Teufenthal
Die Gemeinde will mehr Industrie auf dem Injecta-Areal

Die Situation auf dem ehemaligen Injecta-Gelände in Teufenthal ist für die Gemeinde unbefriedigend. Die Gemeinde strebt eine Arealentwicklung an. Auf Seite der Eigentümer zeigt man sich pragmatisch und schliesst Investitionen keineswegs aus.

Rahel Plüss
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Auf dem ehemaligen Injecta-Areal in Teufenthal haben sich seit der Geschäftsaufgabe im 2010 gegen 50 Firmen angesiedelt. Chris Iseli

Auf dem ehemaligen Injecta-Areal in Teufenthal haben sich seit der Geschäftsaufgabe im 2010 gegen 50 Firmen angesiedelt. Chris Iseli

Chris Iseli

Auf dem ehemaligen Injecta-Areal in Teufenthal haben sich seit der Geschäftsaufgabe der Aluminiumgiesserei Ende 2010 in den alten Hallen und Nebengebäuden gegen 50 Firmen eingemietet – vom Einmannbüro bis zum mittleren Unternehmen. Dennoch ist die aktuelle Situation für die Gemeinde unbefriedigend.

Das Bild, das die Industriebrache am Dorfrand abgibt, ist der Gemeinde ein Dorn im Auge. Man wünscht sich eine ganzheitliche, industrielle Entwicklung des Areals. Das temporäre Kleingewerbe, das sich dort angesiedelt hat, entspreche nicht den örtlichen Bedürfnissen nach Stabilität, wirtschaftlicher Beständigkeit und Effektivität im Hinblick auf ein gesundes Wachstum in der Gemeinde, teilt der Gemeinderat auf Anfrage der Aargauer Zeitung mit. «Für eine gesunde Entwicklung der Gemeinde reicht der Bevölkerungszuwachs alleine nicht aus.»

Eigenen Grund und Boden hat die Gemeinde auf dem Areal nicht. Praktisch das ganze Gelände gehört einem einzigen Grundeigentümer, dem international tätigen Unternehmen Litten Properties Limited mit Sitz auf Gibraltar. Verwaltet wird es durch die Zürcher Firma Euro Estates GmbH. «Dem privaten Investor ist das Wohl der Gemeinde nicht ein zentrales Anliegen», schreibt die Gemeinde. Trotzdem – oder gerade deshalb – will Teufenthal die Zukunft des Geländes nicht dem Zufall überlassen, sondern sich für eine ganzheitliche Arealentwicklung starkmachen. «Aufgrund der örtlichen Verhältnisse, insbesondere der bis dato unbefriedigenden Erschliessungsverhältnisse, hat sich der Gemeinderat selbst in Pflicht genommen, eine optimale Planung und Entwicklung an die Hand zu nehmen und diese umzusetzen», so der Gemeinderat.

Standortförderung sieht Chancen

In Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband aargauSüd impuls hat Teufenthal Kontakt mit Aargau Services Standortförderung aufgenommen. Die Koordinationsstelle Arealentwicklung des Departements Volkswirtschaft und Inneres hat sich darauf spezialisiert, geeignete Industriestandorte zusammen mit den Standortgemeinden und Grundeigentümern nachhaltig zu entwickeln.

«Das Areal ist für uns interessant», sagt Sabina Erny von Aargau Services nach einer ersten Begehung des Areals, bei der neben Vertretern des Kantons und der Gemeinde Teufenthal auch der Haupt-Grundeigentümer sowie aargauSüd impuls anwesend waren.

Erschliessung «Feldmatte»

In Teufenthal und Unterkulm liegt noch bis zum 24. November der Erschliessungsplan «Feldmatte» zur öffentlichen Mitwirkung auf. Hierbei handelt es sich um die südseitige Erschliessungsvariante der Areale «Feldmatte» auf Unterkulmer Boden und des ehemaligen Injecta-Areals in Teufenthal. In Unterkulm ist in diesem Zusammenhang eine Nutzungsplanänderung nötig. Die entsprechenden Planunterlagen liegen bei der Gemeindekanzlei Unterkulm im gleichen Zeitraum zur Mitwirkung auf.

«Wir haben uns eingeschaltet, weil das Areal aufgrund seiner Grösse und seiner regionalwirtschaftlichen Bedeutung interessant ist und weil von der Eigentümerschaft her eine komplizierte Ausgangslage vorliegt», sagt Sabina Erny. «Wir können hier vielleicht etwas anstossen, denn der Wille ist da, es gibt nur niemanden, der den Lead übernimmt.»

Bei der Begehung sei es in erster Linie darum gegangen, eine Standortbestimmung vorzunehmen, die Akteure und die Begebenheiten auf dem Areal kennen zu lernen und Ideen abzuholen. «Nun tasten wir uns an die Fragen heran, welches Potenzial vorhanden ist und wie die nächsten Schritte aussehen könnten», so Erny.

Der Grundeigentümer habe schon früher einmal Überlegungen zu einem Industrie- und Gewerbepark gemacht. Diese werden nun in die weiteren Überlegungen einbezogen. «Wir stehen noch am Anfang», sagt Erny.

Die Vertretung der Eigentümerschaft äusserte sich auf Anfrage zu den Entwicklungsplänen pragmatisch. «Wir sind über die Zusammenarbeit sehr erfreut und hoffen, so weitere Start-ups und gute Mieter für das Areal zu finden», sagt Mosi Rhein von der Euro Estates GmbH.

Das angestrebte Ziel: Der derzeit bei 80 Prozent liegende Vermietungsanteil auf 100 Prozent zu steigern. Dafür sei man auch bereit, in die Hallen zu investieren und allenfalls Teile neu zu erstellen. «Wir sind sicher auch bereit, an einer Arealüberbauung mitzuwirken.» Auch sei eine allfällige Umnutzung des Areals denkbar, ein Teil werde aber sicher immer industriell genutzt bleiben.

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