Kirchleerau
«Hightech-Sportgerät» statt Spielzeug: Dieter, Flori und Nico lassen Autos rasen

Vater und Söhne Schmid aus Kirchleerau frönen einer Randsportart – sie fahren wettkampfmässig Elektro-Modellautos.

Peter Weingartner
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Vater Dieter Schmid (links) mit Nico und Flori (rechts) in ihrer Werkstatt in Kirchleerau.

Vater Dieter Schmid (links) mit Nico und Flori (rechts) in ihrer Werkstatt in Kirchleerau.

Picasa;Peter Weingartner;

«Vor drei Jahren habe ich in Obernau ob Kriens meinen ersten Schweizer Meisterschaftslauf gewonnen», sagt Nico Schmid, 17, Metallbauer-Lehrling aus Kirchleerau. Ein emotionaler Moment seis gewesen: «Ich konnte vor Freude die Tränen nicht zurückhalten.»

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Nico mit orangefarbenen Autos wandelt auf Vaters Pfaden, rast auf Papas Modellautospuren. Dieter Schmid nämlich, 50, Werkstattchef und Magaziner in einem Haustechnikbetrieb, ist vierfacher Schweizer Meister. «Das Hobby ist uns in die Wiege gelegt worden», meint Nico. Uns? Ja, Bruder Flori, 16, Polymechanikerlehrling, mischt mit grünen Autos ebenfalls an der nationalen Spitze mit. Nico hat die Schweizer Meisterschaft bereits zweimal für sich entschieden und war viermal zweiter.

«Hightech-Sportgerät»

Dabei betreiben Schmids ein Hobby, das etwas kostet und «kein Brot auf den Tisch bringt». «Das Fahrzeug, das leere Auto ohne Akkus, Motor, Fernbedienung, Lenkservo, Ladegerät, ist für 450 bis 600 Franken zu haben», weiss Vater Dieter. 1500 Franken kostet dieses «Hightech-Sportgerät» im Endausbau. Lieber als in einer Halle fahren die Schmid-Männer draussen, ob im Dreck oder auf Teppich. Und lieber als irgendeinen Gutschein gewinnen sie ein Fleischplättli. «Der Meisterschaftspokal ist allerdings schon etwas Besonderes», meint Nico.

Piste in Schöftland

Eine Piste für Elektro-Modellautos im Massstab 1:18 bis 1:10 befindet sich am Grenzweg 6 in Schöftland. Es ist ein Indoor-Track, wird also vor allem im Winter benutzt. Im Sommer, 1. Mai bis 30. September, ist die Piste jeweils dienstags oder auf Anfrage offen, während in der Hauptsaison, in der restlichen Zeit, an vier Tagen pro Woche gefahren werden kann. Details: www.indoortrack.ch. Diese Piste ist auch das Trainingsgelände des Vereins Team Indoor Track Schöftland, wo die schnellen Brüder Schmid mitmachen. (wpo)

«Schwierige Sprünge, sauber timen, in der Luft das Auto korrigieren», das reizt Nico, und Flori stimmt zu. Die Abstimmung des Fahrzeugs, auch der Reifen, auf die Beschaffenheit der Piste sei eine Herausforderung. Das Set-up, so heisst diese Vorbereitung im Fachjargon, und Vater Dieter kann da seinen Erfahrungsvorsprung einbringen. Ihm hats als Kind mit einem «Spielzeugautöli» den Ärmel reingenommen. Später, nach der Lehre, hat er mit einem Kollegen Feldwege, Kiesplätze, Parkplätze unsicher gemacht mit einem Porsche-Modell im Massstab 1:12.

Faszination Technik

Nico hat bereits vor zehn Jahren seine erste Saison bestritten; Flori zog ein Jahr später nach. Faszination Technik, das ist der Motor, das sind die mechanischen Eingeweide sozusagen, und Dieter Schmid kommt ins Schwärmen, wenn er das Innenleben eines Fahrzeugs beschreibt. Die haben alles, was die richtigen Autos haben, von Differenzialsperre, Federungen bis zur Servolenkung. «Hier ist ein W-LAN-Modul», er zeigt auf ein Kästchen in den Innereien des Autos, «damit kann ich Einstellungen übers Handy verändern.» Dies während eines Rennens, an denen seine Söhne mitmachen, und er als «Teammanager, Psychologe und Sponsor in Personalunion» dabei ist. Die beiden sind erfolgreich unterwegs: Nach drei von fünf Rennen um die Schweizer Meisterschaft in der 4WD-Klasse führt Nico vor Florian; in der 2WD-Klasse steht Nico auf Rang 2, vor Flori auf Rang 3.

70 Prozent «schräubeln und mechen» und 30 Prozent fahren. So sehe das Verhältnis aus. Das Set-up erfolgt zu einem grossen Teil in der Werkstatt im Untergeschoss von Schmids Haus in Kirchleerau. Nun, in der Lehre, haben Nico und Flori nicht jeden Tag Zeit, an ihren Autos im Massstab 1:10 zu arbeiten, und Ausgang muss auch sein. Vor Renn-Wochenenden aber werden die Autos auf Vordermann gebracht.

Konzentration gefordert

Wie bei den Grossen gibt es Qualifikationsläufe. Die besten zehn Fahrer machen im A-Final den Tagessieg unter sich aus. Kein Problem im nationalen Feld. Während fünf Minuten ist höchste Konzentration gefordert. Gestartet wird wie in der Formel 1. Rennsport: Keine Fehler machen – Fehler anderer provozieren. «Unfaires Verhalten wird auch hier bestraft», sagt Dieter Schmid. «Ich war mega nervös, als ich mal in der Poleposition starten konnte», sagt Flori. Er fahre ebenso gut wie Nico, meint Dieter, doch mache er noch zu viele Fehler. Eifersucht? Keineswegs, meint Nico: «Es ist schön, wenn der Bruder auch auf dem Podest steht.» Und das kommt vor. Dann verdrückt Vater Dieter wohl wieder eine Träne vor Freude und Stolz wie bei Nicos erstem Sieg.

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