Oberwynental
Am Sonnenberg wurde ein seltenes Biotop erweitert: der Erlenbruchwald

Der kahle Wald am Reinacher Sonnenberg sorgt für Gesprächsstoff. Das Waldstück war in einem sehr schlechten Zustand, jetzt wurden 300 Erlen gepflanzt. Ziel der Aktion ist, die natürliche Vernässung wieder zu ermöglichen.

Rahel Plüss (Text und Fotos)
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Erlenbruchwald
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Im Erlenbruch im Ischlag am Sonnenberg leben spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.
300 Erlen haben Pascal Lüthi (vorne) und seine Lehrlings-Kollegen Martin Mieschbühler (l.) und Sven Buob gepflanzt.

Erlenbruchwald

Rahel Plüss

Von einem Kahlschlag zu reden wäre falsch – dafür ist die Fläche zu klein. Kahl ist das Waldstück im Dreieck Rennweg/Langweg am Reinacher Sonnenberg aber trotzdem. Und das sorgt ganz schön für Gesprächsstoff. Zu hören bekommt das, wie immer, wenn der Forst gröbere Veränderungen im Wald vornimmt, Förster Ueli Wanderon. Stören tut ihn das nicht. In diesem Fall schon gar nicht. Gerne gibt er Auskunft über sein Erlenwaldprojekt.
«Das Waldstück war eine Insel alter Bäume in einem sehr schlechten Zustand», erklärt Wanderon.
Die Fläche hatte nämlich dem Sturm Lothar, der an Weihnachten 1999 über das Land fegte, getrotzt, während rundherum die Bäume wie Zündhölzer brachen. Nur, plötzlich so alleine da zu stehen, waren sich die Bäume nicht gewohnt: Wind, Sonne und Schnee setzten ihnen in den Folgejahren stark zu. Viele, vor allem Eschen, waren krank. Sie mussten weg. Ganze 250 Kubikmeter Holz hat der Forstbetrieb aargauSüd auf der Fläche geschlagen. Holz, das heute nicht mehr viel Ertrag bringt. Im vergangen Jahr hatte der Forstbetrieb 150 000 Franken weniger eingenommen als im Vorjahr.

Seltenes Biotop soll entstehen

Der Wirtschaftswald hat ausgedient – zumindest in diesem Waldstück im Ischlag. Hier soll ein besonderes und «in den Nord-Süd verlaufenden Seitentälern seltenes Biotop», wie Wanderon sagt, entstehen: ein Erlenbruch.
Ein Erlenwas? «Bruch» habe in diesem Fall nichts direkt mit «brechen» zu tun, erklärt der Fachmann und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Als Bruch werde auch ein permanent nasser, sumpfiger Wald bezeichnet. Und den mögen die Schwarzerlen, die zur Familie der Birkengewächse gehören.

Hier im Ischlag ist es natürlicherweise feucht bis nass. Untrügliches Zeichen ist der Mösli-Weiher. «Der Tümpel hat keinen Zufluss», so Wanderon. Der Boden in der Umgebung sei so beschaffen, dass das Regenwasser nicht versickern könne. Die Staunässe begünstige spezialisierte Pflanzen- und Tierarten – ein wertvoller Lebensraum, nicht zuletzt, weil er in der Region selten ist (vgl. Interview nebenan). «Erlenbruchwälder findet man häufiger in der Nähe von grossen Flüssen und weniger bei uns in den Seitentälern», so Wanderon.
Nicht nur für Flora und Fauna ist der Erlenbruch wertvoll, sondern auch für Erholungssuchende. Davon ist Wanderon überzeugt. «Erlen als Weichhölzer altern schnell und der Wald bekommt so rasch einen speziellen Charakter», sagt der Förster.

Schön fürs Auge, gut fürs Gemüt. «In einem so stark frequentierten Waldstück wie dem Ischlag hat die Erholungsfunktion gegenüber der forstwirtschaftlichen Priorität.» In den vergangenen Tagen haben die Mitarbeiter des Forstbetriebs aargauSüd nicht weniger als 300 Schwarzerlen gepflanzt und mit Plastikstulpen vor Wildverbiss geschützt. Der Erlenbruch wird so auf rund vier Hektaren ausgedehnt. Mit zum Projekt gehört die Absicht, über kurz oder lang die alten Entwässerungsgräben zuzumachen und so die natürlich Vernässung wieder zu ermöglichen.

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