Bezirksgericht Kulm
Kokain im Blut: Junger Vater verprügelt Bekannte nach Barbesuch – schon zuvor schlug er eine Frau

Eine junge Frau erklärte vor Bezirksgericht Kulm, wie sie nach einem Barbesuch von einem Mann verprügelt worden ist. Der junge Vater ist wegen Verkehrsdelikten vorbestraft, einmal einschlägig wegen häuslicher Gewalt.

Marina Bertoldi
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Beide sind betrunken, haben später Ecstasy und Kokain im Blut: Eine junge Frau wird nach einem Barbesuch von ihrem Bekannten verprügelt. (Symbolbild)

Beide sind betrunken, haben später Ecstasy und Kokain im Blut: Eine junge Frau wird nach einem Barbesuch von ihrem Bekannten verprügelt. (Symbolbild)

Foto: shutterstock

Trinken, Leute kennen lernen, Spass haben: Es ist nicht das erste Mal, dass Nina (Name geändert) nach ihrer Schicht im Restaurant feiern geht. In einer Winternacht 2019 wird es ihr zum Verhängnis. Die heute 27-Jährige landet verprügelt auf ihrem Badezimmerboden. Agon (Name geändert) – ein flüchtiger Bekannte – ist ausgerastet. Er hatte zuvor schon eine Frau geschlagen. Jetzt stand er in Kulm vor Gericht.

Zuerst hatte Nina das Wort. Den heute 26-Jährigen habe sie in besagter Nacht zufällig in einer Bar im mittleren Wynental getroffen. Beide sind betrunken, haben später Ecstasy und Kokain im Blut. Schliesslich landen sie in Ninas Wohnung. «Wir wollten weitertrinken», sagt diese. Sexuelle Absichten habe sie keine gehabt. «Ich stehe auf Frauen», so die Slowakin.

Als sie zur Toilette geht, passiert es: Agon sei ihr nachgegangen, habe wütend nach seinen Drogen gefragt. Er wollte es ihr zeigen, sollte sie nicht mit dem Stoff rausrücken. «Und dann?», fragte Gerichtspräsident Christian Märki. «Dann hat er es gezeigt», antwortet Nina knapp. Später weint sie.

Mit 26 Jahren vorbestraft wegen häuslicher Gewalt

In der Anklageschrift wird es so beschrieben: Agon schlägt mit der flachen Hand und der Faust zu, packt Nina an der Kehle. Als sie zu Boden sackt, tritt Agon gegen ihren Oberkörper, bis sie ohnmächtig wird. Dann hält er ihren Kopf unter das laufende Wasser. «Er wollte mich wohl wecken», sagt Nina. Laut Anklageschrift bringt er die Frau so in unmittelbare Lebensgefahr. Sie trägt Blutergüsse und Prellungen davon.

Zur Attacke sagt Agon – der eher kleine, muskulöse Mann erschien im grauen Hemd, schwarzen Röhrenjeans und mit frisch ausrasiertem Kurzhaarschnitt – am Gerichtsprozess nichts. Die Frage, ob er sexuelle Absichten hatte, beantwortet er auf Schweizerdeutsch mit Balkanakzent: «Nicht unbedingt.»

Für Agon läuft es schon lange holprig: Er macht eine Anlehre zum Schlosser. In der Rekrutenschule wird er schnell als untauglich erklärt, den Zivildienst bricht er ab. 70'000 Franken Schulden hat er – 18'000 aus einem Kredit für seine Hochzeit in Mazedonien. Mehrfach ist der junge Vater wegen Verkehrsdelikte vorbestraft, einmal einschlägig wegen häuslicher Gewalt. Die Strafen fielen immer bedingt aus.

Er bekommt zwei Jahre bedingt, sie 1'500 Franken

Zurzeit lebt der 26-Jährige bei seinen Eltern im Wynental. Er war neun Monate in Untersuchungshaft, machte anschliessend Therapie. Seit Januar hat er eine unbefristete Stelle auf dem Bau, macht vom begleiteten Besuchsrecht für seine Tochter Gebrauch und ist abstinent. Auch deshalb und weil Nina keine körperlichen Folgeschäden hat, verurteilte das Gericht den 26-Jährigen zu zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe und einer Busse von 400 Franken. Er ist unter anderem der einfachen Körperverletzung und versuchten Nötigung schuldig.

Nina erhält 1'500 Franken Genugtuung. Agons Verteidiger forderte mehrheitlich Freispruch, rügte zudem Verfahrensfehler. Staatsanwalt Simon Burger plädierte auf eventualvorsätzliche schwere Körperverletzung oder gar Tötung. Ob er das Urteil weiterzieht, werde er noch entscheiden.

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