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Ferienhungrige bringen Testkapazitäten ans Limit – Aargauer Spitäler und Apotheken am Anschlag

Weil die Corona-Testzentren der Spitäler am Anschlag sind, werden regelmässig Testwillige an Apotheken weiter verwiesen. Doch auch diese kommen kaum mehr nach und klagen über fehlende Kapazitäten und ausgelaugtes Personal.

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Eine Apothekerin macht einen Abstrich bei einer Frau.

Eine Apothekerin macht einen Abstrich bei einer Frau.

Keystone

Die Sommerferien stehen vor der Tür und Testtermine sind mehr als nur Mangelware. Sowohl die Spitäler als auch die Apotheken werden überrannt und stossen an die Grenzen ihrer Kapazitäten.

Im Kantonsspital Baden (KSB) kann man die Termine online über die Webseite buchen, maximal eine Woche im Voraus. Zurzeit sei es aber schwierig, überhaupt noch einen Termin zu bekommen. Warum ist für KSB-Kommunikationsleiter Omar Gisler klar:
«Die Sommerferien stehen vor der Tür. Da vielerorts die Corona-Massnahmen gelockert worden sind, reizt es offensichtlich viele Leute, die Sommerferien im Ausland zu verbringen. Vielerorts braucht man für die Einreise ein negatives Testresultat, das nicht älter als 48 respektive 72 Stunden ist», sagt er gegenüber «ArgoviaToday».

Die Testkapazitäten des Kantonsspitals Baden werden laut Gisler deshalb momentan vermehrt von Gesunden genutzt, die sich vor einer Ferienreise testen lassen wollen. Insbesondere in der zweiten Wochenhälfte gäbe es jeweils sehr viele Buchungen für Covid-Tests, so Gisler. Dies decke sich mit der Erfahrung, dass immer noch viele Leute am Samstag in die Ferien aufbrechen.

Spitäler verweisen an Apotheken – dort ist die Lage aber prekär

Weil die Spitäler so stark ausgelastet sind, raten sie gesunden Testwilligen, die das Ergebnis für eine Reise oder eine Veranstaltung brauchen, auf eine Apotheke auszuweichen. Doch auch diese sind laut Lukas Korner, Präsident vom Apothekerverein Aargau, am Anschlag: «Wir kommen nicht mehr nach mit dem Testen. Es kann schon mal vorkommen, dass wir in einer Apotheke bis zu 200 Personen pro Tag testen. Die Leute können vielerorts nur noch mit einem Termin zum Testen kommen, sonst haben wir keinen Überblick mehr und ein riesiges Durcheinander.»

Auch beim Personal hinterlässt der Dauerstress seine Spuren: «Das Personal ist nach eineinhalb Jahren Pandemie erschöpft und es haben sich schon viele beklagt. Nicht zuletzt, weil verzweifelte testwillige Personen teilweise auch ausfällig werden. Pro Testtag sind bei uns in der Apotheke Gränichen zwei Personen nur fürs Testen angestellt. Das sind 20 Prozent unseres Personals!»

Alle sitzen im gleichen Boot

Trotzdem hat Korner Verständnis dafür, dass die Spitäler Testwillige an die Apotheken weiter verweisen: «Auch die Testzentren sind mit der Situation überfordert. Ihr letzter Plan ist es, Leute weiter zu verweisen, damit sie nicht mehr so unter Druck stehen.»

Um die Situation zu entschärfen, müsste man die Kapazitäten der Testzentren und Apotheken erhöhen. Dies sei aber gar nicht überall möglich, erklärt Korner. Für eine Erhöhung der Kapazitäten brauche es immer auch genügend und entsprechend geschultes Personal. Ausserdem müsse die Apotheke gross genug sein, um überhaupt den Platz für das erweiterte Testangebot zu haben. Dass das BAG innert wenigen Tagen die Testkriterien ändern könne, erschwere die Arbeit der Apotheken noch zusätzlich und sei alles andere als vertrauensfördernd, so Korner.

Doch was nun? Was tun, wenn man dringend einen Test braucht, aber die Termine online ausgebucht scheinen? Korners Rat: «Überall anrufen und versuchen, einen Termin zu bekommen. Heutzutage muss man sich überlegen, zuerst einen Testtermin zu haben, bevor man überhaupt Ferien bucht.» (mbr/umt)

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