Schloss Wildegg
Vom Erbsen-Boom bis zum Chia-Trend: Diese Nahrungsmittel waren früher in Mode

Nora Güdemann
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Museum Aargau lädt zur Gartenvernissage im Schloss Wildegg
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Im Schlossgarten sind neu vier Posten aufgestellt, die verschiedene kulinarische Epochen behandeln.
Hier erläutert Christine Wüest den Erbsen-Boom rund um König Louis XIV im 18. Jahrhundert.
Danach gab es eine Kostprobe für Marco Castellaneta, Direktor Museum Aargau, und für Richard Kägi, Globus Foodscout.
Doch die Kälte der letzten Monate hat einigen Pflanzen im Schlossgarten zu schaffen gemacht.
Beispielsweise dem Federkohl.
Mira Langegger von Pro Specie Rara ging auf die Bedeutung der Zucht seltener Sorten ein: «Klimaveränderungen, Krankheiten oder Schädlinge können ganze Arten dahinraffen. Zu wissen, welche Sorten resistenter sind, rettet Leben.»
Die Besucher finden im Schlossgarten auch einige ausländische Pflanzenarten.

Museum Aargau lädt zur Gartenvernissage im Schloss Wildegg

Nora Güdemann

Gerste, Grünkohl, Goji-Beeren: Was bei uns auf dem Teller landet und vor allem warum, ist Thema der neuen Ausstellung «Superstars im Gemüsegarten» auf dem Schloss Wildegg. Am Donnerstag lud Museum Aargau zur Vernissage. Christine Wüest ist Projektleiterin und führte die Anwesenden durch den 300-jährigen Schlossgarten. «Was hier in der Vergangenheit angebaut wurde, war nicht nur vom Klima oder den Finanzen der Leute abhängig, sondern auch von Trends.»

Im Schlossgarten sind neu vier Posten aufgestellt, die verschiedene kulinarische Epochen behandeln. Beispielsweise den Erbsen-Boom rund um König Louis XIV im 18. Jahrhundert oder die folgende Hungersnot, in der die Menschen zur bisher verschmähten Kartoffel greifen mussten. 1900 der nächste Trend: Maximilian Bircher, Erfinder des Birchermüslis, löste eine Rohkost- und Vegetarismus-Bewegung aus. Heute stossen importierte Waren wie Chia-Samen und Goji-Beeren auf Anklang. Welche Trends uns in der Zukunft erwarten werden, wusste Globus-Foodscout Richard Kägi: «Die meisten Moden sind keine neuen Erscheinungen, sondern schon altbekannt. Die Einkaufsliste der Schweizer sieht heute zu 80 Prozent gleich aus, wie vor 30 Jahren.» Momentan sei der Einkauf von regionalen und saisonalen Produkten beliebt. Aber auch das ist kein neuer Trend: «Früher gab es einfach nicht so viel Import-Ware wie heute.»

Alte Sorten als Lebensretter

Im letzten Herbst begannen die Planungen für den Anbau der Superfoods von heute und früher im Schlossgarten. Doch die Kälte der letzten Monate hat den Pflanzen zu schaffen gemacht, beispielsweise der Federkohl ist noch etwas klein. Zum Thema passten die Referate von Mira Langegger von Pro Specie Rara. Die Organisation kümmert sich im Schlossgarten um den Erhalt alter Nutz- und Zierpflanzen. Am Posten zur Hungersnot ums Jahr 1800 erklärte Langegger, welche Bedeutung die Zucht seltener Sorten hat. «Klimaveränderungen, Krankheiten oder Schädlinge können ganze Arten dahinraffen. Zu wissen, welche Sorten resistenter sind, rettet Leben.»