Muhen
Die Geschichte vom "Wendepunkt": Mit der Leidenschaft für Menschen

Als Martin Neuenschwander vor 24 Jahren beim «Wendepunkt» anfing, zählte die Stiftung gerade einmal drei Mitarbeitende.

Lilly-Anne Brugger
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Martin Neuenschwander.

Martin Neuenschwander.

Da sass Martin Neuenschwander nun. In einem Büro im Dachgeschoss eines Hauses in Rupperswil. In der Garage befand sich das Magazin der Stiftung Wendepunkt. Er hatte seinen sicheren Job als Schreinermeister und Betriebsleiter eines Ladeninnenausbaubetriebs gekündigt, um als technischer Leiter bei der noch jungen Stiftung Wendepunkt einzusteigen. Das war vor 24 Jahren. Der Wendepunkt war damals gerade ein Jahr alt.

Es sei ein ganz anderes Arbeiten gewesen als heute, erinnert sich der 55-Jährige. Vieles musste improvisiert werden, es wurden Privatfahrzeuge benutzt und das nötige Werkzeug brachte ebenfalls jeder selbst mit. Heute verfügt der Wendepunkt über zahlreiche Immobilien – eigene und angemietete –, eine Flotte von Firmenfahrzeugen und adäquates Werkzeug. Von 3 Mitarbeitenden und 12 Klienten im Jahr 1993 ist der Wendepunkt angewachsen auf 200 Mitarbeitende und 900 Klientenplätze. «Eines ist aber geblieben», sagt Martin Neuenschwander mit Nachdruck, «die Leidenschaft für die Menschen, die ist immer noch die genau Gleiche wie damals.»

Der Arbeit einen Sinn geben

Die Leidenschaft für Menschen. Das hat Hanspeter Lang 1993 bewogen, den Wendepunkt zu gründen. Und Martin Neuenschwander ermutigt, den Schritt vom sicheren Job in eine ungewisse Zukunft zu wagen. Zuhause hatte er Frau und zwei kleine Kinder.

Über die Jahre hat sich der Wendepunkt entwickelt und so auch Martin Neuenschwander. Zu Beginn seiner Anstellung hatte er immer auch Kontakt zu den Teilnehmern. Umso grösser der Wendepunkt wurde, desto mehr rückte seine Tätigkeit jedoch in den Hintergrund. Heute hat die Stiftung Standorte im ganzen Kanton und schielt auch über die Kantonsgrenzen hinaus. An der Front mit den Klienten sind nun Gruppenleiter und Betriebsleiter tätig. Neuenschwander selbst kümmerte sich um die immer mehr wachsende Infrastruktur.

«Anfänglich war ich für alles verantwortlich: Von PC über Telefon und Mobiliar bis zu den Gebäuden», erinnert sich Neuenschwander. Gleichzeitig wuchs auch seine Familie von zwei auf drei Kinder. In Mühlethal wohnte die Familie zur Miete auf einem alten Bauernhof mit viel Umschwung – nicht nur da gab es viel zu tun. Martin Neuenschwander wurde Betriebsleiter des Standorts Oftringen, war aber immer noch für interne Umbauten zuständig.

Ein grosses Wunder

Mittlerweile kann sich Martin Neuenschwander auf die Immobilien des Wendepunktes konzentrieren, er ist nun wieder technischer Leiter. Sein grösstes Projekt, das er begleitet hat, war die Bauherrenvertretung beim Bau des neuen Betriebsgebäudes in Muhen. 9 Millionen Franken hat der Bau gekostet, 2014 konnte er bezogen werden. «Dass es das Betriebsgebäude gibt, ist einem grossen Wunder zu verdanken», sagt Martin Neuenschwander. So habe sich herausgestellt, dass der Neubau im gewünschten Umfang die Möglichkeiten der Sozialunternehmung übersteigt. «Doch dann wurde bekannt, dass der Wendepunkt ein grosses Stück Land geerbt hat.»

Es stellte sich heraus, dass mit dem Verkauf des Landes das Müheler Betriebsgebäude doch noch wie gewünscht realisiert werden konnte. «So hat sich der Wendepunkt über die Jahre immer wieder entwickelt: Im richtigen Moment gab es ein Zeichen, eine Türe öffnete sich.»

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