Gegen den Trend
Staufen holt die Dorfschule zurück: «Man kennt sich wieder beim Namen»

Die stark wachsende Gemeinde kündigte den Vertrag mit der Regionalschule Lenzburg – und stellt sich damit gegen den allgemeinen Trend zu Zusammenschlüssen.

Ruth Steiner
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Gemeinde Staufen holt die Primarschule zurück ins Dorf.

Gemeinde Staufen holt die Primarschule zurück ins Dorf.

zvg

Als Katja Früh Haas vor anderthalb Jahren das Gemeinderatsmandat übernahm, sah sie sich vor eine Mammutaufgabe gestellt. Frisch gewählt, hatte sie als Zuständige für das Ressort Bildung die Trennung der Schule Staufen von der Regionalschule Lenzburg operativ über die Bühne zu bringen.

Gemeinderätin Katja Früh «Es hat Sinn gemacht, die Dorfschule wieder ins Dorf zu holen.»

Gemeinderätin Katja Früh «Es hat Sinn gemacht, die Dorfschule wieder ins Dorf zu holen.»

Corina Schurmann;zvg;

Nachdem der Kanton Aargau einen Wechsel des Schulsystems auf sechs Jahre Primarstufe und drei Jahre Oberstufe beschlossen hatte, wurde die bisher in Staufen und Lenzburg geführte Oberstufe auf den Schulstandort Lenzburg konzentriert. Für die Gemeinde Staufen war die per Schuljahr 2006/07 eingeführte Zusammenarbeit damit überflüssig geworden.

Auch wenn sie sich vielleicht einen etwas weniger heftigen Einstieg in das politische Amt gewünscht hätte, so blickt Katja Früh auf breiter Front positiv auf den gut ein Jahr dauernden Prozess zurück. Die gesamte Schulorganisation musste aus dem Regionalschulverbund mit Lenzburg und Ammerswil herausgelöst und in Staufen neu aufgebaut werden. Die 43-jährige Unternehmerin und Präsidentin der Kita «Villa Kunterbunt» in Staufen hat nicht lange gefackelt, die Hemdsärmel hochgekrempelt und sich der Aufgabe gestellt: «Ich habe das Projekt der Primarschulrückführung ins Dorf auch für mich persönlich als grosse Chance betrachtet, mich rasch in die Schulthematik einzuarbeiten», sagt sie heute.

Regionalschule Lenzburg: Gemeinsame Schulsozialarbeit

Trotz Auflösung des Gemeindevertrages für die Regionalschule Lenzburg-Staufen-Ammerswil führt Staufen die Zusammenarbeit mit der Regionalschule Lenzburg punktuell weiter. Dazu gehören beispielsweise die Leistungen der Schulsozialarbeit, die weiterhin in Lenzburg bezogen werden. (str)

Seit Anfang Jahr ist die Primarschule Staufen wieder eigenständig. In zehn Abteilungen werden 255 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Hinzu kommen drei Kindergartenabteilungen. Das neu eingerichtete Schulsekretariat führt die Musikschulleiterin Karin Müller in einem 40-Prozent-Pensum. Und noch immer ist Katja Früh überzeugt: «Es hat Sinn gemacht, die Dorfschule wieder ins Dorf zu holen.» Bereits nach kurzer Zeit spüre sie eine wachsende Identifikation der Lehrkräfte mit Gemeinderat und Schulbehörden. «Man kennt sich wieder beim Namen», stellt Früh fest.

Lob für Trennungsprozess

Bis es jedoch so weit war, waren alle involvierten Stellen gefordert. Zwar habe der ordentliche Schulbetrieb von den Ablösungsprozessen wenig gespürt, erklärt Früh. «Wir haben hier in Staufen immer eine Primarstufe geführt mit einer eigenen Standortschulleitung.» Umso anspruchsvoller jedoch gestaltete sich die Arbeit hinter den Kulissen. «Wir mussten die Schule Staufen auf verschiedensten Ebenen aus der Regionalschule herauslösen. Das hat ein ganz enges Zusammenschaffen mit dem Bildungsdepartement in Aarau, der Regionalschulbehörde und den Schulleitungen erfordert», sagt Früh.

Und sie bezeichnet den «sauberen Datentransfer beispielsweise von Schüler- und Lehrerdaten als eine der heikleren Aufgaben». Diesem Schritt hatte die Projektverantwortliche im Vorfeld grossen Respekt gezollt. Sie sei deshalb dankbar gewesen über die sehr konstruktive und einvernehmliche Zusammenarbeit mit den beteiligten Parteien, sagt Früh rückblickend. In diesem Bereich hatte sie im Vorfeld mit einigen Stolpersteinen gerechnet und Reibungspotenzial befürchtet.

Der Aufgabenkatalog des autonomen Schulbetriebs ist umfangreich. Wichtiger Bestandteil davon ist ein detailliertes Budget. «Bisher konnten wir einfach die Schuldgeldabrechnung bezahlen, die uns jeweils zugestellt wurde», erklärt Früh. Obwohl der Ressortverantwortlichen für die Bildung noch Erfahrungszahlen fehlen, ist sie überzeugt, dass die Kosten eines eigenständigen Schulbetriebs für die Gemeinde nicht höher ausfallen werden als bisher im Regionalschulverbund. «Der grösste Kostenblock sind die Löhne für die Lehrpersonen, und die sind unverändert geblieben», hält Früh fest. In der neuen Schulorganisation wurde eine 3-köpfige Schulpflege etabliert. Christoph Furter und Stefan Geissmann haben die Gemeinde bereits in der Regionalschulpflege vertreten, als drittes Mitglied kam Sarah Schöb dazu.

Genug Schulraum vorhanden

Die Gemeinde Staufen wächst. Innerhalb weniger Jahre hat die Bevölkerung um einen Drittel zugenommen. Ein Ende ist nicht absehbar, der Bauboom hält an. Auch in der Schule erwartet man steigende Schülerzahlen in den kommenden Jahren. Schulraum ist genug vorhanden, sagt die Bildungsverantwortliche. «Mit dem Umbau des alten Schulhauses haben wir Kapazitäten für die Zukunft geschaffen.» Und Früh ist überzeugt: Mit der Trennung von der Regionalschule Lenzburg hat man in Staufen einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

So zufrieden Vizeammann Katja Früh mit der erfolgreich verlaufenen Schulscheidung von der Regionalschule Lenzburg ist, so froh ist sie, dass die Oberstufenschüler weiterhin im benachbarten Lenzburg unterrichtet werden können. «Das ist eine Superlösung für alle Beteiligten.»

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