Oberkulm
Alle unter einem Dach: Kinder bereichern die Alterssiedlung

In der Wohnsiedlung «Sunnepark» wohnen Jung und Alt unter einem Dach. Noch sind zwar nicht alle Wohnungen vermietet, doch das generationenübergreifende Zusammenleben funktioniert – ein Augenschein.

Kathrin Aerni
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Jung und Alt im «Sunnepark»: Krippenleiterin Nadine Bürgi, Lily Gritti und Gruppenleiterin Arianne Vogler (v. l.).

Jung und Alt im «Sunnepark»: Krippenleiterin Nadine Bürgi, Lily Gritti und Gruppenleiterin Arianne Vogler (v. l.).

KAE

Behinderte Bewohner stören Mieter

Seit September 2012 leben in der Alterssiedlung «Sunnepark» auch 16 Klienten der Zetzwiler Stiftung Schürmatt, diese hat dafür sechs Wohnungen gemietet. Die Menschen mit mehrfacher Behinderung sind teils auswärts und teils intern in einem Atelier beschäftigt, was von der Gemeinde Oberkulm für fünf Jahre abgesegnet wurde.

Dass es dabei nicht immer leise zu- und hergeht, versteht sich von selbst. Einmal habe einer in der Nacht geschrien, berichtet eine Mieterin. Ein anderer Mitbewohner erzählt, dass die Behinderten oft mit dem Lift spielen und ihn so blockieren. «Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Diese Leute werden zu wenig betreut», finden einige Seniorinnen.

Dazu nimmt Werner Sprenger, Direktor der Stiftung Schürmatt, Stellung: «Unsere Klienten werden 24 Stunden betreut.» Zudem sei es unmöglich, behinderte Menschen 1:1 zu betreuen. Er könne nicht bestätigen, dass seine Klienten tagsüber und nachts schrien, mit dem Lift spielen und ihn auch blockieren würden. Allerdings stimme es, dass die Klienten besondere Aufmerksamkeit benötigen und sich auch anders verhalten als Nichtbehinderte. (kae)

In der aus drei Wohnblocks bestehenden Wohnsiedlung «Sunnepark» in Oberkulm gibt es 45 Wohnungen für die «Generation 60+». In einem Wohnblock ist im Parterre die Kindertagesstätte «Sunneschii» untergebracht. Nebst der Kita hat auch die Spitex Mittleres Wynental ihren Hauptsitz in der Alterssiedlung «Sunnepark». In Zusammenarbeit mit dem Alterszentrum Mittleres Wynental, das gleich neben dem «Sunnepark» liegt, gibt es ein Grundangebot an Service-Leistungen.

Szenenwechsel: Auch die beiden betagten Schwestern Margrit und Hedi Müller, die im zweiten Stock des gleichen Wohnhauses leben, bereiten ihr Mittagessen zu. Die beiden verstehen sich gut und lebten, bevor sie in den «Sunnepark» umgezogen sind, in einem alten Bauernhaus in Gontenschwil. «Wir wohnten am Hang und hatten einen grossen Umschwung», erzählt Margrit Müller. Die 89-Jährige ist die Gesprächigere der zwei. «Wir haben noch mit Holz angefeuert», berichtet sie nicht ohne Stolz. Hier aber müsse man nicht einmal mehr heizen, lacht sie.

Trotz gewisser Altersgebrechen haben die Schwestern ihren Humor nicht verloren und sind geistig fit geblieben. Dank der grosszügigen Zimmer, die durchgehend rollstuhlgängig sind, können sie länger selbstständig wohnen. «Die Küche ist sogar genügend gross, damit wir beide zusammen kochen können», sagen sie. «Wir schätzen die praktische Einrichtung und den guten Kontakt zu den Mitbewohnern.» Sie seien glücklich, hier zur Miete wohnen zu dürfen.

Nicht alle Wohnungen besetzt

Das Nebeneinander von Alt und Jung in der Alterssiedlung «Sunnepark» funktioniert recht gut. Doch noch sind nicht alle Wohnungen vermietet: Von den insgesamt 45 Wohnungen sind gemäss Vermietung drei noch immer unbelegt und etliche weitere erst reserviert. Dies, obwohl sich die Stiftung Schürmatt aus Zetzwil kurzfristig und unplanmässig noch mit sechs Wohnungen eingemietet hat.

Karin Faes ist Co-Geschäftsführerin der örtlichen Baufirma Faes AG, welche die Alterssiedlung mit dem Architekten Michel Schneider aus Schöftland realisiert hat und sie jetzt auch vermietet. «Wir sind zufrieden, wie es mit der Vermietung läuft», sagt sie.

Jede Wohnung sei schon einmal vermietet gewesen. «Zu Beginn wurden wir von Interessenten überrumpelt, doch als es darum ging, den Mietvertrag zu unterzeichnen, zogen sich viele ältere Menschen wieder zurück.» Teils seien auch Wohnungen reserviert worden.

Lily Gritti, 85-jährig, ist ihrem Mann zuliebe in die Alterssiedlung gezogen. Im Fricktal, ihrem letzten Wohnort, habe es keine Kombination von Altersheim- und Alterswohnungen gegeben und auch keine freien Plätze in der Umgebung. «Ich bin herzlich aufgenommen worden und fühlte mich von Anfang an wohl hier», sagt die ehemalige Kindergärtnerin.

In ihrer Alterswohnung sei sie gut aufgehoben und zweimal pro Woche könne sie ihren Mann im Alterszentrum nebenan besuchen. Lily Gritti geht zwar am Rollator, weil eine Hüftoperation nicht nach Wunsch verlief. Sie stellt sich spontan für ein Foto mit den Babys und Kindern zur Verfügung. «Ich mag Kinder und mache oft ein Bsüechli», sagt sie.

Neue Wohnung liegt zentral

«Es brauchte am Anfang viel Überwindung, in eine Alterswohnung zu ziehen und viel Altes zurückzulassen», sagt Verena Erismann, Bewohnerin des «Sunneparks». Schliesslich könne man nicht alles in eine 31⁄2-Zimmer-Wohnung mitnehmen. «Ich habe aber dafür gesorgt, dass meine Lieblingsmöbelstücke mitgekommen sind.» Die Mutter von fünf Kindern hat 14 Enkel und zeigt stolz die Fotografie an der Wand. Ein weiterer Vorteil ihrer neuen Wohnung im «Sunnepark»: «Ich habe weniger weit zum Einkaufen und zur WSB-Station.» Das sei für sie wichtig, weil sie Knieprobleme habe und nicht mehr gut zu Fuss sei. Das Autobillett habe sie abgegeben. Auf die Kita angesprochen, sagt Verena Erismann, die Kinder seien eine willkommene Abwechslung zum Alltag. «Oft gehe ich auf den Balkon und sehe ihnen beim Spielen zu.»

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