Kölliken
Grober finanzieller Verlust für Alterszentrum «Sunnmatte» – trotz stärkerer Auslastung

Das Alterszentrum in Kölliken muss für die geplanten Unterhaltsarbeiten Kredite aufnehmen. Immerhin nimmt Belegung wieder zu.

Florina Sirenio/ZT
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Altersheim Sunnmatte in Kölliken rüstet auf. Die Betten und Mitarbeiteranzahl werden nach Covid reduziert

Altersheim Sunnmatte in Kölliken rüstet auf. Die Betten und Mitarbeiteranzahl werden nach Covid reduziert

Cynthia Mira

Im letzten Herbst gab das Alterszentrum Sunnmatte Kölliken AZS bekannt, dass es in einem Liquiditätsengpass stecke. Wegen Corona habe es weniger Neueintritte gegeben, deshalb wurde in der Folge die Zahl der Betten und auch der Mitarbeiter abgebaut. An der Kölliker Winter­gmeind bemängelten mehrere Votanten die Altersheimführung, auch wurde gesagt, die Pandemie könne nicht der alleinige Grund des Abbaus sein.

Trotzdem sagte die Gmeind damals Ja zur Ausarbeitung eines Darlehensvertrags über 750'000 Franken. Dieser wurde inzwischen unterschrieben, wie Gemeinderätin Mirjam Bossard anlässlich der Gemeindeversammlung vom 13. Mai vermeldete. Nochmals dieselbe Summe bezog das Alterszentrum von der Bank als Darlehen.

Die Gemeinde ist aktuell im siebenköpfigen Vorstand durch Dagmar Schenk, Rolf Fäs und Mirjam Bossard vertreten. Der Vorstand führt den Betrieb und hat die organisatorische, personelle und finanzielle Verantwortung.

Betten sind wieder stärker ausgelastet

Der Betrieb scheint sich ein Stück erholt zu haben. Wie das Alterszentrum in einer Mitteilung schreibt, liege die Auslastung der Betten «über den Erwartungen». Als Grund des Abbaus wird darin die «allgemeine Angst vor Isolation und Besuchseinschränkungen bei allen Pflegeeinrichtungen» genannt, die zu tieferen Auslastungen der Betten und zu massiven Ertragsausfällen geführt hätten.

«Im Gegensatz zu anderen Branchen erhielt das AZS keine Härtefallentschädigung resp. nur für die Cafeteria und eine geringe Kurzarbeitsentschädigung in der Pflege», schreibt Geschäftsleiter Daniel Stauffacher.

«Vorstand und Geschäftsführung mussten schnell und bestimmt reagieren, Massnahmen zur Liquiditätssicherung ergreifen und die Bettenkapazität von 62 auf 44 Betten reduzieren», heisst es weiter. Verbunden damit sei auch eine Anpassung des Personalbestandes von 60 auf 50 Vollzeitstellen gewesen. Dank der beiden Darlehen habe die Liquidität gesichert werden können.

Auch die Betten seien wieder stärker ausgelastet. Aktuell seien bereits wieder 52 Betten besetzt, bei einem Personalbestand von 50,3 Vollzeitstellen (Anfang 2021 zählte man 85 Mitarbeitende bei 58,3 Vollzeitstellen). Wie Daniel Stauffacher sagt, sei man momentan am Erarbeiten einer Strategie für die zukünftige Ausrichtung des Heimes, daher gebe es noch keine Nutzungsvarianten für die Zimmer im Attikageschoss.

Die Rückstellungen fehlen in den nächsten Jahren

An der Mitgliederversammlung vom 2. Juni muss der Vorstand eine Jahresrechnung mit einem hohen Verlust von 1,4 Millionen Franken präsentieren. Dieser könne nur durch die vollständige Auflösung von Rückstellungen reduziert werden.

Diese Rückstellungen würden nun in den nächsten Jahren fehlen, etwa zur Durchführung von dringenden Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten, die teilweise im geplanten grösseren Umbauprojekt enthalten waren. Das bedeutet jedoch nicht, dass gar nichts gebaut wird, wie Daniel Stauffacher auf Anfrage sagt: «Unterhaltsarbeiten und notwendige Anpassungen müssen gemacht werden, die Finanzierung muss über Kredite ablaufen.»

Auch Erfreuliches hat das AZS zu vermelden. Der Mahlzeitendienst, den es seit einiger Zeit anbietet, erfreue sich immer grösserer Beliebtheit. Die Mahlzeiten werden in Warmhalteboxen an Senioren und Seniorinnen ausgeliefert, die auch Sonderwünsche und Diätvorgaben angeben können. Vor ein paar Wochen wurde die neuste Dienstleistung «Tages- und Nachtstruktur» lanciert.

Pflegende Angehörige können die Pflege und Betreuung halbtags oder ganztägig an das Alterszentrum übergeben. «Trotz unterstützenden Dienstleistungen wie der Spitex können Angehörige von zuhause betreuten pflegebedürftigen und dementen Personen an ihre Belastungsgrenzen stossen», so die Mitteilung. Der zu pflegende Mensch würde dabei nicht abgeschoben, das Angebot sei eine punktuelle Entlastung der pflegenden Person.