Schmiedrued-Walde
Das «Chnüüble» lohnt sich

Schüler liessen in der Turnhalle Walde ihre Saalflug-Modelle kreisen.

Peter Weingartner (Text und Fotos)
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Wer denkt, auch bei Bausätzen würden alle Flieger gleich fliegen, irrt. Es kommt auf die Feinheiten an.

Wer denkt, auch bei Bausätzen würden alle Flieger gleich fliegen, irrt. Es kommt auf die Feinheiten an.

Peter Weingartner

Sie sind Fans des leisen Flugs und vergiftete Tüftler: Das halbe Dutzend Männer, das bereits zum 5. Mal in der Turnhalle Walde seine Schweizer Meisterschaft austrägt. Warum Walde? «Zentrale Lage», meint Christian Reck, der mit seinen Schülern in Reinach und Walde Saalflugmodelle baut. Und die erhalten Tipps von den «Profis». Jene fliegen grössere Modelle, die bis 15 Minuten fliegen.

«Echli närvig» sei die Arbeit, meint eine Schülerin am Donnerstagnachmittag im Werkunterricht. Geduld, Genauigkeit, Konzentration und feinmotorische Fähigkeiten sind gefragt. Das Modell wiegt keine fünf Gramm. «Vorsichtig, Leute», sagt Christian Reck. Beim Bauen kann mehr kaputt gehen als beim Fliegen. Seit einigen Wochen sind die Sechstklässler dran. Skelett zuschneiden und zusammenleimen, die hauchdünne Kondensorfolie applizieren. Verwendet wird weiches Balsaholz, das mit einer Rasierklinge abgelängt wird.

Das Flugfieber packt alle.

Das Flugfieber packt alle.

Peter Weingartner

Reck arbeitet mit Bausätzen. So kommen sicher alle «Indoor Flyer» in die Turnhallenluft. Wer aber denkt, da flögen alle gleich, irrt. Es kommt auf die Details an. Wo liegt der Schwerpunkt? Wie ist die Neigung der Flügel? Filigranarbeit, und man staunt ob der Konzentriertheit, die den Werkraum beherrscht, auch wenn Christian Reck ab und zu auf den Bauplan verweisen muss. Plan lesen, das lernen die Schulkinder. «Bitte nid afo jufle, Lüüt», mahnt der Werklehrer. Man spürt: Sie wollen ihre Werke fliegen sehen.

Mit Pinzette am Wettkampf

Im Wettkampf geht es darum, das Flugobjekt möglichst lange in der Luft zu halten. Um ihm den nötigen Vortrieb zu verleihen, wird ein verdrehter Gummistrang von 30 Zentimetern Länge verwendet, bei dessen Loslassen der Propeller das Flugzeug himmelwärts treibt. Unterschiedlich lange Flügel bewirken, dass das Flugzeug stets in die gleiche Richtung dreht.

Am Samstag durfte, wer wollte, anlässlich der Schweizer Meisterschaft der Aktiven an einem Schülerwettbewerb teilnehmen. Neben zwölf Schülern aus Walde und Reinach kommen acht Buben und Mädchen von Werklehrer Matthäus Vetter aus Muhen ins Ruedertal. Auch einige Väter lassen sich vom Flugfieber anstecken. Und flugs gibts zusammen mit den beiden Lehrern eine eigene Kategorie.

«Chnüübliarbet», meint Christian Gugger aus Gretzenbach, einer der aktiven Flieger, die mit anderen Flugzeugen auch im Freien fliegen, «aber entschleunigend: Man kann nicht hetzen.» Da wird gepröbelt und feinjustiert. Lupe, Pinzette, Stirnlampe, Leim: Jeder hat seinen Arbeitstisch. Man hilft einander, obwohl man Konkurrent ist. Fachsimpeln inbegriffen. In der Halle – die Heizung läuft nicht, um unerwünschte Strömungen auszuschalten – herrscht beim Wettkampf eine fast andächtige Atmosphäre; der Traum vom Fliegen fasziniert Kinder ebenso wie gestandene Männer.

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