinnerungen wach, wenn Türgriffe zum Vorschein kommen oder wenn ich die Zeichnungen montierter Küche in den Händen halte.» Den Abschied erlebe er aber positiv: «Ich bekam schon Briefe und Karten von Kunden zugeschickt.» Dabei gelte ihnen der Dank, sagt er. Was künftig am Standort seiner Firma stehen wird, könne er noch nicht sagen. Die Liegenschaft sei noch nicht verkauft. Er selber werde nun vermutlich seinen Wohnwagen öfters anhängen und mehr Zeit auf dem Velo verbringen.

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