Kunst
Kunst und Kitsch rund um das Schwein und sein Dasein

Es zwinkert das Schweinsäuglein: Nicht ernst zu nehmen, aber in ihrer Schrägheit witzig ist die Kunstsammlung der Blut- und Leberwurstförderer. Das älteste Werk ist ein Holzschnitt aus der Zeit um 1600.

Peter Weingartner
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Schnörrli für den Tafelmajor h-c- und den Präsidenten Konrad Schweizer aus Oberdorf BL
8 Bilder
Schlachtplatte
Peter Bolliger, Tafelmajor regens, eröffnet die Metzgete
Das Schlachtfeld
Bewertung nach geschlagener Schlacht
Plastikwürste und Schnörrli im Sulz
Schweinliches
Blut- und Leberwurstförderer

Schnörrli für den Tafelmajor h-c- und den Präsidenten Konrad Schweizer aus Oberdorf BL

wpo

Der Verein zur Förderung des Ansehens der Blut- und Leberwürste (VBL) unterhält eine Kunstkommission. Deren Präsident ist Gründungsmitglied Kaspar Aeberli aus dem zürcherischen Wermatswil. Aeberli, ein einschlägiger Name, wenns um Schweine geht. «Nomen est omen», sagt der Maschinen-Ingenieur selber.

Nach dem üppigen Essen lädt er dazu ein, die Kunstsammlung des Vereins, bestehend aus 135 Objekten, zu besuchen. Aeberli erinnert sich an Werke aus der Gründerzeit, als man an sogenannten Paint-Ins selber pinselte. Die kreative Alternative zu den Sit-Ins protestierender Studenten 1968? Solche Werke haben Eingang gefunden in die Sammlung, und Donatoren und Mäzene sähe Aeberli gerne in grösserer Zahl im Verein.

Er weist auf das älteste Werk hin, einen Holzschnitt aus der Zeit um 1600, den ihm eine alte Frau vermacht habe, deren Kinder als Manager jeglichen Sinn für Kunst vermissen liessen. «Es gibt allerdings Kunstexperten, die das Exponat für bedeutend jünger halten», sagt er mit einem Augenzwinkern. «Der Metzger» heisst es.

Schweine über alles

Das Schwein ist omnipräsent in der Ausstellung. Da grinst ein fröhlich Tier als Tasse, dort ist eine ganze Familiensituation figürlich dargestellt, davor liegt, oh Graus, in einer Dose ein «Schnörrli im Sulz», und als jüngste Donation steht ein rosafarbenes Porsche-Rennwagenmodell in der Sammlung: Pink Pig. Walter Keller hat gleich mehrere Bilder beigesteuert. Die tranchierte Sau oder eine Krippenszene mit Schweinchen in der Krippe. Er unterschreibt mit Wädi.

Bilder und Bücher

Die Kunstkommission habe sich als Art-Scouts in Galerien herumgetrieben auf der Suche nach Bildern. In einer Galerie im Chreis Cheib in Zürich sei sie fündig geworden. Und nun hängt das Bild «Befreiung der Tiere» des Künstlers Fred Engelbert Knecht an der Wand. Das Bild zeigt im Sinne einer Rückeroberung der Zivilisation durch die Tiere das Postzentrum Mülligen, das von Schweinen in Besitz genommen worden ist. Passend zu den Aktivitäten des Vereins ist auch das Bild «Die fröhlichen Zecher» von Pit Whitfield.

Man kann blättern in Zeichnungsmappen. «Wühltisch» nennt Kaspar Aeberli das. Da gibts gestrickte Würste zu sehen und allerhand schweinische Szenen. Aber auch Literatur ist ausgestellt: von Büchern über die Schlachtkunst bis zu Samuel Becketts «Betrachtungen eines Schweins».

Im Zentrum des Interesses aber steht der Beamer: Er projiziert drei Fernsehsendungen, die sich mit dem VBL auseinandergesetzt haben. Da ist der Pilotfilm zur nicht weiter produzierten Serie «Seltsame Vereine». Auch das Schaffhauser Lokalfernsehen beschäftigte sich mit dem VBL, und «Schweiz Aktuell» war an einer Bewertungsmetzgete im Luzernischen Schwarzenberg dabei.

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