Othmarsingen
Vizeammann Hans Rätzer kandidiert für die Nachfolge des verstorbenen Gemeindeammanns

Hans Rätzer hatte nie Ambitionen, Gemeindeammann zu werden, als Vizeammann hat er sich wohlgefühlt. Wenn es um die Neubesetzung des Amts ging, hat er jeweils andern den Vortritt gelassen.

Ruth Steiner
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Ammann-Kandidat Hans Rätzer vor dem Othmarsinger Gemeindehaus.

Ammann-Kandidat Hans Rätzer vor dem Othmarsinger Gemeindehaus.

Ruth Steiner

Nun hat das Schicksal aber anders entschieden: Nach dem überraschenden Tod von Markus Briner im Frühling dieses Jahres, nur wenige Wochen nach dem Amtsantritt, musste Rätzer als Vizeammann über Nacht die Geschicke der Gemeinde Othmarsingen übernehmen. Ein Schock sei es gewesen, sagt er. Der Vorfall habe ihm die Vergänglichkeit des irdischen Daseins vor Augen geführt. Abgeklärt fährt er fort: «Doch das Leben musste weitergehen und die Geschäfte der Gemeinde weitergeführt werden.» Über Nacht ins kalte Wasser geworfen, sei er froh gewesen über die erfahrenen Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung und die Unterstützung durch die Gemeinderatskollegen.

Jetzt will sich der Vizeammann am 24. September zum Ammann wählen lassen. Rätzer sieht den Schritt als logische Folge der Tatsache, dass Othmarsingen einen sehr «jungen» Gemeinderat haben wird, er als einziger länger als zwei Jahre der Behörde angehört. «Es ist die beste Lösung so für Othmarsingen», sagt er. Rätzer ist seit 2007 im Gemeinderat. Bereits 20 Jahre zuvor war er knapp fünf Jahre lang im Gremium gewesen.

Für die UNO im Einsatz

Der 51-jährige Hans Rätzer ist Bauer, ein studierter mit dem Titel Dr. Ing.-Agr. ETH. Für seine Dissertation hat er die Wirtschaftlichkeit verschiedener Rindertypen mit einem Computersimulationsmodell verglichen.

Mit seinem Bruder betreibt der Ammann-Kandidat einen klassischen Milchwirtschaftsbetrieb in Othmarsingen. Vor fünf Jahren wurde der Hof ausgesiedelt, das Wohnhaus im Dorf ist Hans Rätzers Zuhause geblieben.

Als Landwirt steht er mit beiden Füssen auf dem Boden des Lebens, hat immer dort angepackt, wo er gebraucht wurde. Rätzer hat seine berufliche Karriere nie geplant. Er hat aber auch nie Nein gesagt, wenn sich eine Tür geöffnet hat. Nach dem Studium arbeitete er beim Bauernverband in Brugg. Dort fand ihn die DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes), als er darum ging, nach dem Krieg im Kosovo die Landwirtschaft wieder aufzubauen. Hans Rätzer wurde Leiter des Projekts «Kühe für Kosovo». Dort hat ihn die UNO abgeworben und aus dem kurzzeitigen Einsatz wurden schlussendlich rund 1,5 Jahre. Später wechselte er als Dozent an die Fachhochschule für Landwirtschaft in Zollikofen BE.

Überlegt, bodenständig, gradlinig: Das sind die Attribute, die man Hans Rätzer im Gespräch ausstellen möchte. Wenn er von seinen internationalen Einsätzen spricht, tut er dies in einer bescheidenen Art und Weise. Auch jetzt will er nicht viel Aufhebens um seine Person machen. Einzig als er vor die Fotokamera stehen soll, schimmert kurz ein wenig Eitelkeit durch: «Sind meine Haare ordentlich?»

Endlich ein neues Gemeindehaus

Wo will Hans Rätzer als Ammann in der Gemeinde Zeichen setzen? Am allerwichtigsten sei das Zwischenmenschliche, sagt er. «Von der Gemeindebehörde bis zum Hauswart müssen alle am gleichen Strick ziehen.» Um die Sache dürfe durchaus mit harten Bandagen gekämpft werden. «Doch auch nach hartem Ringen muss anschliessend ein gemeinsames Bier drin liegen.»

Klare Vorstellungen hat der sehr wahrscheinlich neue Gemeindeammann auch, wenn es um die Projekte geht, die er anpacken will. «Wir wollen endlich, endlich eine neue Gemeindeverwaltung realisieren», sagt er. Dazu muss es jedoch bei der geplanten Zentrumsüberbauung auf dem Centravo-Areal bald einen Schritt weitergehen.

Schleichverkehr bekämpfen

Die Verkehrsinfrastruktur will Rätzer Schritt für Schritt verbessern und vor allem für die Fussgänger und Radfahrer sicherer machen. Entsprechende Projekte sind aufgegleist und weitere sollen folgen. Der stetig zunehmende Schleichverkehr durchs Dorf soll wieder abnehmen. Dazu will man sich nach Möglichkeit weiterhin dafür einsetzen, dass der Bund den Ausbau der A 1 nicht auf die lange Bank schiebt. Die gemeindeeigene Infrastruktur soll unter konsequenter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde sukzessive unterhalten und den sich verändernden Bedürfnissen angepasst werden. «Langfristig gesunde Gemeindefinanzen sind absolut zentral und ein Steuerfuss im Bereich des Kantonsmittels wird angestrebt», sagt Rätzer. Gut investiertes Geld bringe einen wertvollen Return on Investment und er verweist auf die Schulräume, die Othmarsingen langfristig der Stiftung Schürmatt vermieten konnte. Mit den in den vergangenen Jahren getätigten Investitionen, insbesondere in die Schul- und Werkleitungsinfrastruktur sowie dem bewilligten Bau des Doppelkindergartens, sei das Dorf gut gerüstet für die Zukunft.

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