Trienger Fasnacht
«Fasnachtsfüdle» Hansruedi Kaiser tritt nach 45 Jahren kürzer

Die Stimme des Trienger Fasnachtsumzugs macht einer anderen Platz. Am Güdisdienstag, wenn die Fröschenzunft ihren nächsten Umzug durchs Dorf schickt, kommentiert Hansruedi Kaiser zum letzten Mal die gut 40 Nummern.

Peter Weingartner
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Hansruedi Kaiser (69) hat Pingi seinerzeit an einem Lotto gewonnen. Das Stofftier wurde sein Markenzeichen – vor der Erfindung von Pingu. Peter Weingartner

Hansruedi Kaiser (69) hat Pingi seinerzeit an einem Lotto gewonnen. Das Stofftier wurde sein Markenzeichen – vor der Erfindung von Pingu. Peter Weingartner

An der Fasnacht ist die Kantonsgrenze aufgehoben, vor allem im Publikum. Stammteilnehmer am Umzug ist auch die Brittnauer Häfezunft. Und der «Värslibrünzler» gibt seinen Senf meist in gereimter Form dazu. Gewiss tausende von Versen hat der Mann, der am 1. Januar 2018 70 Jahre alt wird, in den 45 Jahren, die er für die Fasnacht im Surental tätig ist, verfasst.

Ein Fasnachtsfüdle

Hansruedi Kaiser kommentiert nicht nur den Umzug, bei Wind und Wetter, Schneetreiben und Sonnenschein. Er hat in der Trienger Fröschenzunft auch das Amt des Zeremonienmeisters inne. Das heisst: Er übernimmt die Machtinsignien des alten Zunftmeisters und übergibt sie dem neuen. Da wird auch Wert auf die Form gelegt, und Kaiser lässt auf spielerische Weise die Zünftigen raten, wen es wohl getroffen haben könnte. Und ist die Katze aus dem Sack, hält er eine Laudatio auf den neuen Herrscher der Fasnacht. «Ich bin ein Fasnachtsfüdle», sagt der Mann, der seit 1984 bei der Firma Haga in Rupperswil zunächst im Aussendienst und jetzt noch zwei Tage pro Woche als Fachberater für Baubiologie und Bauökologie arbeitet.

Dem ehemaligen Werkzeugmacher ist es wohl, wenn er ein Publikum unterhalten kann. «Du wärst gescheiter Komiker geworden!», habe ein Lehrer dem Lehrling in der Gewerbeschule gesagt, wenn der junge Kaiser wieder mal einen träfen Spruch hat fallen lassen. Immerhin hat der Schulmeister es mit Humor genommen. «Ich will unterhalten, nicht verletzen.» Und er unterhält das Surental seit Jahrzehnten. «Ich mag es einfach, wenn die Leute lachen.»

Zum Lachen bringt er sie auch, wenn er mit seinem Pingi auftritt. Hansruedi Kaiser hat seine Figur erfunden, bevor es die Trickfilmfigur Pingu gab. 1982 nämlich. Und aufs Bauchreden kam er durch einen Franzosen, der mit der Zigarette im Mund gesprochen hat. Im Fernsehen. «Ich hab dann das Fernsehen angerufen und gefragt, wie der das macht», erzählt er. Von wegen Bauch: Die Kehlkopfstimme ists! Kaiser hats probiert, und es hat funktioniert. Und warum ein Pinguin? «An einem grossen Lotto in Arth habe ich einen Pinguin gewonnen», erinnert er sich. Nun musste er nur noch den Schnabel öffnen und schliessen können. Eine Handarbeitslehrerin hat dem Stofftier dann einen Socken hinein montiert, so dass er «sprechen» kann.

Der Schlagfertige

Hansruedi Kaiser spielt auch Theater, bei der Trachtengruppe und im Märlitheater. Er hat auf vielen Hochzeiten getanzt, wurde als Tafelmajor engagiert. Und er kann singen. Als Hahn im Korb, einziger Mann, und dann erst noch Solist, bereichert er das Trienger Nostalgiechörli. Mangelnde Schlagfertigkeit kann man ihm nicht vorwerfen. Auch beim Fasnachtsumzug stimmt die Reihenfolge nicht immer, und dann gilt es zu improvisieren.

Letztes Jahr war das Nostalgiechörli in Kandersteg, und da machte er sogar Adolf Ogi kurz sprachlos. Als der allen Chormitgliedern die Hand reichte und sich mit den Worten «Ich bin alt Bundesrat Ogi», vorstellte, konterte Hansruedi Kaiser mit den Worten: «Ich bin der Kaiser von Triengen!»

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